Schwerpunkte

EMVA-1288-Kamerastandard

Neue Version 4.0 als Release Candidate publiziert

16. März 2021, 16:44 Uhr   |  Andreas Knoll

Neue Version 4.0 als Release Candidate publiziert
© EMVA

Das Logo der EMVA

Die EMVA hat Release 4.0 ihres weltweit genutzten Standards EMVA 1288 zur objektiven Charakterisierung von Industriekameras vorgestellt. Die Neuauflage wurde am 16. März als Release Candidate veröffentlicht und soll der rasanten Entwicklung der Kamera- und Bildsensortechnik Rechnung tragen.

Bis zum Release 3.1 vom Dezember 2016 war die Anwendung des EMVA-1288-Standards mit einem einfachen linearen Modell beschränkt auf Kameras mit einer linearen Kennlinie und ohne Vorverarbeitung, die das zeitliche Rauschen modifiziert. Dieses Modell wird auch im „Release 4.0 Linear“ mit einigen Verbesserungen fortgeführt. Neu hinzu kommt jetzt das Modul „Release 4.0 General“. Mit ihm ist die Charakterisierung einer nichtlinearen Kamera oder einer Kamera mit unbekannter Vorverarbeitung wegen des universellen systemtheoretischen Ansatzes des EMVA-1288-Standards auch ohne jegliches Modell möglich. Genau wie beim linearen Kameramodell lassen sich auf diese Weise alle anwendungsbezogenen Qualitätsparameter messen. Entscheidend ist, dass die gleichen Messungen durchgeführt werden können. Abhängig von den Eigenschaften der Kamera kann dann die Auswertung nach dem linearen oder generellen Modell erfolgen.

Zusätzlich umfasst das Release 4.0 zahlreiche Erweiterungen, um moderne Bildsensoren und Kameras applikationsgerecht charakterisieren zu können. Die wichtigsten davon sind:

• Erweiterter Wellenlängenbereich vom UV bis in den SWIR-Bereich
• Rohdaten beliebiger Bildaufnahmemodalitäten lassen sich nach dem Standard charakterisieren.
• Die vielfältigen und universellen Analyse-Tools des EMVA-1288-Standards lassen sich auch auf Größen anwenden, die aus mehreren Kanälen berechnet und abgeleitet wurden. Bei Polarisationsbildsensoren sind das beispielsweise der Polarisationsgrad und der Polarisationswinkel.
• Inhomogenitäten werden detailliert vermessen und nun in Spalten-, Zeilen- und Pixel-Variationen zerlegt. Sie können jetzt mit einer neuen Methode bei allen Intensitätsstufen aus nur zwei aufgenommenen Bildern bestimmt werden.
• Optional lassen sich Kameras mit Optiken oder mit einer Beleuchtung, wie diese durch die Position der Austrittspupille der Optik gegeben ist, für die der Bildsensor konstruiert wurde, nach Standard vermessen. Damit ist der Standard nun auch für Bildsensoren mit zum Rand hin verschobenen Pixeln geeignet.
• Für die Linearität der Kennlinie wird ein besser geeignetes Maß eingeführt.

Mit Publikation des Release Candidate ersetzt das neue Release 4.0 nach drei Monaten (Mitte Juni) automatisch den Vorgänger Release 3.1, sofern in diesem Zeitraum dazu keine Einwände bei der EMVA (European Machine Vision Association) eingereicht und etwaige Einwände ausgeräumt werden können.
Einhergehend mit der neuen Version des Standards hat die EMVA ein umfangreiches Schulungsprogramm vorbereitet. Zwei- oder dreitägige Seminare für das neue Release 4.0 sollen künftig regelmäßig in Zusammenarbeit mit EMVA-Mitgliedsfirmen stattfinden. Mit den überarbeiteten Schulungsinhalten wird auch die erfolgreich eingeführte Zertifizierung auf Expertenebene fortgeführt. Diese richtet sich an alle, die sich die nötigen Erkenntnisse aneignen wollen, um selbst EMVA-1288-Messungen durchzuführen und die Messergebnisse im Detail zu verstehen, sei es in der Entwicklung neuer Kameras, in der Qualitätskontrolle oder um das Verhalten einer Kamera für eine spezifische Anwendung genau zu verstehen.

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