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Erfinderin des Frequenzsprungverfahrens

Mrs. Bluetooth

Hedy Lamarr
"Lady Bluetooth" nannte das Jüdische Museum Wien den Hollywood-Star der 30er- und 40er Jahre, Hedy Lamarr, anlässlich einer Ausstellung im letzten Jahr. Sie wurde von ihrer Filmproduktionsfirma einst als "schönste Frau der Welt" vermarktet, diente Disney als Vorbild für Schneewittchen und später auch für Catwoman. Sie ist die Co-Erfinderin des Frequenzsprungverfahrens, einem frühen Vorläufer von Bluetooth und WLAN.
© MGM / Clarence Bull, Public domain, via Wikimedia Commons

Viel mehr als Skandal-Vamp und »schönste Frau der Welt«: Hedy Lamarr war nicht nur Filmschauspielerin, sie erfand auch das Prinzip des Frequenzsprungverfahrens, das neuen Drahtlos-Technologien wie GPS, WLAN oder Bluetooth den Weg ebnete. Sie wäre heute 107 Jahre alt geworden.

Unter dem Künstlernamen Hedy Lamarr machte Hedwig Eva Maria Kiesler, geboren am 9. November 1914 in Wien, in Hollywood Karriere. Metro-Goldwyn-Mayer vermarktete sie als „schönste Frau der Welt“.

Eine für damalige Verhältnisse skandalöse Nacktbadeszene im österreichischen Kunstfilm "Ekstase" aus dem Jahr 1933 machte sie nicht nur schlagartig berühmt, sondern erregte auch den Zorn von Papst Pius XI., der den Film verurteilte und der in Folge in den USA und in Deutschland verboten wurde. Was Lamarr natürlich erst recht zum skandalumwitterten Sexsymbol machte.

Sie machte ihrem Ruf ungerührt alle Ehre, u.a. mit sechs Ehen und Scheidungen, zahlreichen Affären und einer gespielten Orgasmus-Szene Jahrzehnte vor »Harry und Sally«. (Piek-ant: Angeblich wurde sie für diesen Zweck - schmerzerfüllter Gesichtsausdruck - extra mit einer Nähnadel gestochen.)

Noch 1933 heiratete sie den 14 Jahre älteren Waffenproduzenten Fritz Mandl, der mit Adolf Hitler und Benito Mussolini Geschäfte machte und der sich mit seiner attraktiven Frau vor allem schmücken wollte. Doch statt nur als Anhängsel zu fungieren, lauschte die Nazi-Gegnerin Gesprächen ihres Mannes über Waffen und technische Details aufmerksam – und hörte heraus, dass die Funkfernsteuerung von Torpedos damals fehleranfällig war. 

Zusammen mit dem Avantgarde-Komponisten George Antheil, den die musikbegeisterte Diva 1940 auf einer Dinnerparty in Hollywood kennenlernte, sann sie darüber nach, wie man die USA im Kampf gegen das NS-Regime unterstützen könnte. Funkgesteuerte Torpedos konnten damals vom Feind durch Blockieren der jeweiligen Funkfrequenz gestört werden. Die Idee der beiden: Wenn Torpedo und Steuersender die Funkfrequenz ständig synchron wechseln würden, könnte man die Blockade unterbinden. Das Frequenzsprungverfahren war geboren.

Klavierspieler Antheil erkannte das Potenzial der Idee anhand der damals über Walzen geführten Lochkarten, mit denen Klaviere damals synchron im Takt gesteuert wurden. Und übertrug sie auf Torpedos: statt Klaviertasten sollten eben die Funkfrequenzen wechseln, um eine blockierungssichere Fernsteuerung zu erhalten.

Lamarr und Antheil experimentierten in Folge zum Frequenzsprungverfahren bei der Marine in San Diego und ließen ihre Idee im Anschluss am 11. August 1942 als US-Patent Nr. 2.292.387 für ein »Geheimes Kommunikationssystem«, das zwischen 88 Funkfrequenzen (die den 88 Tasten auf einem Klavier entsprachen) wechselte, patentieren.

Das Erfinder-Duo bot es der im Weltkrieg befindlichen US-Marine kostenlos an, doch die winkte ab. Der Zusammenhang zwischen »Klavier« und  »Waffensteuerung« erschloss sich ihr damals nicht. Das geschah erst 1957, als das US-Militär weiter an der Idee des Frequenzsprungverfahrens forschte und zum ersten Mal als neue Funktechnologie während der Kuba-Krise zum Einsatz brachte. Da war Lamarrs und Antheils Patent allerdings seit drei Jahren abgelaufen.

Auch posthum erhielten sie keine Entschädigung für ihre Leistung, dabei war ihr Patent der Katalysator für Technologien zur gleichzeitigen Nutzung von Funkfrequenzen, ohne dass diese sich gegenseitig stören: für Mobiltelefone, Faxgeräte und andere drahtlose Kommunikationssysteme, die heute Standard sind.

Erst in jüngster Zeit erfuhr Hedy Lamarr Anerkennung als Erfinderin. 1997 wurde sie zusammen mit George Antheil mit dem Pioneer Award der Electronic Frontier Foundation (EFF) ausgezeichnet und im selben Jahr mit dem »BULBIEª Award« (dem "Oscar" des Erfindens) geehrt.  Im Jahr 2014 wurde sie in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen. 

Hedy Lamarr starb am 19. Januar 2006 in Florida. Sie wurde 85 Jahre alt. 
 


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