NetModule kombiniert Belden-Produkte

Internationalisierung und Systeme im Fokus

15. Mai 2023, 10:01 Uhr | Andreas Knoll
Die verschiedenen Varianten der NB-Produktlinie von NetModule
© NetModule

Seit dem Frühjahr 2022 gehört NetModule zu Belden – und weil beide Unternehmen Netzwerkinfrastruktur-Produkte für Märkte wie Industrial Automation und Public Transport anbieten, liegt es nahe, das Angebot zu bündeln und für den Nahverkehr maßgeschneiderte digitale Systeme anzubieten.

Dr. Thomas Niessen, VP Change Management bei Belden, erläutert die Hintergründe.

Markt&Technik: Im Transportation-Markt zählt NetModule zu den führenden Unternehmen in puncto Kommunikation, und auch im Industrial-Segment ist NetModule kein No-Name. Wie wurde Belden auf NetModule aufmerksam, und welche Stärken waren ausschlaggebend für die Übernahme?

Dr. Thomas Niessen: Belden konzentriert sich seit vielen Jahren auf Märkte, die besonders herausfordernd sind, entweder durch die Umgebungsbedingungen oder durch gesetzliche oder regulative Anforderungen. Die Transportation-Märkte sind seit jeher im Fokus von Belden, und natürlich ist uns NetModule immer wieder bei Kunden und auf Messen begegnet. Erste Kontaktaufnahmen zur potenziellen Kooperation wurden bereits vor zehn Jahren eingeleitet; jetzt hat es endlich funktioniert. Historisch hatte Belden im Bereich »Cellular Connectivity« (Mobilfunk) bis auf wenige Zukaufprodukte kein nennenswertes Angebot am Markt und – mit Ausnahme von Industrial Gateways bei ProSoft Technology – auch keine größeren internen Kompetenzen.

Hier ist NetModule eine gute Ergänzung und ähnelt darüber hinaus in Kultur und Unternehmenswerten den Belden-Töchtern Hirschmann und ProSoft Technology – das erleichtert die Integration. Nicht zu vergessen: NetModule ist ein stabiles und über viele Jahre gewachsenes Unternehmen mit viel Substanz und Erfahrung, kein unerfahrenes Startup. Wir haben für die Zukunft investiert, um mit den kombinierten Ressourcen die kombinierten Belden-Märkte über ein gemeinsames, konsolidiertes Angebot optimal bedienen zu können.

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Dr. Thomas Niessen, Belden: »Aus heutiger Sicht sind alle Standorte von NetModule auch für die Zukunft gesetzt.«
© Belden

Wie ergänzt NetModule das bestehende Portfolio? Welche Wechselwirkungen mit welchen anderen der Belden zugehörigen Marken ergeben sich?

Belden sieht eine strategische Entwicklung zu Hybridnetzen, in denen kabelgebundene und kabellose Übertragungstechniken gemischt eingesetzt werden. Hier schließt NetModule die Lücke, die Belden beim Thema »mobilfunkbasierte Kommunikation« seit Jahren speziell in Europa und global im Transportation-Markt hatte, mit einem breiten Portfolio für Anwendungen in Transportation und Industrie, einer guten Positionierung in diversen europäischen Märkten, einer stabilen Kundenbasis und hohem Qualitätsbewusstsein.

Vor dem Hintergrund der Hybridnetzwerke werden wir natürlich die Schnittstellen sowohl mit den kabelgebundenen Netzwerkgeräten als auch mit den verschiedenen Software-Tools aus dem Belden-Portfolio optimieren, um zusätzlichen Kundennutzen zu generieren.

Auch intern planen wir aus Effizienzgründen, die NetModule-Technik auch in Gehäusen der anderen Belden-Marken anzubieten, etwa ProSoft Technology oder Hirschmann für deren spezifischen Zielmärkte.

Für die Märkte außerhalb Europas werden wir die Produkte von NetModule unter der Doppelmarke »Hirschmann NetModule« vertreiben, weil die Marke Hirschmann dort schon fest im Markt verankert ist. So lassen sich die NetModule-Produkte deutlich schneller über die Belden-Vertriebskanäle im Markt platzieren.

Bis wann soll die Zusammenführung abgeschlossen werden? Bleibt es beim NetModule-Headquarter in der Schweiz mit deutschen Niederlassungen, oder steht eine Umgestaltung an?

