Neuer Personalchef bei Rohde & Schwarz

»Ein Einser-Abschluss an der TU ist jetzt nicht mehr alles«

4. November 2019, 10:06 Uhr | Corinne Schindlbeck

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Man darf auch mal nein sagen

Sie haben parallel einen Master of Business Administration mit Fokus auf Unternehmensführung erlangt. War die Konzernspitze schon immer Ihr Wunsch?
Auch wenn es die letzten Jahre dann ziemlich schnell ging: So weit habe ich eigentlich nie gedacht. Allerdings hatte ich schon früh die Hypothese, dass die intrinsische Motivation bei Führungskräften enorm hoch ist. Mehr bewegen zu können, wenn ich Führungskräfte führe, die auch gestalten wollen: Das mag ein Motivator gewesen sein.
Grundsätzlich aber habe ich einfach versucht, meinen Job immer möglichst gut zu machen – auch wenn nicht jeder Schritt immer von Anfang an gleich attraktiv erschien. Auch Aufgaben anzunehmen, Dinge zu machen, die vielleicht auf den ersten Blick nicht so verlockend erscheinen, das gehört für mich dazu. Im Werk Teisnach – tolle Leute, viel Know-how – stand ich auch vor Herausforderungen, Struktur, Führung und Organisation zu optimieren, z.T. über den Kostenaspekt. Eine undankbare Aufgabe, warnten manche. Ich habe diese nicht gescheut, weil ich Vertrauen in das Unternehmen hatte, auch im Falle eines eventuellen Misserfolgs nicht fallen gelassen zu werden und weiterhin neue, spannende Positionen ausüben zu dürfen. Übrigens ein wesentlicher Kern von Rohde & Schwarz: Man entwickelt sich gemeinsam! Und man darf auch mal nein sagen. So habe ich eine Auslandsposition in Singapur abgelehnt, weil meine familiäre Situation dies nicht zuließ. Das war dann auch okay, ich wurde, wie Sie sehen, dennoch weiter betrachtet.

Wie würden Sie sich als Manager beschreiben, was ist Ihnen wichtig?
Bodenhaftung gehört sicherlich dazu und auch eine gewisse Robustheit. Struktur und Klarheit ist mir wichtig, aber ebenso die Anpassungsfähigkeit, im Wandel und auf Situationen flexibel reagieren zu können. Ich möchte Themen umsetzen und etwas bewegen. Als Führungskraft muss man das eine oder andere stärker aus strategischer Sicht und aus der Distanz betrachten. Das Wechselspiel, sich dann operativ zu lösen, muss man beherrschen. Und trotzdem einen respektvollen Umgang pflegen. Mitarbeiter, die ihren Beruf mit großer Kompetenz und Leidenschaft ausüben, respektiere ich unglaublich. Und die gibt es in der Fertigung genauso wie in der obersten Führungsebene oder bei externen Dienstleistern, mit denen wir zu tun haben. Es sind nämlich beileibe nicht immer nur die Förderer im oberen Management gewesen, die mich sehr stark unterstützt haben. Sondern auch Kollegen und Mitarbeiter. Jeder Kollege, auf allen Ebenen, leistet einen wertvollen Beitrag. Ich wusste immer, auf wen ich mich verlassen kann. Und bin dankbar dafür. Feedback ist ein zentraler Bestandteil der Firmenkultur bei Rohde & Schwarz, Rückmeldungen nehme ich sehr ernst und lege auch auf abweichende Meinungen großen Wert.

Wie gehen Sie mit neuen Themen und sogenannten HR-Trends um, Beispiel Future of Work? Wie halten Sie sich auf dem Laufenden, gehen Sie auf Veranstaltungen wie die Zukunft Personal?
Ich versuche, Wissen aufzusaugen, wo es nur geht. Wir springen bei Rohde & Schwarz aber nicht auf jeden Zug sofort auf. Generell besprechen wir neue Themen in einem monatlichen Strategie-Meeting. Themen, die uns sehr wichtig sind, sind zum Beispiel Diversity oder flexiblere Arbeitsbedingungen. Spitzenpositionen besetzen wir unabhängig von Geschlecht und kulturellem Hintergrund. Bei Rohde & Schwarz arbeiten Menschen aus 187 Nationen, immerhin 25 Prozent davon sind Frauen, was in unserer Branche ein guter Wert ist. Gemischte Management-Teams sind deutlich stärker und leistungsfähiger als homogene, davon bin ich überzeugt. Wir haben Respekt vor Alter und Erfahrung und stellen deshalb auch über 50-jährige Bewerber ein, aktuell sind das bei uns um die 12 Prozent. Es gehört zu unserer DNA, dass die Menschen mit Leidenschaft dabei sind, weil sie das Leben von heute und morgen mitgestalten.


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