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Trotz der Allokation

Es gibt auch Lichtblicke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Was sind die Alternativen?

Und welche Alternativen gibt es für die Anwender frequenzgebender Produkte? Ein Ausweg: Echtzeituhren-Module statt Quarze einzusetzen. Das Design auf der Leiterplatte habe sich doch als knifflig erwiesen, oft wurden dabei Fehler gemacht und die Schaltung habe nicht funktioniert, weiß Hartmann. Dann muss sich der Quarz-Hersteller darum kümmern, was ihn Ressourcen kostet und weswegen er es deshalb eher weniger gern tut. Bei Echtzeituhren treten diese Probleme nicht auf. Bisher hatten die Anwender aber aus Preisgründen die Uhrenquarze seltener eingesetzt. »Doch Preise sind derzeit nicht das dominierende Thema, es kommt darauf an, die Endsysteme an die Kunden liefern zu können.« Außerdem seien sie meist so teuer, dass der Preis für ein frequenzgebendes Bauelement kaum ins Gewicht falle.

Eine weitere Alternative, die den Anwendern bleibt: Sie schauen sich genauer an, ob die Bauelemente, die sie bisher verwendet haben, denn tatsächlich benötigt werden. Ist beispielsweise der Einsatz eines TCXO in einem bestimmten Design tatsächlich unumgänglich? Dann findet eben in einem Navigationssystem auch mal ein MHz-Quarz statt eines TCXO Einsatz, auch wenn das First Time to Fix dadurch länger dauert – besser als nichts! »Vieles ist machbar, wenn die Beteiligten zu Kompromissen bereit sind«, so Hartmann.

Stichwort TCXO: Hier ist die Lage immer noch besonders angespannt. Denn Ende vergangenen Jahres hat ein gewaltiges Feuer die gesamte Fab des Herstellers AKM in Japan völlig zerstört. Dann stellt sich schnell heraus: Über zwei Drittel aller ASICs, die in Oszillatoren weltweit arbeiten, kamen aus dieser einen Fab. Von einem Tag auf den anderen konnte AKM nicht mehr produzieren – und kann es bis heute nicht.

Was die TCXOs angeht, hatte Epson aber nach den Worten von Hartmann Glück, denn Epson verfügt über eine eigene Halbleiterfertigung und produziert die ASICs für seine TCXOs selbst: »Deshalb sind wir von dem Brand bei AKM kaum betroffen, es gibt nur noch wenige auslaufende TCXO-Serien, die nicht mit eigenen ICs bestückt werden.« Leider sei aber die Lage so angespannt, dass Epson froh ist, die bestehenden Kunden beliefern zu können. Den eigenen Marktanteil im Sektor der TCXOs schätzt er auf unter 25 Prozent. Denn mit einem Marktanteil von unter 25 Prozent in diesem Sektor könne Epson nicht den Markt auffangen: »Damit sind wir leider nicht in der Lage, den Ausfall auffangen und Neukunden aufnehmen zu können, es sieht wirklich böse aus.«

Wird Epson jetzt also in neue Kapazitäten investieren? Ja und nein, antwortet Hartmann. Denn es komme auf die Produkttypen an: »In die Linien für die Produkte, in denen wir unsere eigenentwickelten und eigenproduzierten ICs einsetzen, investieren wir massiv. Dies trifft z.B. auf Oszillatoren und Echtzeituhren zu, in denen unsere hausinternen ICs zum Einsatz kommen.« Denn erstens geht Epson geht davon aus, dass nach der Katastrophe bei AKM der Markt durchaus Wert darauf legen wird, dass es eine wirkliche Second Source gibt, die auch auf einen Second-Source-Halbleiter setzt. Dafür seien sie auch geneigt, ein paar Cent mehr auszugeben.

Zweitens gebe es aber auch technische Gründe, die für die eigenen Oszillatoren plus eigener ICs sprächen. Denn es sei nicht gerade trivial, einen solchen Chip zu entwickeln und zu fertigen. Das dürften Firmen wie NPC, die solche ICs ebenfalls herstellt, sowie Renesas, die den Nachfolge-IC in Absprache mit AKM in eigenen Fabs produziert, ebenfalls erfahren. »Wir haben einige Jahre an Entwicklungszeit investiert, und wir kennen natürlich genau die Charakteristik der einzelnen Komponenten dieser Oszillatoren, weil wir sie ja alle selbst entwickeln und herstellen. Dann lassen sich die Komponenten sehr genau aufeinander anpassen – ein wichtiger Differenzierungsfaktor für uns«, erklärt Hartmann.

Dagegen will Epson laut Hartmann in die Produkte, die solche Differenzierungsfaktoren nicht bieten, nur sehr selektiv investieren, z.B. um die Kapazitäten für neue, kleinere Gehäuseformen aufzubauen: »Sobald sich die Situation entspannt, dürften die Preise für die Quarze wieder fallen.« Deshalb würden sich größere Investitionen auf breiter Front eben nicht lohnen.

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