Funktional arbeiten die wichtigen Teams schon heute eng zusammen. Wir definieren die besten Prozesse und Schnittstellen, um die Zusammenarbeit optimal zu gestalten, die Grenzen zwischen »Wir« und »Die« verschwimmen zunehmend, die Zusammenarbeit nimmt – nach den üblichen Startschwierigkeiten – immer mehr Fahrt auf.

Als Letztes soll bis zum Sommer 2023 die Materialbeschaffung, Produktion und Logistik konsolidiert werden. Aus heutiger Sicht sind alle Standorte von NetModule auch für die Zukunft gesetzt. Wir beabsichtigen einen weiteren Ausbau der Standorte Bern und Eschborn, was wir bereits durch entsprechende Anmietung von Fläche eingeleitet haben. Schon heute arbeiten die unterschiedlichen Funktionen wie etwa Entwicklung, Personal oder Finanzen standortübergreifend und aus verschiedenen Gesellschaften heraus unter dem Belden-Mantel zusammen. In diesen Verbund wird NetModule mit ihren Gesellschaften überführt.

Bleibt das Produktportfolio von NetModule in der jetzigen Ausrichtung bestehen? Was geschieht mit der am Markt gut eingeführten Marke NetModule?

Das Produktportfolio bleibt im Wesentlichen erhalten – Belden will ja auch weiterhin die gute Position, die sich NetModule in wichtigen Märkten über Jahre erarbeitet hat, nutzen und ausbauen. Produkte, die sich im Belden-Portfolio mehrfach finden, werden auf die beste Plattform konsolidiert. Insgesamt werden wir uns an den Zielmärkten der kombinierten Belden und NetModule orientieren und haben die Roadmap entsprechend angepasst. Die Marke NetModule bleibt in den Märkten erhalten; in für NetModule neue Märkte wird sie mit der Hirschmann-Marke komplementiert.

Das lässt vermuten, das Thema Internationalität wird für NetModule relevant – korrekt?

Genau, wir betrachten die Internationalisierung als einen der Schlüssel für Wachstum und eine erfolgreiche Zukunft. Derzeit machen wir das Portfolio Nordamerika-tauglich, um einen ersten Meilenstein bei der Internationalisierung erreichen zu können.

Und wie sieht das zukünftige Geschäftsmodell unter Belden aus?

Belden hat zwei wesentliche Vertriebskanäle – über Partner und als direkter Lösungsvertrieb. NetModule hatte einen analogen Ansatz. Das Vertriebspersonal wurde in die Belden-Vertriebsstrukturen integriert, um das Potential optimal nutzen zu können. Die Komponenten werden in das Belden-Lösungsangebot integriert und ergänzen so wertvolle Funktionen. Das OEM-Geschäft wird somit sinnvoll weitergeführt, Belden hat ja schon zahlreiche große OEM-Partnerschaften mit Unternehmen wie Schneider Electric, Yokogawa, Emerson und anderen. Wo immer möglich werden wir das NetModule-Portfolio auch über die etablierten Belden-Kanäle vertreiben.

Auf welchen Märkten liegt künftig der Fokus? Welches Potenzial sieht Belden voraus?

Wir werden uns weiterhin auf die Märkte Transportation und Industrie fokussieren, was sowohl mit der Belden- als auch mit der bisherigen NetModule-Strategie konsistent ist. Belden ist in über 100 Ländern vertreten; daraus ergibt sich zunächst die Möglichkeit, das erfolgreiche NetModule-Business auf verschiedene andere Länder und Regionen zu übertragen. Gleichzeitig ermöglichen die kombinierten Kompetenzen die Entwicklung neuer Applikationen und Geräte, um die Märkte noch besser zu bedienen und dadurch Marktanteile zu gewinnen. Insgesamt sollten wir zusammen deutlich schneller wachsen können als die Märkte und somit den Gesamtumsatz von Belden im Bereich Wireless in den nächsten Jahren verdoppeln.

Wagen Sie einen Ausblick: Wo sieht man NetModule in fünf Jahren? In zehn Jahren?

In fünf Jahren in den Transportation- und Industrial-Lösungen der Belden-Märkte. In zehn Jahren überall auf der Welt.


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