Schwerpunkte

IW-Zukunftspanel

Dekarbonisierung - Unternehmen suchen vor allem IT-Experten

19. August 2021, 12:00 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Dekarbonisierung - Unternehmen suchen vor allem IT-Experten
© IW Köln

Das IW-Zukunftspanel zeigt die Ergebnisse einer Umfrage hinsichtlich des Fachkräftebedarfs von Unternehmen zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien.

Für die Entwicklung klimafreundlicher Technologien, für mehr Energieeffizienz und bessere Netzauslastung suchen Unternehmen in den nächsten 5 Jahren neben Ingenieuren vor allem IT-Experten.

Das besagt ein aktueller Bericht des Instituts der Deutschen Wirtschaft.  Viele Unternehmen fehle es an Know-How in Form von Fachkräften, um die Potenziale zu heben, die Digitalisierung für den Klimaschutz bietet.

Im Rahmen einer Befragung des IW-Zukunftspanels wurden Unternehmen gefragt, wie sie den eigenen Bedarf an Fachkräften in den kommenden fünf Jahren zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte einschätzten.

Demnach erwarten 32 Prozent, dass sich der Bedarf an IT-Experten erhöhen wird. Für Ingenieure und Umweltingenieure erwarten  19 Prozent steigende Bedarfe. Auch sonstige MINT-Experten und sonstige Fachkräfte werden laut Umfrage verstärkt benötigt. Bei Unternehmen ab 250 Mitarbeitern erwarten sogar 63,2 Prozent einen steigenden Bedarf an IT-Experten, 43,1 Prozent einen steigenden Bedarf an Ingenieuren/Umweltingenieuren, 32,0 Prozent an sonstigen MINT-Experten und 43,3 Prozent an sonstigen Fachkräften zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte.

Der hohe Bedarf an Fachkräften im Bereich der Digitalisierung auch für den Klimaschutz treffe auf ohnehin schon hohe Fachkräfteengpässe, so das IW.

Bezogen auf alle Digitalisierungsberufe wächst dem IW zufolge die Lücke an Fachkräften, im Jahr 2019 betrug sie bereits rund 88.200. Bei den IT-Experten hätten allein im Juni 2021 nach eigenen Berechnungen und nach Daten der Bundesagentur für Arbeit 31.300 IT-Experten gefehlt. 

Die hohe Bedeutung der IT-Experten für die Digitalisierung und zunehmend auch Dekarbonisierung zeige sich nicht nur anhand der hohen aktuellen Engpässe, sondern auch bei der Beschäftigungsdynamik: Lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den IT-Expertenberufen Ende 2012 noch bei 190.000, waren es Ende 2020 bereits 368.500, ein Anstieg um 93,9 Prozent.

Und obwohl das Angebot an IT-Experten in den letzten Jahren leicht angestiegen sei, reiche es nicht aus, um den Bedarf voll zu decken.

Die Ursprünge des Problems verortet das IW im Bildungssystem und in der Coronakrise. Vor allem die ausbleibenden ausländischen Studienanfänger in Informatik haben laut Statistischem Bundesamt zu einem Gesamtrückgang der Studienanfänger im Studienjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr in Höhe von rund 5 Prozent geführt. Mittelfristig, so das IW, dürften die coronabedingten Schulschließungen vor allem zu Kompetenzeinbußen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik geführt haben, sodass die Potenziale an weiteren Studienanfängern in den kommenden Jahren weiter abnehmen dürften.

Und schon vor der Corona-Pandemie seien Defizite bei der digitalen Bildung sichtbar gewesen. Das IW benennt dazu Defizite bei den computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in der 8. Jahrgangsstufe, aber auch bei der digitalen Infrastruktur an den Schulen. Mit der Corona-Krise seien aber zumindest bei der Infrastruktur nun deutliche Fortschritte sichtbar. 

Das IW empfiehlt, "missionsorientierte Forschungsförderung" an den Schnittstellen von Digitalisierung und Dekarbonisierung ausrichten, um die Potenziale von Digitalisierung und KI so zielgerichteter für den Klimaschutz zu erschließen. 

Die Zusammenarbeit beim Wissenstransfer sichere zudem eine genaue Abstimmung der Qualifizierungsbedarfe der Wirtschaft mit den Inhalten von Erstausbildung und Weiterbildung und kann zu einer Anpassung der Lehrangebote beitragen.

Für die Schnittstellenbedarfe von Digitalisierung und Dekarbonisierung sei die akademische Weiterbildung an Hochschulen wiederum von großer Bedeutung. Berufsbilder und Kompetenzbedarfe würden durch die Transformation stark verändert, entsprechende Weiterbildungsangebote seien "zwingend" auf die veränderten Bedarfe auszurichten.

Dabei sollten die Potenziale der Modularisierung durch den Bologna-Prozess genutzt werden, die Anreize an den Hochschulen sind weiterzuentwickeln und dadurch die Unternehmen in ihrem Transformationsprozess zu begleiten. 

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.