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Stagnierende Umsätze – aber kein Totaleinbruch

14. Juli 2020, 12:47 Uhr   |  Heinz Arnold

Stagnierende Umsätze – aber kein Totaleinbruch
© Intertec Components

Das hermetisch versiegelte Vollmetallgehäuse schützt den Schwingquarz und dessen Kontaktierung vor schädlichen Umwelteinflüssen.

Lieferzeiten und Preise steigen tendenziell, Projekte verzögern sich, aber dennoch zeigt sich die Quarz- und Oszillatorbranche in Deutschland in der Krise relativ robust.

Zu Beginn der Corona-Krise zeigten sich die meisten der von Markt&Technik befragten Unternehmen aus der Quarz- und Oszillatorenbranche noch wenig betroffen und recht zuversichtlich; einige wollte sogar schon für die Zeit nach der Krise in Kapazitäten investieren, um für den Nachfrageanstieg im zweiten Halbjahr gerüstet zu sein. Wie sieht es rund drei Monate später aus?

Gegenüber der Situation am Anfang der Corona-Krise hat sich aus Sicht von Christian Dunger, Vorstand bei WDI, einiges geändert: Es gingen zwar viele Anfragen und Angebote ein, aber der Auftragseingang sei in den vergangenen Wochen doch spürbar zurückgegangen. »Es ist schwer zu sagen, wie hoch der Anteil der normalen saisonalen Entwicklung daran ist, doch wird ein erheblicher Anteil der Corona-Krise zuzuschreiben sein«, sagte Christian Dunger im Interview mit Markt&Technik.

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© WDI

Christian Dunger, WDI: »Die Hersteller nutzten die Gelegenheit, um ihr Angebotsspektrum gründlich zu durchzuforsten und unrentable oder veraltete Produkte abzukündigen.«

»Selbstverständlich gibt es Märkte, in denen derzeit zumindest ein temporärer Bedarfsrückgang zu verzeichnen ist, etwa Automotive«, erklärt Stefan Hartmann, Department Manager QD von Epson. »Dafür boomen andere Sektoren und weisen kurzfristig deutlich höhere Bedarfe auf, wie die Medizintechnik und das Gesundheitswesen. Weltweit sehen wir nach wie vor auch während der Corona-Pandemie eine starke Nachfrage nach unseren Produkten.«

Einen gewissen Rückgang nimmt auch Bernd Neubig wahr, Geschäftsführer des in Mosbach ansässigen High-End-Spezialisten Axtal: »Was die Volumen angeht, sind wir zwar weiterhin zufrieden, doch verzögern sich jetzt die Aufträge.« Weil sich jetzt relativ viele Liefertermine nach hinten verschoben haben, hat Axtal für einige Mitarbeiter die Arbeitszeit reduziert. Dass viele Freigaben nicht mehr so schnell wie bisher abgearbeitet werden können, liege vor allem daran, dass viele Ingenieure bei den Kunden nicht ins Labor dürfen oder nur beschränkt Zutritt haben. Und dass der Vertrieb meist vom Homeoffice aus tätig sein muss, führe ebenfalls zu Verzögerungen.

Ähnlich sieht es auch Jörg Kramer von Coftech. Die Krise würde jetzt durchschlagen, die Aufträge gingen etwas zurück, die Entwicklungszyklen verlängerten sich. Doch in Bereichen wie Basisstationen werde das Geschäft weiter geführt, in einigen anderen Sektoren wie der Medizintechnik steige es, zumindest vorübergehend. Im zweiten Halbjahr rechnet er dann wieder mit einer allgemeinen Belebung.
Doch sei bereits abzusehen, dass sich die Lage in der zweiten Jahreshälfte verbessern werde: »Ab Juli gibt es wieder mehr zu tun, dann kann wieder voll gearbeitet werden.« Er rechnet damit, dass das dritte Quartal noch etwas durchhängen werde, ab dem vierten sollte es dann wieder aufwärts gehen.

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© Red Frequency

Nathalie Friebe, RED Frequency: »Während der ersten beiden Quartale haben sich die Verkaufszahlen positiv entwickelt. Wenn sich das so fortsetzt, können wir auch in der zweiten Jahreshälfte mehr als zufrieden sein.«

Sehr positiv läuft das Geschäft auch weiterhin für KVG – »das zweite Quartal entwickelt sich ausgesprochen gut, und auch mit Blick auf das zweite Halbjahr mangelt es nicht an Aufträgen«, so Uwe Schweickert, Product Manager von KVG – und für Quarzwerk erklärt dessen Geschäftsführer Frank Wolf: »Bei uns geht es heftig voran.«

Ähnlich äußert sich Nathalie Friebe, Chief Officer PR & Marketing von RED Frequency: »Erfreulicherweise haben sich in den ersten beiden Quartalen die Verkaufszahlen für RED Frequency positiv entwickelt. Wir haben zwar eine leichte Verschiebung zwischen Quarzen und Oszillatoren festgestellt, was sich sogar positiv auf die Umsatzzahlen auswirkt. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, können wir auch in der zweiten Jahreshälfte mehr als zufrieden sein.«

»Die Auftragslage ist derzeit relativ gut, allerdings ist das Geschäft im Sommer saisonal immer etwas schwächer«, freut sich Rüdiger Zahn, Geschäftsführer von Auris. Auch Neuntwicklungen seien im Gange. Weil Auris für viele Anwender die Überprüfung ihrer Schaltungen durchführt, könne er daran recht gut ablesen, was sich gerade auf dem Gebiet der Neuentwicklungen im Markt tut: »Wir verzeichnen keinen Einbruch, ganz im Gegenteil.«

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1. Stagnierende Umsätze – aber kein Totaleinbruch
2. Keine übermäßige Euphorie...
3. Lieferzeiten und Preise steigen
4. Die Systemebene lockt

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