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Marktreport Quarze und Oszillatoren

Angespannte Liefersituation


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

"Die Lage ist nicht eingeplant, aber beherrschbar..."

Andererseits hätte sich Auris auf das chinesische Neujahresfest gut vorbereitet und glücklicherweise sogar etwas mehr auf Lager gelegt, als eigentlich gebraucht worden wäre, was sich nun als eine glückliche Fügung herausstellt. »Aber mit so vielen Wochen Ausfall in China hatte ja keiner gerechnet«, so Zahn. Doch auch wenn das Virus sich weiter ausbreiten sollte, verfüge Auris über Möglichkeiten. »Wir können nur nicht ganz so schnell umstellen. Ich gehe davon aus, dass sich die Lage über die nächsten Wochen normalisieren wird. Die Lage ist nicht eingeplant, aber beherrschbar, Panik ist nicht angebracht.«

»Uns bereitete der Ausbruch des Coronavirus bisher keine Probleme «, sagt dagegen Roland Petermann, Geschäftsführer von Petermann-Technik. Denn die Produktionspartner würden in China in Gebieten arbeiten, in denen derzeit keine Reiserestriktionen herrschen. »Außerdem betreiben unsere Partner die Personalpolitik, nur Mitarbeiter aus der unmittelbaren Umgebung zu beschäftigen.« Deshalb gebe es kaum Probleme mit Mitarbeitern, die nach dem Neujahrsurlaub nicht zurück an ihre Arbeitsstellen kommen. »Hinsichtlich der bestätigten Liefertermine bleiben wir äußerst optimistisch und rechnen nicht damit, dass es unsererseits zu Lieferengpässen kommen könnte. Kurze Wunschtermine können auch eingehalten werden.«

Insgesamt habe das Jahr für Petermann-Technik gut begonnen. Nachfrage sei aus ganz unterschiedlichen Sektoren und Ländern zu verzeichnen, von der Telekommunikation über die Industrie bis zum Konsumgütermarkt. Ein besonderes Interesse an speziellen Produktgruppen im Bereich der Quarze und Oszillatoren spürt er nicht: »Es wird alles gebraucht und wir liefern alles.« Das sei die Strategie seit 1996. Die eigentliche Frage müsse seiner Meinung nach lauten: »Wie sauber und zuverlässig wird produziert? Wie genau wird die Qualität der Bauteile überprüft?«

Bisher sei Petermann mit der Strategie sehr gut gefahren, nur zu 100 Prozent kontrollierte Bauelemente mit hoher Performance und Qualität sowie Langlebigkeit für alle Applikationssegmente zum marktgerechten Preis liefern zu können. »Ergänzend dazu bietet Petermann-Technik ausführliche Produktberatung. Bei Bedarf sind auch sehr umfangreiche Schaltungsanalysen (In-Circuit Tests) durch das eigene In-House Engineering möglich, die es unseren Kunden optimal ermöglichen, komplexe und technisch anspruchsvolle Projekte schnell zu realisieren«, so Petermann. »Deshalb sehen wir auch keinen Anlass, die Strategie, die wir seit Gründung unseres Unternehmens verfolgen, zu ändern.«

Relevante Anbieter

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Roland Petermann, Petermann Technik: »Uns hat der Ausbruch des Coronavirus bisher keine Probleme gemacht.«
© Petermann Technik

Über Taktgeber hinaus gedacht

Ebenfalls über eine steigende Nachfrage aus dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt kann sich Bernd Neubig freuen, Geschäftsführer von Axtal. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung kundenspezifischer hochpräzisier Oszillatoren konzentriert. »Dabei entwickeln wir jetzt mehr und mehr komplette 19-Zoll-Systeme anstatt einzelner Baugruppen.« Eine komfortable Nische allerdings nur auf den ersten Blick: Denn selbstverständlich sehen auch weitere Unternehmen die Chance, mit Systemen mehr Geld zu verdienen als im hart umkämpften Markt der Standard-Produkte. Was bedeutet, dass auch in den Nischen das Leben härter wird.
Dennoch kann er auf zwei gute Jahre zurückblicken. Auch das Jahr 2020 habe nach einem relativ schwachen Januar mit einem vielversprechenden Februar angefangen: »Wir haben einen Auftragsbestand von vier Monaten und blicken recht optimistisch auf dieses Jahr.« Er freut sich bereits auf die electronica 2020, auf der Axtal auch in diesem Jahr wieder ausstellen wird.

Daran ändert im Moment auch der Ausbruch des Coronavirus nichts. Zwar hätten die Partner in China nur teilweise geöffnet; bis der volle Betrieb wieder aufgenommen werden könnte, würde es auch im günstigsten Fall noch ein Weilchen dauern. Andererseits hätte die Lungenkrankheit bisher kaum Auswirkungen auf die eigene Lieferfähigkeit, weil das Unternehmen nur in geringem Umfang Komponenten aus China bezieht.

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Bernd Neubig, Axtal: »Wir haben einen Auftragsbestand von vier Monaten und blicken recht optimistisch auf dieses Jahr.«
© Axtal

Für Quarzwerk habe das Jahr ebenfalls sehr gut angefangen, sagt Frank Wolf, Gründer und Geschäftsführer. Gegenüber dem Januar 2019 sei der Auftragseingang um den Faktor drei gestiegen. Er rechnet damit, in diesem Jahr gegenüber 2019 um mindestens 35 Prozent wachsen zu können – falls die Auswirkungen des Coronavirus die Lieferketten nicht weiter durcheinander wirbeln.

Im Moment sei Quarzwerk, die mit Utech in China und River in Japan zusammenarbeitet, von den Auswirkungen des Coronavirus wenig betroffen. Utech hat laut Wolf die Produktion wieder hochgefahren, was kein großes Problem gewesen sei, weil die Mitarbeiter von Utech aus der Region kommen. Zudem hatte Quarzwerk sich in Erwartung des Neujahresfestes und der guten Nachfragesituation mehr Komponenten auf Lager gelegt als in den Jahren zuvor. Das sei in der gegenwärtigen Situation natürlich ein Glücksfall, denn nun würden sich die Anwender verstärkt nach Möglichkeiten umschauen, aus weiteren Quellen zu beziehen, wovon Quarzwerk profitiere.

Erst Ende vergangenen Jahres hat er Utech in China besucht. In diesem Jahr ist ein gemeinsamer Stand auf der electronica geplant. »Wir kooperieren sehr eng mit Utech und stehen täglich in Verbindung, sind also immer über den aktuellen Stand informiert.« Es seien sogar schon seit Längerem und unabhängig von der gegenwärtigen Situation Überlegungen im Gange, einen Teil der Fertigung nach Deutschland zu holen. In ein bis zwei Jahren soll die endgültige Entscheidung darüber fallen.


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  2. "Die Lage ist nicht eingeplant, aber beherrschbar..."
  3. Kleinere Bauformen

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