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Interview mit Zhou Aijun, DKE Displays

»Bis 2024 wird sich unsere Kapazität verfünffachen«

29. September 2020, 13:31 Uhr   |  Anja Zierler

»Bis 2024 wird sich unsere Kapazität verfünffachen«
© DKE Displays

Zhou Aijun, DKE Displays: »Nach unserer Einschätzung wird China bereits Ende 2020 seine vorjährige Wirtschaftskraft erreichen; in Europa und Nordamerika wird es wohl noch bis Ende 2021 dauern.«

Das Ergebnis bereits auf Vorjahresniveau, die Kapazitäten drastisch ausgebaut: Trotz Corona-Krise wirkt die Zukunft des chinesischen Displayherstellers DKE rosig. Wie sich die letzten Monate dargestellt haben und was das Unternehmen zukünftig plant, erläutert CEO Zhou Aijun im Interview.

Markt&Technik: Wie entwickelt sich der Markt für E-Paper Displays (EPDs) derzeit?
Zhou Aijun: Der Markt entwickelt sich insgesamt sehr gut. EPDs werden in immer neuen Anwendungen eingesetzt. Daran sehen wir, dass die Bestrebungen, bei neuen Projekten bereits in der Konzeptphase mit unseren EPDs berücksichtigt zu werden, Früchte tragen. Dass sich diese Entwicklung abzeichnen wird, konnten wir schon vor zwei Jahren sehen, da sich unser Vertrieb konsequent dafür eingesetzt hat. Für DKE zahlt es sich besonders aus. Trotz der ca. vierwöchigen Fabrikschließung in China im Zuge des chinesischen Neujahrsfestes und Covid-bedingter Lockdowns haben wir bereits zur Jahresmitte das Ergebnis des Vorjahres erreicht.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen aus? Haben sich dadurch zum Beispiel Ihre Zielmärkte verschoben?
Natürlich hat die Corona-Krise unser Unternehmen beeinflusst. Wir mussten nach dem chinesischen Neujahrsfest zwei Wochen länger schließen als vorgesehen. Viele unserer Mitarbeiter konnten erst nach einer weiteren Verzögerung von ihren Heimatorten an den Arbeitsplatz zurückkehren. Aber trotz einer Verzögerung bei Neuprojekten sehen wir immer mehr Projekte, in denen EPDs eingesetzt werden. In vielen Anwendungen von Mobile Devices und Smart-Life-Anwendungen werden EPDs berücksichtigt. Generell ist das Thema IoT wie geschaffen für E-Paper Displays. Demnach erwarten wir einen weiteren Mengen- und Umsatzanstieg in Zukunft. Wir tragen dem bereits heute Rechnung, indem die Kapazitäten drastisch ausgebaut werden.

Wie ist es um chinesische Displayhersteller allgemein bestellt? 
Der Fokus auf den Heimatmarkt macht sich in diesem Fall bezahlt, da China sehr innovativ ist und offen für Neuheiten. Die Overseas-Märkte sind deutlich stärker von Corona betroffen. Nach unserer Einschätzung wird China bereits Ende 2020 seine vorjährige Wirtschaftskraft erreichen; in Europa und Nordamerika wird es wohl noch bis Ende 2021 dauern.

Der eingeschränkte Temperaturbereich gilt als eine der Haupthürden im Vergleich zu konventionellen LC-Displays, denn viele Anwendungen für EPDs in Automobil oder Industrie fordern einen weiten Temperaturbereich. Planen Sie, diese Märkte zu erschließen, und wenn ja, wie?
Der enge Temperaturbereich ist ein Schwachpunkt von EPDs im Allgemeinen, davon ist jeder EPD-Hersteller betroffen. Wir entwickeln auf Basis von bestehenden Materialien und neu angekündigten Materialien neue Produkte, die wir nach erfolgreichen Tests und Feldversuchen den relevanten Kunden vorstellen werden. Wo möglich, werden heute schon EPDs im Outdoor-Bereich eingesetzt, zum Beispiel an Haltestellen und Bahnhöfen des öffentlichen Nahverkehrs, die den starken Schwankungen der Umgebungstemperatur mit Heizung und Kühlung entgegenwirken. Aber das sollte nur eine Übergangslösung sein. Durch unseren erweiterten Betriebstemperaturbereich von voraussichtlich –20 bis +60 °C werden wir einen großen Schritt in Richtung Outdoor-Anwendungen machen können.

Gibt es weitere Herausforderungen, die es noch zu überwinden gilt, bevor sich neue Anwendungsbereiche erschließen lassen?
Neben dem bereits besprochenen Temperaturbereich sehen wir die Nachfrage nach flexiblen Displays als auch nach kürzeren Refresh-Zeiten.

Welche Neuheiten bieten Sie in diesem Jahr an und was ist noch geplant?
Wir werden unser Angebot an flexiblen Displays ausbauen und 8-Farben-Displays anbieten. Erste Muster in noch festzulegender Diagonale möchten wir auf der embedded world 2021 ausstellen.

Welche Trends und neue Technologien sehen Sie in den kommenden Jahren im Bereich der E-Paper Displays? 
Wir sehen starken Bedarf an flexiblen Matrix- und Farbdisplays. Damit lassen sich viele Designwünsche erfüllen. Es wird durchaus ein langer Weg bis dorthin, den wir aber konsequent verfolgen werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Unternehmens?
Wir haben im Juni den Startschuss zur dritten Fabrik gegeben, die mit Abstand die größte werden soll und bis 2024 unsere bestehende Kapazität verfünffachen (!) wird. Dazu brauchen wir die Treue unserer bestehenden Kunden, ausreichend Neukunden, und vor allem ist uns die Gesundheit unserer Mitarbeiter sehr wichtig.

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