In vielen Branchen sind sichere Computersysteme gefragt, die gegen Angriffe von außen und innen geschützt sein müssen. Auf Basis der Entwicklungsplattform »Synthera Edge« erstellt die S.I.E Lösungen, die Sicherheit und Konfigurierbarkeit bieten und preisgünstiger sind als Full-Custom-Entwicklungen.
Josef Krojer, Geschäftsführer der S.I.E System Industrie Electronic GmbH, erläutert das Konzept und seine Vorteile.
The Official Daily: Edge Computing steht vor neuen Anforderungen. Was sind die wichtigsten Merkmale, die künftige Systeme erfüllen müssen?
Josef Krojer: Mit steigender Rechenleistung und durch die künstliche Intelligenz sind Anzahl und Intensität von Cyberattacken gestiegen. Und das wird sich so fortsetzen. Wir brauchen besser abgeschirmte Lösungen, die Sicherheit durch ihre Architektur bzw. das Design bieten. Das betrifft natürlich vor allem die Edge-Computing-Systeme, die in der kritischen Infrastruktur eingesetzt werden. Wasser- und Energieversorger oder zum Beispiel Krankenhäuser, Banken, Flughäfen, ÖPNV und Bahn benötigen einen besonders guten Schutz. Produkte, die in KRITIS-Bereichen genutzt werden, sind nach dem Cyber Resilience Act (CRA) daher auch als kritisch eingestuft und müssen ab Dezember kommenden Jahres strengere CRA-Anforderungen erfüllen. Durch die CRA-EU-Verordnung kommen auch auf viele Betriebe und Organisationen neue Anforderungen zu.
Wie unterstützt S.I.E die Anwender, die erforderliche Resilienz im Edge Computing zu erreichen?
Wir entwickeln für unsere Kunden sowohl Full-Custom-Lösungen als auch Systeme auf Basis der Ready-2-Adapt-Plattform Synthera Edge – und zwar »designed in Europe« von unserem Team. Mit Synthera Edge lassen sich die meisten Kundenanforderungen durch Adaption bereits preisgünstig erfüllen.
Welches Konzept steht hinter der Ready-2-Adapt-Plattform Synthera Edge, und was lässt sich adaptieren?
Unsere Ready-2-Adapt-Plattformen machen das Customizing von Lösungen schneller und kostengünstiger als eine Full-Custom-Entwicklung. Ich möchte die Adaption einmal mit einer Maßkonfektion vergleichen: Manches ist bereits vorgegeben und erfüllt gängige Anforderungen, doch wo es für den Kunden wichtig ist, können wir auf seine Wünsche eingehen. Das Ergebnis ist dann passgenau, aber der Erstellungsaufwand deutlich geringer als bei einer Maßanfertigung. Zeit- und Kostenvorteile ergeben sich bei der Ready-2-Adapt-Plattform durch Standardisierung, welche die Flexibilität wenig beeinflusst, aber eine große Kostenreduktion verursacht, etwa bei mechanischen Komponenten oder Carrier-Boards. Denn in solchen Teilen stecken viel Know-how, Entwicklungs- oder Werkzeugkosten. Hier eröffnet die Standardisierung großes Sparpotenzial. Zugleich senkt die Mehrfachnutzung der standardisierten, bewährten Komponenten die Entwicklungsrisiken und den Zeitaufwand.
Synthera Edge-S ist ein IPC der Synthera-Linie, aber S.I.E hat auch andere modulare Edge-System entwickelt, richtig?
Ja, das stimmt. Zusammen mit der secunet Security Networks AG, die mit uns auf der embedded world ausstellt, haben wir die Edge Security Gateway Platform »Carna« für Healthcare und weitere KRITIS-Anwendungen entwickelt. Sie schützt die über sie vernetzten Geräte und Anlagen sowie die auf Carna laufenden Anwendungen. Die Plattform dient einerseits der Vernetzung und Cloud-Anbindung, andererseits ist das Computersystem für das parallele Ausführen lokaler Dienste ausgelegt. Und damit die Apps besonders sicher arbeiten, hat secunet bei Carna eine Umgebung geschaffen, in der Container-Applikationen oder auch virtuelle Maschinen (VM) laufen. Dadurch sind die Apps klar voneinander isoliert, obwohl sie dieselbe Hardware nutzen.
Welche Relevanz hat die Isolation lokal laufender Anwendungen?
Beim normalen PC laufen Anwendungen typischerweise auf einer Betriebssystem-Basis und sind nicht streng getrennt. Isolierte Anwendungen können sich aber nicht gegenseitig sehen oder infizieren. So lassen sich Anwendungen verschiedener Anbieter einfacher absichern, damit zum Beispiel Datenverarbeitungs-Software und Dienste zur Gerätewartung risikoarm parallel im Edge-System laufen können. Die Störung einer App, etwa wegen fehlerhafter Updates oder eines Virus, könnte die anderen Anwendungen und das Betriebssystem nicht beeinträchtigen. Diese Isolation und andere Sicherheitsmerkmale unserer Edge-Systeme sind nicht zuletzt für die Industrie interessant, um risikoarm KI-Technologie in operativen Systemen (OT, Operational Technology) zu integrieren oder IoT- (Internet of Things) und EoT-Prozesse (Economy of Things) umzusetzen.
Sie sprachen anfangs das Customizing an. Welche Gestaltungsfreiheit bietet Synthera Edge?
Für das Customizing bietet sich oft eine Erweiterung der standardisierten Basis durch Module an. Das kann bei einem Edge-IPC der Synthera-Linie durch eine M.2-SSD oder durch interne Erweiterungsmodule, zum Beispiel Kommunikationsmodule, erfolgen. Bei Carna wurde ein anderer Ansatz gewählt. Hier sind Aufgaben auf einzelne Module verteilt, die in jeweils eigenen Gehäusen sind und sich durch ein Stecksystem verbinden lassen. Bei Carna gibt es eine zentrale Einheit mit der Rechnertechnik und gängigen Schnittstellen, eine Power-Unit und optionale Module beispielsweise für weitere LAN-Schnittstellen oder einen WLAN-Anschluss. Mit so einem Modulsystem lassen sich unterschiedliche Anforderungen an die Leistung oder Schnittstellenausstattung leicht bedienen.
Welche Edge-Systeme zeigt S.I.E (https://www.sie.at) am Stand auf der embedded world?
Auf unseren Ständen können Besucher und Besucherinnen sowohl einen Synthera Edge-S und auch die gemeinsam mit secunet entwickelte Edge Security Gateway Platform Carna ansehen.
S.I.E auf der embedded world 2026: Halle 3, Stand 238, und Halle 1, Stand 564