Elektroniknet Logo

TE will die Einkabellösung etablieren

Werden die Karten bei Single Pair Ethernet neu gemischt?

Günter Feldmeier, Eric Leijtens
Günter Feldmeier und Eric Leijtens, TE Connectivity, sind überzeugt von den Vorteilen von Single Pair Ethernet sowie der hybriden Übertragung über ein Kabel und einen Steckverbinder.
© TE Connectivity

Mit der „IEC 63171-7“ wird im nächsten Jahr aller Voraussicht nach ein weiterer Steckverbinder-Standard für Single Pair Ethernet verabschiedet werden. Der Normentwurf, den TE Connectivity eingereicht hat, sorgt bereits heute für erstaunlich großes Interesse am Markt!

»Die Strategie von TE Connectivity ist es, global erfolgreich zu sein und weltweit akzeptierte Standards am Markt zu setzen«, sagt Eric Leijtens, Produkt Manager für Industrial Communication von TE Connectivity. Und dieses Ziel verfolgt das Unternehmen auch bei Single Pair Ethernet (SPE), einer Technologie, die ursprünglich aus dem Automotive-Bereich kommt und mit der TE bestens vertraut ist.

In der Automatisierung hat die einpaarige, schlanke Verkabelung das Potenzial, heute verwendete Bussysteme abzulösen und eine durchgängige Ethernet-basierte Kommunikation bis hinunter in die Feldebene zu ermöglichen. Von großer Bedeutung ist hier vor allem, dass sich dank der Kostenstruktur von SPE auch die immer wichtiger werdende Sensorik effizient einbinden lässt. »Kosteneffizienz und Kundennutzen stehen bei Single Pair Ethernet absolut im Vordergrund, während es in der Vergangenheit bei anderen neuen Technologien oftmals ausschließlich um Bandbreite ging«, verdeutlicht Leijtens. Und weiter: »Bis hin zum Network Edge können Geräte jetzt in Echtzeit miteinander kommunizieren – daher ist SPE für unsere Kunden so interessant, weil es einfach zu implementieren ist und damit die Grundlage bildet für das ‚Industrial Internet of Things‘«.

TE Connectivity hat aber noch einen weiteren Benefit im Blick: die gemeinsame Übertragung von Daten und Leistung über einen Steckverbinder und ein Kabel! Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der  "Einkabellösung". Diese hybride Übertragung sei ein ebenso wichtiger Schritt in Richtung „Industrie 4.0“, weil dadurch Verkabelungsaufwand wegfällt, die Systemkosten weiter sinken und Kunden ihre Anlagen und Geräte noch schneller montieren und in Betrieb nehmen können.

»Wir sind Pionier im Bereich der Hybridübertragung«, erklärt Günter Feldmeier, Fellow Technology Industrial von TE Connectivity und zuständig für die Normungsaktivitäten. »Daher ist es unser Anspruch, diese Technologie weltweit noch stärker in den Markt zu bringen«. So hat TE Connectivity bereits das Steckgesicht des hybriden M8-Steckers innerhalb der IEC-Norm 63171-6 für Single Pair Ethernet entworfen, mit dem sich bis zu 60 V/8 A übertragen lassen.

Neuer Maßstab für die hybride Übertragung

Einen neuen Maßstab im Bereich der Hybridübertragung soll jetzt aber der neue Normentwurf nach IEC 63171-7 setzen: »Dieses Steckverbinder-Design ist so ausgelegt, dass es eine Datenübertragung bis 1 Gbit/s sowie eine gleichzeitige Leistungsübertragung bis 11 kW bzw. 16 A ermöglicht. Damit steht es für unterschiedliche Anwendungsbereiche in der industriellen Automation offen«, erläutert Eric Leijtens. So lassen sich über das Kabel für die Ethernet-Kommunikation dann auch DC-Servoantriebe oder kleine Drei-Phasen-Motoren versorgen.  Besonders große Vorteile kann man erzielen, wenn man die Einkabellösung zur Verkettung von dezentral versorgten Servomotoren und Lineareinheiten verwendet und dabei das Potenzial zur Rationalisierung weiter ausschöpft: Anstatt jeden einzelnen Motor separat und aufwändig aus dem Schaltschrank heraus zu verkabeln, lassen sich dann über das hybride SPE die Verbraucher miteinander verketten.

