Schwerpunkte

Vier »Kompetenzcluster«

Bund fördert Batterieforschung mit 100 Millionen Euro

13. Juli 2020, 11:00 Uhr   |  Joachim Kroll

Bund fördert Batterieforschung mit 100 Millionen Euro
© WEKA Fachmedien

Bundesministerin Anja Karliczek während der live gestreamten Pressekonferenz zur Batterieforschung.

Die Forscher wollen herausfinden, wie eine flexible und variantenreiche Batteriezellenfertigung gelingen kann. Dabei geht es auch darum, wie man sich vom Wettbewerb aus Asien abgrenzen kann.

Mit dem Dachkonzept »Forschungsfabrik Batterie« will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Batterieforschung in Deutschland stärken und hat die Förderung von vier neuen Batterie-Kompetenzclustern bekanntgegeben. Bundesministerin Anja Karliczek sagte anlässlich der Bekanntgabe: »Im Wettbewerb mit China und den USA stehen wir vor großen Anstrengungen. Wir brauchen deshalb große Schritte statt kleine.« Aus diesem Grund habe die Bundesregierung die Batterieforschung seit 2008 bereits mit 730 Millionen Euro Fördermitteln unterstützt. Nun kommt ein Paket von weiteren 100 Millionen dazu, das auf vier »Kompetenzcluster« verteilt wird.

Die vier Kompetenzcluster behandeln folgende Themen:

  • Intelligente Batteriezellproduktion 
  • Recycling/Grüne Batterie
  • Batterienutzungskonzepte
  • Analytik/Qualitätssicherung

Alle Kompetenzcluster sind länderübergreifend zusammengesetzt. Prof. Christoph Herrmann von der TU Braunschweig und Sprecher des Kompetenzclusters »Recycling/Grüne Batterie«, betonte, dass die bundesweite Zusammenarbeit und Koordination ein wichtiger Fortschritt sei. Insgesamt sind Verbünde mehrerer außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und 40 Hochschulen an den Clustern beteiligt.

»Technische Souveränität erlangen«

Die Ministerin sieht ein wichtiges Ziel der Forschungsförderung darin, von asiatischen Herstellern unabhängiger zu werden und technische Souveränität zu erlangen. Prof. Jürgen Fleischer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ergänzte jedoch, dass es nicht Ziel sei, in den Wettbewerb zur Massenfertigung von Standardprodukten einzusteigen. Er ist Institutsleiter Maschinen, Anlagen und Prozessautomatisierung und verantwortet den Kompetenzcluster »Intelligente Batteriezellproduktion« und skizzierte die Zielrichtung der Forschung in seinem Bereich.

Demnach hat sich die Forschung anfangs stark auf die Zellchemie als Basis der Batterieforschung konzentriert. Mit dem Cluster ProZell wurde der Fokus bereits auf die Herstellung der Zelle ausgeweitet. Der Cluster Intelligente Batteriezellproduktion, der jetzt ins Leben gerufen wird, erweitert das Themenspektrum nun darauf, wie technologische Prozesse in Maschinen und Anlagen integriert werden können. Die Zellproduktion in Asien sei starr, unflexibel und auf Standardprodukte mit hohen Stückzahlen ausgerichtet. Mit dieser Massenproduktion in Wettbewerb zu treten, sei nicht das Ziel der Forschungsinitiative. Alleinstellungsmerkmale für eine Batteriefertigung in Deutschland seien diejenigen Eigenschaften, durch die sich auch Maschinenbau und Automatisierung auszeichnen: Flexibilität, Rentabilität bei mittleren Stückzahlen und hohe Variantenzahl. Prof. Fleischer betonte, dass sich deutsche Premium-Fahrzeuge in Zukunft auch über die Batterie differenzieren müssten und dazu seien Flexibilität und Individualität in der Produktion gefragt.

Prof. Christoph Herrmann von der TU Braunschweig und Sprecher des Kompetenzclusters »grüne Batterie« hob den Vernetzungsgedanken des Dachkonzepts hervor. Wichtig sei, dass hier bundesweit und damit länderübergreigend zusammengearbeitet werde. Dadurch werden die Kompetenzen verschiedener Standorte gebündelt. Aus Herrmanns Sicht sei es wichtig, durch Nachhaltigkeit einen Wettbewerbsvorteil für die deutsche Industrie zu schaffen. Dazu müssen Stoffkreisläufe geschlossen werden, damit aus alten Batterien neue gemacht werden können. Dazu müssen auch die vor- und nachgelagerten Prozesse der Produktion untersucht werden. Sonst bestehe das Risiko dass »ein altes Problem durch ein neues ersetzt wird«.

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2. Die vier Kompetenzcluster und wer beteiligt ist

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