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Interview mit Ole Bjørn, Jianghai

»Wir möchten Fachwissen vermitteln«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

»Lebendes Bauteil« Elektrolytkondensator

Welchen Herausforderungen stehen Entwickler bei Elektrolytkondensatoren gegenüber?

Diese Bauteile verändern ihre Eigenschaften bei nahezu allen Parametern nichtlinear und vor allem abhängig von der Beschaltung. Wir sprechen daher gerne von »lebenden Bauteilen«, die sich abhängig von den Gegebenheiten beim Kunden und im Feld verändern. Man kann sich einen Elko wie einen Baukasten vorstellen, bei dem die Eigenschaften durch das Zusammensetzen der Einzelbestandteile bestimmt werden. Für die Fertigung macht es preislich keinen Unterschied, ob ein Standard- oder Spezialprodukt gefertigt wird. Die Angst vor kundenspezifischen Lösungen ist im Fall der Elkos unbegründet. Aber der Hersteller muss über die Anforderungen in Kenntnis gesetzt werden. Der bloße Vertrieb über Distribution und Datenbücher lässt die Hersteller im Dunklen und vergibt die Chance, den im Datenbuch vorgeschlagenen Elko zum Nutzen des Kunden zu adaptieren. Zudem geben die meisten Hersteller in ihren Katalogen leider nur Kernparameter für ihre Bauteile an, während insbesondere die Details der Lebensdauerberechnungen gerne verheimlicht werden.

Ein anderes Beispiel: Die Normenwelten Asiens, Amerikas und Europa lassen hinreichend Raum für Interpretationen. Die Vergleichbarkeit der Datenbücher ist dadurch nicht gegeben. Bei der Suche nach Second-Source-Bauteilen stehen wir helfend zur Seite. Aber auch die rechtlichen Unterschiede sind spannend und warten im Gewährleistungsfall mit manchen bösen Überraschungen auf.

Letztlich gibt es eine Fülle von Anwendungsbei-spielen, die mit den bekannten Lebensdauermodellen schwer oder gar nicht abgebildet werden können. Treten Pulse auf, herrschen Überspannungen oder Stoßströme, finden sich steile Ein- oder Ausschaltflanken oder andere hochfrequente Anteile in den Lastprofilen, ist die Auslegung bereits sehr schwierig. Jede Elko-Serie hat zudem individuelle Eigenschaften, die von einem Entwickler im Grunde nicht gewusst werden können. Moderne kollektorlose Gleichstromantriebe haben schon manchen Elko aufgrund der Flanken »überraschend« vorzeitig zerstört.

Und was haben Sie deswegen initiiert?

Jianghai kann hier durch das Capacitor Competence Center – kurz CCC – konkret helfen. Denn nicht immer können unsere Ingenieure die Kunden sofort vor Ort besuchen. Umgekehrt steht der lokale Ansprechpartner während eines Kundenbesuches dann anderen Kunden nicht zur Verfügung. Das CCC ist eine an den Standort gebundene Institution, eine Art Hotline. Wir wollen erreichen, dass der Kunde eine kompentente Antwort erhält – entweder sofort oder wenigstens am gleichen Tag. Zugegeben sind manche Fragestellungen auch für das CCC nicht sofort lösbar und es bedarf weitere Analysen oder Modellierungen im Mutterwerk. Aber das CCC bietet eine »schnelle« Lösung on-the-fly. Der Kunde kann weiterarbeiten und wird nicht gezwungen, aufgrund offener Fragen seine Arbeit zu unterbrechen.

Zwar muss letztlich der Entwickler durch Tests der Muster und Prüfung der Datenblätter über die Freigabe entscheiden, aber der Hersteller kann bei der Gestaltung des Designs wertvolle Verbesserungen einbringen oder Risiken für die Applikation vermeiden. Dies setzt auch die Kommunikation in geeigneten Sprachen im Sinne gleichen technischen Verständnisses, synchroner Erwartungshaltungen und mit kompetentem Vertriebspersonal voraus. Schulungen und Trainings vor Ort bei unseren Kunden runden das Profil ab und helfen, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aufzubauen.

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  1. »Wir möchten Fachwissen vermitteln«
  2. »Lebendes Bauteil« Elektrolytkondensator
  3. Das »Capacitor Competence Center« hilft weiter

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