Die Kabelindustrie trägt dem Trend zur Hybrid-Übertragung bereits Rechnung, indem sie ein großes Portfolio an hybriden Leitungen über die letzten Jahre hinweg entwickelt hat.

Beide SPE-Industriegruppen unterstützen den Normentwurf

»Wir waren von Beginn an von dem Erfolg unseres hybriden Daten-Leistungs-Konzepts überzeugt«, verdeutlicht Günter Feldmeier. Dass allerdings so breite Zustimmung vom Markt kommt, ist eine sehr positive Entwicklung. »Wir freuen uns sehr, dass unser Normentwurf auf so breite Unterstützung trifft und wir damit sogar einen Konsens erzielen konnten.« Und das ist tatsächlich eine interessante Wendung im Hinblick auf die Steckverbinder-Entwicklung für Single Pair Ethernet. Sowohl das SPE Partner Network e.V., bei dem TE eines der Gründungsmitglieder ist, als auch die SPE System Alliance wollen die Entwicklung von TE tragen. »Das bedeutet, dass rund 80 Firmen, die sich direkt mit Single Pair Ethernet beschäftigen, die Vorteile unseres hybriden Steckverbinder-Designs anerkennen«, unterstreicht Günter Feldmeier die Bedeutung.

Dass es jetzt schnell gehen kann und die neue IEC-Norm bereits im nächsten Jahr verabschiedet werden wird, davon sind Feldmeier und Leijtens überzeugt. »Nur eine weltweit akzeptierte Schnittstelle kann Transparenz und Planungssicherheit gewährleisten, beides wesentliche Kundenkriterien für den Umstieg auf eine neue Netzwerktechnologie«.

In diesem Zusammenhang weist Günter Feldmeier darauf hin, dass »die Türen bei TE offen stehen für weitere Technologiepartnerschaften mit Unternehmen aus dem gesamten Ecosystem von Single Pair Ethernet. Der offene Industriestandard soll es allen Interessierten ermöglichen, an SPE zu partizipieren«. 

So sieht der hybride Steckverbinder aus

Der hybride Steckverbinder von TE Connectivity nach IEC 63171-7 hat ein M12-Steckgesicht, das neben dem Datenpaar zusätzlich bis zu fünf Power-Kontakte integriert. Weil M12-Steckverbinder in der Automatisierung weltweit etabliert sind – und z.B. auch an den Sensoren verbreiteter sind als die M8-Pendants – ist kaum mit Vorbehalten aus dem industriellen Umfeld zu rechnen. Der elektromagnetischen Verträglichkeit – ein wichtiger Aspekt bei der hybriden Übertragung – wird Rechnung getragen, in dem die Kontakte für Daten und Power getrennt im M12-Steckgesicht angeordnet sind.

Konkurrierende Steckgesichter

Welcher Steckverbinder im Nicht-Hybrid-Bereich sich letztendlich für Single Pair Ethernet in der Automatisierung durchsetzen wird, das ist weiterhin offen. Auch besteht die Möglichkeit, dass mehrere Schnittstellen parallel existieren werden – und eine Interoperabilität dann durch Adapterlösungen sichergestellt werden muss.

## Im Rennen für den Einsatz in industriellen Anwendungen sind das Steckgesicht nach Norm IEC 63171-6, welches von Harting und TE Connectivity entwickelt wurde und welches vom SPE Industrial Partner Network e.V. und seinen Mitgliedsunternehmen unterstützt wird. 

## Dem gegenüber steht ein Steckverbinder nach Normentwurf IEC 63171-5, welchen die SPE System Alliance am Markt durchsetzen will, mit Unternehmen wie Phoenix Contact, Weidmüller, R&M und Telegärtner als treibende Firmen.

## Der hybride M12-Steckverbinder von TE Connectivity nach Normentwurf IEC 63171-7 wird von beiden SPE-Industriegruppen unterstützt und bietet große Flexibilität, wenn es um die gemeinsame Daten- und hohe Leistungsübertragung geht.

Relevante Anbieter


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

TE Connectivity