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Brexit-Scherbenhaufen

Wirtschaft hofft und bangt

16. Januar 2019, 07:13 Uhr   |  dpa, Heinz Arnold

Wirtschaft hofft und bangt
© Shockfactor /Shutterstock

Wie sich der Brexit jetzt gestaltet und wie er ablaufen wird - doch einigermaßen geregelt, hart oder chaotisch - bleibt auch unter Fachleuten umstritten.

Das Unterhaus hat das Brexit-Abkommen erwartungsgemäß abgelehnt. Die Reaktionen aus der Wirtschaft reichen von Befürchtungen bis zu Gelassenheit.

»Die übrige EU würde bei einem harten Brexit einen halben Prozentpunkt ihrer Wirtschaftsleistung verlieren – zu groß wären die Verwerfungen für den Handel, die Finanzierungsbedingungen und das Vertrauen der Investoren«, sagte Christian Sewing, Chef der Chef der Deutschen Bank zur Ablehnung des Brexit-Vetrages.

Was der britischen Wirtschaft ebenfalls kaum helfen dürfte: Wenn sich nun dort ansässige Unternehmen entschlössen, ihren Sitz von Großbritannien auf das Festland zu verlegen, um Handelszöllen zu entgehen. Und vielleicht überlegen sich internationale Firmen, der Unsicherheit in der EU als Ganzes zu entgehen und werfen den Blick an andere Regionen.  

Was genau nun passieren wird, nachdem das Unterhaus sehr eindeutig den ausgehandelten Vertrag mit 432 zu 202 abgelehnt hat, bleibt noch offen. Die EU und Großbritannien hatten vereinbart, dass die derzeitigen Regelungen bis Ende 2020 in Kraft blieben, so dass sich die Wirtschaft und die staatlichen Behörden während einer Übergangszeit auf einen Austritt einstellen können. Jetzt könnte Großbritannien ohne jeden Übergang austreten – der harte, vielleicht sogar chaotische Brexit würde Wirklichkeit. Ifo-Präsident Clemens Fuest jedenfalls hält alles andere als zum Verhandlungstisch zurückzukehren für inakzeptabel und Politikversagen.

Oder ist doch alles nur halb so schlimm?

Ifo-Forscher Gabriel Felbermayr zeigt Verständnis für die Ablehnung des Brexit-Deals durch das Unterhaus. »Das Nein der britischen Abgeordneten zum Trennungsabkommen ist absolut nachvollziehbar, weil es das Vereinigte Königreich auf den Status einer Handelskolonie herabstufen würde.«

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wiegelt ab: Die Wahrscheinlichkeit eines ungeregelten Brexits am 29. März 2019 habe sich nicht substanziell erhöht. »Ich erwarte, dass ein wirtschaftliches Chaos verhindert wird, zum Beispiel durch Einzelabkommen für eine Übergangsphase«, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Ein zweites Referendum, und somit ein Verbleib in der EU, sei sogar ein Stück wahrscheinlicher geworden. Sollte es zum »harten Brexit« kommen, werde die deutsche Wirtschaft zwar getroffen, aber nicht übermäßig hart und nicht dauerhaft.

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