Genie oder Wahnsinn? NUVIA: Server-CPU-Startup will Intel und AMD das Fürchten lehren

Ein neues Startup im Silicon Valley will es mit den CPU-Giganten der Chipbranche aufnehmen. Gegründet von ehemaligen Top-CPU-Architekten von Apple hat NUVIA eine Finanzierungsrunde in Höhe von 53 Mio. US-Dollar mit einer Gruppe von Großinvestoren abgeschlossen, darunter ist der PC-Hersteller Dell.

Das Besondere an NUVIA ist, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Startup-Unternehmen aus dem Silicon Valley handelt, das versucht, mit einer neuen Idee erfolgreich zu sein, sondern Anfang 2019 mit dem Ziel gegründet wurde, branchenführende Rechenleistung und Energieeffizienz für CPUs für den Einsatz in Rechenzentren zu liefern – auf Deutsch gesagt, es geht um Server-CPUs, dort also, wo Intel mit seinen Xeons und neuerdings auch AMD mit Epyc erfolgreich sind.

Das Unternehmen wurde von John Bruno, Manu Gulati und Gerard Williams III gegründet, die gemeinsam mehr als 20 High-End-SoCs entwickelt haben, wobei bisher mehr als 100 Patente erteilt wurden. Die Gründer von NUVIA hatten eine Vielzahl von Führungspositionen bei Google, Apple, ARM, Broadcom und AMD inne. U.a. haben sie bei Apple viele Generationen von Apples SoCs und CPU-Mikroarchitekturen hervorgebracht. Williams III war der Chefarchitekt aller CPU-Designs von Apple, einschließlich des aktuellen Lightning-Cores im Apple A13.

Die Ziele von NUVIA sind die Entwicklung neuer Chip- und CPU-Designs, die darauf abzielen, auf höchstem Leistungsniveau im Rechenzentrumsmarkt zu konkurrieren und einen Umbruch in der Branche für das zu erreichen, was das Unternehmen als "eine schrittweise Steigerung der Rechenleistung und Energieeffizienz" bezeichnet.

Normalerweise müsste man der Firma an dieser Stelle Größenwahn attestieren, wenn man die finanziellen Möglichkeiten, die Personalausstattung und die Erfahrung insbesondere von Intels Designteam im israelischen Haifa berücksichtigt.

Was den hohen Zielen des neuen Unternehmens jedoch Glaubwürdigkeit verleiht, ist die Erfolgsbilanz des Gründers bei seinen bisherigen Entwürfen. Die SoCs von Apple in den letzten sechs Generationen waren mit das Beeindruckenste, was die Chipbranche hervorgebracht hat. Sollten die Gründer ihre genialen Ideen auch auf Server-CPUs übertragen können, würde ich ein Leading-Edge-Produkt nicht ausschließen, zumal NUVIA mit TSMC ja auch auf den aktuellen Marktführer in der Chipfertigung zurückgreifen kann. Die Zeiten, in denen Intel der Foundry-Konkurrenz 2 Fertigungs-Generationen voraus war, sind bekanntlich vorbei.  

Offensichtlich will das Startup ein neues Server-SoC mit einer grundlegend neuen benutzerdefinierten CPU-Mikroarchitektur schaffen, das mit Intel, AMD und Marvell konkurrieren soll. Das Unternehmen hat derzeit nicht bekannt gegeben, welcher Befehlssatz den Entwicklungen zu Grunde liegen wird, aber angesichts der umfangreichen Erfahrungen mit Arm-Prozessoren wäre es nicht überraschend, wenn es sich um ein ARMv9-Design handeln würde.