Neuer Personalchef bei Rohde & Schwarz

»Ein Einser-Abschluss an der TU ist jetzt nicht mehr alles«

4. November 2019, 10:06 Uhr | Corinne Schindlbeck

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Neue Job-Profile wie der Datenanalyst

Digitalisierung ist bei Rohde & Schwarz ein großes Thema, unter anderem entstehen neue Job-Profile wie der Datenanalyst. Wie integrieren Sie die neue Generation am Arbeitsmarkt?
Die Menschen haben heute eine klare Vorstellung davon, wie sie arbeiten möchten und hohe Erwartungen an ihre Arbeitgeber. Im Gegenzug sind sie auch bereit, hohe Leistung zu erbringen – sofern sie in der Arbeit die für sie richtigen Rahmenbedingungen wiederfinden. Wenn die nicht vorliegen, ziehen sie weiter – im sogenannten War for Talent sitzen sie dadurch oft am längeren Hebel.
Wir registrieren gleichzeitig gerade bei der jungen Generation erstaunlich häufig den Wunsch nach klaren Strukturen und Sicherheit, genauso häufig jedoch auch nach Abwechslung und Geschwindigkeit. Wobei die Kombination bzw. Gewichtung dieser Werte und Ansichten selbstverständlich nicht zwingend für alle gleich ist.
Arbeit ist sehr oft nicht mehr der bloße Einkommenserwerb, vielmehr steht für viele die Suche nach Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung im Vordergrund: Was kann der und die Einzelne individuell beitragen, was eine sichtbare und sinnstiftende Folge hat? Diese Frage gilt es für uns zu beantworten, am besten noch vor dem ersten Vorstellungsgespräch. Überhaupt „gleich“ – ein weiteres Schlagwort, das einen hellhörig werden lässt. Wenn mittlerweile fünf Arbeitsgenerationen gleichzeitig in einem Unternehmen ihr Bestes geben, ist Diversity gelebte Realität. Für das neue Arbeiten und Führen ist deshalb Umdenken und nicht Gleichschaltung gefragt. Unkonventionelle Karrierewege und Quereinstiege werden viel mehr die Norm werden als noch heute. Wer sich Ü50 verschließt und Generation Z nicht ernst nimmt, hat ein größeres Problem als nur den Fachkräftemangel.

Welches Image wollen Sie transportieren, um potenzielle Mitarbeiter überzeugen?
Das schöne für Ingenieure ist, dass man bei uns gewisse Themen einfach machen kann. Ohne zigtausend Prozesse und Regularien, um Prozesse möglichst schlank zu halten. Ich denke schon, dass wir eine gesunde Umsetzungsstärke haben – und dabei einen langen Atem und Ausdauer. Wenn wir an eine Technikidee glauben, sind wir lange bereit, diese weiter zu verfolgen. Das ist auch ein Wettbewerbsvorteil, den unsere Konkurrenten so sehen: „Wenn die Rohde&Schwarzler mal was anfangen, dann sind das die, die nicht aufhören – bis zum Markteintritt.“ Diese Langfristigkeit ist ein Punkt, den ich betonen möchte, der schon immer ein Asset bei uns war.
Außerdem stellen wir unseren potenziellen Mitarbeitern in Aussicht, bei uns an extrem spannenden Themen, an konkreter Zukunft zu arbeiten. Damit Menschen sicher ans Ziel kommen, sei es mit dem Flugzeug (Sicherheit am Flughafen, z.B. Security-Scanner), mit dem Auto (vernetzte Fahrzeuge) oder zu Fuß (Smart City: clevere Lösungen, z.B. für störungsfreien Datenfluss).

Die Nachfrage nach Ingenieuren hat sich laut Branchenexperten etwas entspannt, Grund dafür ist die konjunkturelle Eintrübung. Bremsen auch Sie bei Einstellungen etwas ab? Wie halten Sie Ihre Belegschaft fachlich fit?
Wir setzen auf langfristige Anstellung und haben keine Hire&Fire-Mentalität. Die durchschnittliche Zugehörigkeit zu Rohde & Schwarz liegt bei über elf Jahren. Grundsätzlich suchen wir schon sehr oft Ingenieure mit speziellem Wissen, nicht so sehr die Generalisten. Beispielsweise Hochfrequenzentwickler für Netzwerkanalysatoren oder Produktmanager für Oszilloskope. Sehr oft wird hierbei Erfahrung in der Entwicklung gewünscht, sei es auch nur über eine studentische Beschäftigung. Absolventen ohne jegliche Praxiserfahrung haben es eher schwer, bei uns einzusteigen. Im Vergleich zu vor fünf Jahren suchen wir nun deutlich softwarelastiger. Außerdem wird heute mehr Wert auf die Persönlichkeitskompetenzen gelegt als damals. Ein Einserabschluss an der TU ist jetzt nicht mehr alles. Der Kandidat soll zum Unternehmen passen und auch insbesondere in das nähere Arbeitsumfeld.
Lebenslanges Lernen gehört bei uns dazu, als Attitude! Daher haben wir eine hervorragende Trainings-Abteilung. Die Anzahl der Präsenztrainings lag im vergangenen Geschäftsjahr 2018/2019 bei 709, im Rahmen unserer Academy wurden knapp 8000 Teilnahmen erreicht. Online gab es im gleichen Zeitraum global 160 verschiedene eTrainings mit über 25.000 Teilnahmen.

Die Fragen stellte Corinne Schindlbeck.


  1. »Ein Einser-Abschluss an der TU ist jetzt nicht mehr alles«
  2. Man darf auch mal nein sagen
  3. Neue Job-Profile wie der Datenanalyst

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