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Interview mit Sabine Bröckskes-Wetten

»Bis zu 1500 neue Sonderleitungen pro Jahr«

Sabine Bröckskes-Wetten
Sabine Bröckskes-Wetten: »Den Großteil unseres Umsatzes erzielen wir mit Leitungen, die dem Bereich ‚Industrie 4.0‘ zuzuordnen sind.«
© SAB Bröckskes

Welches Kabel passt zu welcher Applikation, welcher Steckverbinder zu welchem Kabel? Mit diesen nichttrivialen Fragen beschäftigt sich SAB Bröckskes intensiv. Im Interview spricht Geschäftsführerin Sabine Bröckskes-Wetten über Sonderleitungen – eine beratungsintensive Produktgruppe.

Markt&Technik: Wie unterscheidet sich SAB Bröckskes von den meisten anderen Kabelherstellern am Markt?

Sabine Bröckskes-Wetten: Wir definieren uns über den Begriff der Sonderleitung, weil nahezu all unsere Produkte Sonderleitungen sind. Ohne diesen Faktor wäre unser Überleben am Fertigungsstandort Deutschland nicht möglich. Mittlerweile entwickeln wir jedes Jahr bis zu 1500 neue Spezialleitungen, die wir vorher so noch nicht produziert haben. Aufgrund der hohen Fertigungstiefe können wir unseren Kunden in vielen Fällen bereits Sonderlösungen ab einer Länge von 100 Metern anbieten. Eine breite Palette an Isolations- und Mantelmaterialien ermöglicht es uns dabei, nahezu jedes Verbindungsproblem unserer Kunden zu lösen.

Darüber hinaus haben wir in den letzten Jahren den Bereich der Kabelkonfektion kontinuierlich erweitert, weil sich viele Kunden eine Komplettlösung aus Kabel und Steckverbinder wünschen. Wir sind heute in der Lage, exakt die Verbindungslösung anzubieten, die der Kunde braucht.

Als Kabelhersteller sind Sie für die Vernetzung verantwortlich. Welchen Stellenwert hat das Schlagwort „Industrie 4.0“ in Ihrem Unternehmen?

Der Begriff Industrie 4.0 ist seit einigen Jahren auch bei uns und unseren Kunden immer öfter zu hören. Allerdings beschäftigen wir uns als Kabelhersteller schon viel länger mit der Vernetzung von Fertigung und Maschinen. Bereits mit der Einführung der ersten Feldbus-Systeme haben wir uns diesem Thema angenommen. Mittlerweile generieren wir einen Großteil unseres Umsatzes mit Leitungen, die dem Bereich Industrie 4.0 zuzuordnen sind. Wir produzieren also eine beachtliche Anzahl an Bus-, Ethernet- und Hybridleitungen für die Vernetzung intelligenter Systeme.

Wo sehen Sie diesbezüglich die größten Herausforderungen?

Die Herausforderung sehen wir in der Funktionalität und der Vernetzbarkeit der Systeme untereinander. Denn die spezifizierten Eigenschaften müssen auch unter Dauerbelastung und äußeren Umwelteinflüssen im Feld eingehalten werden. Auch nach unzähligen Bewegungen in der Anwendung muss eine Leitung noch zuverlässig Daten übertragen können.

Relevante Anbieter

SAB Bröckskes
Die Fertigungsmöglichkeiten des Spezialkabelherstellers SAB Bröckskes erstrecken sich nicht nur auf die Grundtypen und Standardabmessungen, sondern insbesondere auf Spezialkabel wie z.B. Hybridleitungen, die nach jeweiligen Kundenanforderungen konstruiert werden. Die Fertigung der Spezialkabel kann auch in geringen Losgrößen erfolgen, die für Klein- und Nullserien interessant sind.
© SAB Bröckskes

Gleichzeitig ist es wichtig, dass Systeme durchgängig und kompatibel zueinander sind. Für eine breite Akzeptanz ist es unbedingt erforderlich, dass die Systeme und die Peripherie untereinander herstellerunabhängig vernetzt werden können. Proprietäre Systeme erschweren dies. Es fängt bei der Nutzung einheitlicher Kommunikationsstandards an und hört nicht erst bei der Kompatibilität von Kabeln und Steckverbindern untereinander auf.

