Brexit Harter Brexit würde Jobs in Deutschland kosten

Im Falle eines harten Brexits drohen Jobverluste in Deutschland. Ein Viertel der Unternehmen plant in dem Fall, Stellen zu streichen, darunter die Automobilindustrie. Das ist eines der Ergebnisse eines Briefings von Deloitte und dem Bundesverband der Industrie (BDI).

»Brexit und die deutsche Wirtschaft: Risiken, Erwartungen und Strategien der Unternehmen« ist der Titel einer Studie, die Deloitte in Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erstellt hat. Dabei wurden insgesamt 262 deutsche Großunternehmen mit wirtschaftlichen Beziehungen zum Vereinigten Königreich befragt.

47 Prozent der befragten Unternehmen schätzt den Schaden, der im Falle eines harten Brexits  auf sie zukäme, als hoch oder sogar sehr hoch ein. Zudem würden laut einer Befragung ein Viertel der Unternehmen in Deutschland Stellen streichen. Das betrifft vor allem die Automobilindustrie, das Bankwesen und den Konsumgüter-Bereich.

Ein ungeordneter Brexit hätte weitreichende Auswirkungen auch auf den Standort Deutschland. »Die Unternehmen haben sich vorbereitet. Trotzdem werden negative Effekte mit Sicherheit eintreten. Sie lassen sich auch durch die beste Vorbereitung nicht verhindern«, sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. »Ein ungeordnetes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs riskiert ein bilaterales Außenhandelsvolumen Deutschlands von rund 120 Milliarden Euro an Ein- und Ausfuhren. Der britischen Wirtschaft droht eine unmittelbar durchschlagende Rezession, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde.«

Insgesamt die größte Sorge macht deutschen Unternehmen ein nachlassender Handel mit dem Vereinigten Königreich. Das sagen mehr als die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent). Die politische Gefahr eines Auseinanderfallens der EU wird ebenfalls als hoch eingeschätzt. Auch deswegen wünschen sich jeweils über ein Drittel der deutschen Unternehmen nach einem wie auch immer gearteten Brexit eine stärkere Zusammenarbeit in bestimmten Politikfeldern beziehungsweise mehr generelle Integration innerhalb der EU (35 Prozent bzw. 39 Prozent).

Die deutschen Unternehmen sehen nach einem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU auch Chancen für den Standort Deutschland. Dabei werden vor allem eine Stärkung des Finanzplatzes, steigende ausländische Direktinvestitionen und eine Verlagerung bestehender Unternehmen oder Unternehmensteile nach Deutschland genannt. Nur 28 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass noch ein Austrittsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich bis zum 30. März zustande kommt. Etwas weniger erwarten, dass die Verhandlungsfrist verlängert wird (25 Prozent). Der größte Teil aber (36 Prozent) rechnet mit einem harten Brexit.