Glosse / Messtechnik in der Praxis

»Arme hoch, dann nicht mehr bewegen!«

23. Dezember 2014, 10:55 Uhr | Nicole Wörner
Nicole Wörner, Redaktion Markt&Technik
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Nun setzen sie sich also doch durch, die einst als »Nacktscanner« in Verruf geratenen Körperscanner: Nach EU-Recht sollen sie ab 1.9.2015 Pflicht auf jedem Flughafen werden. Datenschutzrechtlich und aus gesundheitlicher Sicht spricht wohl nichts mehr dagegen. Oder? Ich habe es – unfreiwillig – ausprobiert.

Flughafen Köln/Bonn, Sicherheitskontrolle. Wie immer heißt es »Schlange stehen«. Gefühlte einhundert Personen am ersten, am zweiten und am dritten Schalter. Leere dagegen an den Schaltern ganz rechts hinten. Prima, hat noch keiner gemerkt, schnell hin.

Koffer aufs Band, Mantel und Schal in die Plastikwanne, Laptop und Zip-Beutel mit den Kosmetika in einen separaten Behälter. Kenn ich, kein Problem. Auch die obligatorische Frage, ob meine Hosentaschen leer sind, ist nichts Neues. Klar sind die leer, so ein Schlüssel in der Hosentasche stört doch, und mein Geld bewahre ich grundsätzlich im Portemonnaie auf. Na ja, die Frage gehört wohl zum Standardprogramm.

Etwas gelangweilt drehe ich mich um, und plötzlich sehe ich ihn: den Körperscanner.

Jetzt ist mir klar, warum die Schlange so kurz war. Hier gibt es nicht mehr die vertraute, ja fast lieb gewonnene Torsonde mit der netten Flugsicherheitsfachkraft auf der anderen Seite, die mit ihrem piepsenden Handscanner auf mich wartet. Nein, jetzt heißt es stark sein und in die unbekannte Glaskabine eintreten.

Zwei auf den Boden gemalte Fußabdrücke zeigen, wo meine Füße hingehören. »Arme hoch, dann nicht mehr bewegen!« - so das unmissverständliche und jede Zuwiderhandlung im Keim erstickende Kommando des freundlichen Experten für Flugsicherheit. Ich hebe die Arme über den Kopf, ergebe mich in mein Schicksal. Drei Sekunden später ist alles vorbei. Es hat nicht wehgetan, und gehört habe ich auch nichts, kein Piepsen, kein Alarm und auch nicht das aus dem MRT-Gerät vom letzten Bänderriss her bekannte Klopfen. Wusste ich’s doch, alles klar. Oder doch nicht?

Am Ausgang der Glaskabine lauert sie nämlich doch auf mich, die Dame mit dem Handscanner. Ein kritischer Blick auf den Monitor, auf mich, dann wieder auf den Monitor – wo ich mich übrigens nur als Strichmännchen sehe – und dann muss ich doch noch in die Hosentasche greifen. Der Scanner in der Glaskabine hat nämlich was gefunden, was er auch unübersehbar als gelben Fleck auf meinem Strichmännchen anzeigt.

Der Kontaktlinsen-Gummisaugnapf im Größenvergleich mit einem Cent-Stück
Der Kontaktlinsen-Gummisaugnapf im Größenvergleich mit einem Cent-Stück
© Nicole Wörner

Ein kurzer Griff in die Tasche, und tatsächlich, da steckt er, mein für Nichtträger harter Kontaktlinsen ungemein gefährlich aussehender Kontaktlinsen-Gummisaugnapf. Nicht auszudenken, wenn ich den als Waffe benutzt hätte… Ein gezielter Stich mit der im Durchmesser 5 mm großen Gumminoppe direkt ins Auge des Piloten hätte wahrscheinlich verheerende Auswirkungen.

Nun, in diesem Fall mutet es natürlich albern an, einen Passagier wegen eines knapp 3 cm langen und 5 mm dünnen, biegsamen Gummisaugnapfes als potentiell gefährlich einzustufen. Alles in allem denke ich aber, dass solche Kontrollen im Zeichen der Sicherheit im Flugverkehr durchaus sinnvoll sind. Aktuellen Studien zufolge geht von den Scannern keinerlei gesundheitliche Gefahr aus, und der Datenschutz ist auch gesichert: Keine Datenspeicherung und auch keine Detailbilder vom Körper – von letzterem durfte ich mich selber überzeugen.

Bestimmt gibt es noch einigen Verbesserungsbedarf, aber wenn durch diese Art der Sicherheitskontrolle auch nur ein einziger Anschlag verhindert wird, hat sie meines Erachtens eine unbedingte Daseinsberechtigung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allzeit einen guten Flug.

Ihre Nicole Wörner.

PS: Was denken Sie über diese Art der Sicherheitskontrolle? Schreiben Sie mir doch einfach an nwoerner@weka-fachmedien.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback.

Bodyscanner ProVision 2 von L-3 Communications

Der Bodyscanner »ProVision 2« von L-3 Communications wird bereits an vielen Flughäfen weltweit eingesetzt. Im Gegensatz zu den klassischen Torsonden und Metalldetektoren spürt der Scanner auch Materialien ohne Metallanteil auf – damit fallen auch pot
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Der Scan-Vorgang wird manuell gestartet – blauer Button für Männlein, rosa Button für Weiblein. Das Ergebnis des Scans ist für den Sicherheitsbeamten auf dem Monitor zu sehen. Potentiell gefährliche Gegenstände und deren Aufbewahrungsort werden als g
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Ein grüner Bildschirm und die Rückmeldung »OK« heißt, dass der Passagier keine gefährlichen Gegenstände mit sich führt.
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