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Interview

»Wir dürfen den Erfolg von Single Pair Ethernet nicht gefährden«

27. April 2020, 12:35 Uhr   |  Corinna Puhlmann-Hespen

»Wir dürfen den Erfolg von Single Pair Ethernet nicht  gefährden«
© Belden

Wir wollen dazu beitragen, dass am Markt schnell die Entscheidung für einen Stecker-Typ fällt, bevor die Firmen, die sich mit dem Thema befassen, finanzielle Einbußen hinnehmen müssen und viel Kundenvertrauen verloren geht.

Hirschmann Automation and Control ist dem SPE Partner Network beigetreten, favorisiert damit also den Harting-Steckverbinder. Dr. Oliver Kleineberg, Global CTO Industrial Networking, hält es für wichtig, jetzt Stellung zu beziehen, um den Erfolg der Technologie nicht zu gefährden.

Markt&Technik: Aktuell gibt es zwei konkurrierende Steckverbinder-Systeme für Single Pair Ethernet  in der Automatisierung. Und es konkurrieren zwei Lager, das SPE Industrial Partner Network rund um den Harting-Stecker sowie die SPE System Alliance mit dem Steckverbinder-Konzept von Phoenix Contact. Wie sehen Sie diese Konkurrenz?

Dr. Oliver Kleineberg: Grundsätzlich begrüßen wir einen gesunden Wettbewerb auf dem Markt, aber wir müssen sicherstellen, dass dieser zum Vorteil unserer Kunden ist. Wenn der Wettbewerb zu besseren Produktangeboten und günstigeren Preisen führt, ist das positiv. Im Falle verschiedener Steckverbinder-Typen für Single Pair Ethernet kann ich allerdings keinen deutlichen Vorteil für die Kunden erkennen. Ich sehe darin vielmehr eine Gefahr für einen sich entwickelnden Markt mit großem Potenzial.

Es ist also von Nachteil für den Gerätehersteller, wenn sich die Steckverbinder-Branche nicht auf einen Stecker-Typen einigen kann.

Ja. Denn zwei verschiedene Steckverbinder bedeuten letztlich einen Bruch in einem Ethernet-basierten Ökosystem, was gegen das zentrale Leistungsversprechen von Ethernet verstößt: universelle Kompatibilität. Und wenn sich die Dinge nicht ändern, kommt es zu einer gesplitteten Kompatibilität, die auf dem Steckverbinder-Typ basiert. Dies hat zur Folge, dass Geräte- und Komponentenhersteller zwei verschiedene Versionen eines Produkts entwickeln und herstellen müssen. Oder sie werden sich nur in einem fragmentierten Markt mit begrenzter Größe engagieren können. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Kunden gezwungen sein werden, beim Aufbau von Netzwerken auf Grundlage der SPE-Technologie sehr vorsichtig zu agieren. Denn durch die Auswahl eines Steckverbinder-Typs binden sie sich zugleich an einen bestimmten Teil des Marktes, sprich an gewisse Hersteller. Das ist der größte Nachteil, den unsere Kunden höchstwahrscheinlich nicht akzeptieren werden.

Wie gehen Sie aktuell mit dieser Situation um?

Während sich Belden und andere Marken des Unternehmens neutral verhalten, ist Hirschmann Automation and Control dem SPE Industrial Partner Network beigetreten. Dies mag überraschen, da es bei aktiven Netzwerkkomponenten wie Switches und Router eigentlich keine Rolle spielt, welcher Steckverbinder ausgewählt wird - man sollte sich nur für einen entscheiden. Das ist auch unser eigentliches Anliegen: Denn Hirschmann Automation and Control hat keineswegs die Absicht, seine Kunden auf den Einsatz eines bestimmten Steckverbinder-Typs festzulegen. Wir wollen vielmehr dazu beitragen, dass am Markt schnell die Entscheidung für einen Typ fällt, bevor die Unternehmen, die sich mit dem Thema befassen, finanzielle Einbußen hinnehmen müssen und viel Kundenvertrauen verloren geht.

Und warum favorisiert Hirschmann die Harting–Lösung?

Dem SPE Industrial Partner Network sind wir beigetreten, weil diese Allianz aus unserer Sicht Vorteile bei der technischen Reife, den verfügbaren Standards und der Marktabdeckung bietet. Letztlich möchten wir alle ermutigen, sich auf eine Lösung zu verständigen und nur durch solche Entwicklungen miteinander zu konkurrieren, welche auch den Kundennutzen rund um Single Pair Ethernet als durchgängige Lösung steigern  -  und nicht das Marktpotenzial gefährden.

Die Fragen stellte Corinna Puhlmann-Hespen

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