Die Vielfalt im Bereich der Kabel – wie auch bei den Steckverbindern – ist enorm groß.

Ja. Es gibt unzählige Typen von Steckverbindern, zum Beispiel für Ethernet-Leitungen, die auf eine ebenso hohe Anzahl an verschiedenen Ethernet-Leitungen treffen. Standardisierungen sorgen hier dafür, dass die Kommunikationsprotokolle bei der Verwendung spezifischer Kombinationen funktionieren. Im Detail gibt es aber leitungsspezifische Konstruktionsmerkmale, die es notwendig machen, eine Auswahl zu treffen, damit Produkte untereinander wirklich konfektionierbar sind und auch die spezifizierten Werte halten.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Für die Schneid-Klemm-Technik eignen sich zum Beispiel kompakte und möglichst runde, siebendrähtige Litzenaufbauten am besten. Weitere Merkmale, wie das verwendete Isolationsmaterial oder dessen Wandstärke, spielen jedoch eine ebenso große Rolle für eine zuverlässige Konfektionierbarkeit von Ethernet-Kabeln. Mit unserer hauseigenen Kabelkonfektion bieten wir unseren Kunden Beratung und eine Lösung aus einer Hand.

Wie beratungsintensiv ist ihr Produkt?

Uns erreichen immer mehr Anfragen, in denen nicht nur simple Parameter definiert sind. Die Spezifikationen sind zunehmend anspruchsvoll.

Diverse elektrische Parameter werden bis ins Detail spezifiziert und toleriert. Dabei sind es oft unbekannte und neue Anwendungsfelder, die sich noch in der Entwicklung befinden. Viele Werte können wir aufgrund unserer Erfahrung im Vorfeld berechnen. Oft entwickeln wir diese Produkte jedoch mit einer oder mehreren Musterfertigungen. Nur so lässt sich in Zusammenarbeit mit unseren Kunden ein passendes und dauerhaft funktionierendes Produkt erstellen.

Künftig wird Single Pair Ethernet immer wichtiger werden. Wie sehen Sie diese Zukunfts-Technologie?

Mit Single Pair Ethernet wird ein weiterer Meilenstein in der industriellen Vernetzung entwickelt. Daher sind wir Mitglied im SPE Industrial Partner Network e.V. Von SAB sind bereits zahlreiche Produkte auf dem Markt verfügbar. Die Vereinfachung und Verschlankung von Verkabelungssystem ist ein wichtiger Trend, der in vielen Bereichen Einzug hält. Der Weg geht immer mehr in Richtung Optimierung oder Miniaturisierung.

 

Infos zu SAB Bröckskes
Seit über 70 Jahren am Markt

Die SAB-Story beginnt mit einer Werkstatt in Süchteln und 100 Reichsmark. 1947 stellt Peter Bröckskes sen. beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf den Antrag, einen „Betrieb für Elektroapparatebau“ errichten zu dürfen. Sein Hauptprodukt ist eine Alarm-Sicherheitszentrale, die der junge Elektro-Ingenieur selbst entwickelt hat. 1950 beginnt Peter Bröckskes sen. eine Temperatur-Messanlage für eine Ziegelei zu bauen. Mit seiner Idee läutet er einen neuen Aufschwung für sein Unternehmen ein. Die Temperatur-Messanlagen finden reißenden Absatz.

Für seine Messanlagen benötigte er Ausgleichsleitungen, die er bei Kabelwerken bestellte. Die Zukäufe der Leitung sind inzwischen so umfangreich und die Lieferzeiten so lange, dass er 1958 mit der eigenen Kabelproduktion beginnt.

Heute ist die Kabelproduktion das Hauptgeschäft von SAB Bröckskes und macht ca. 80 Prozent vom Gesamtgeschäft aus. 20 Prozent teilen sich in Messtechnik und Kabelkonfektion auf. 


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