Schwerpunkte

Nominierung Europäischer Erfinderpreis

Aus Abgas wird Kunststoff

04. Mai 2021, 11:55 Uhr   |  Nicole Wörner

Aus Abgas wird Kunststoff
© Deutscher Zukunftspreis / Ansgar Prudenz

Prof. Dr. Walter Leitner (l.) und Dr. Christoph Gürtler sind für den Europäischen Erfinderpreis nominiert.

Aus Abgasen werden textile Fasern, Matratzen, Dämmstoffe: Für ihre Erfindungen zur Verwendung von CO2 für die Herstellung neuer Kunststoffe wurden zwei deutsche Chemiker auf Vorschlag des Deutschen Patent- und Markenamts für den Europäischen Erfinderpreis nominiert.

Die beiden Chemiker Dr. Christoph Gürtler und Prof. Dr. Walter Leitner haben eine Technologie entwickelt, um Kohlendioxid als Baustein für hochwertige Kunststoffe zu nutzen.

Klimaschädliches Kohlendioxid entsteht in riesigen Mengen bei den Verbrennungsprozessen in Kraftwerken, Fabriken und Autos. Weil das Gas genauso wie Erdöl Kohlenstoff enthält, kann es dieses Erdöl dank der neuen Methode in der Kunststoffproduktion teilweise ersetzen – etwa zur Herstellung von Matratzen, Sportböden, textilen Fasern oder Dämmstoffen.

»Ein klimaschädliches Gas als wertvollen Rohstoff für ein hochwertiges Produkt zu nutzen, das klingt wie Stroh zu Gold spinnen«, sagt DPMA-Präsidentin Cornelia Rudloff-Schäffer. »Nur dass es sich hier nicht um ein Märchen handelt, sondern um ganz reale Spitzentechnologie. Die Entwicklungen der beiden Forscher sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie hochinnovative Technik zu Ressourcenschonung und Umweltschutz beitragen kann. Ich freue mich sehr, dass das Europäische Patentamt mit der Nominierung unserem Vorschlag gefolgt ist.«

In der Kategorie „Lebenswerk“ sind gleich zwei weitere deutsche Forscher als Finalisten nominiert:

Der Physiker Prof. Dr. Karl Leo, der an der Technischen Universität Dresden forscht und als Unternehmer tätig ist, wird für seine Erfindungen zur Entwicklung organischer Halbleiter gewürdigt. Diese ermöglichen Anwendungen in der Beleuchtung und in der Photovoltaik, die bislang nicht möglich waren.

Dr. Metin Colpan, Mitgründer des Biotechnologieunternehmens QIAGEN, ist für seine Erfindungen zur Trennung und Reinigung von Nukleinsäuren nominiert. Das Verfahren ermöglicht die kostengünstige Gewinnung höchstreiner DNA ohne toxische Chemikalien und bedeutete einen Meilenstein für die Biotechnologie.

Der Europäische Erfinderpreis wird einmal im Jahr vom Europäischen Patentamt vergeben. In den fünf Kategorien Industrie, Forschung, Nicht-EPO-Staaten, KMU und Lebenswerk werden jeweils drei Anwärterinnen und Anwärter nominiert, von denen dann eine Person oder ein Team ausgezeichnet wird.

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