Bert Schukat, Schukat electronic

»Fühlen uns mehr als Krisen­manager denn als Distributor«

2. August 2022, 10:30 Uhr | Karin Zühlke
Schukat
Bert Schukat, Schukat »Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Hersteller auch in Zukunft einen Teil ihrer Geschäfte nicht selber machen, sondern sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollen.«
© Schukat

Mit etwa 290 Herstellern und 50.000 Produkten zählt Schukat einerseits zu den breit aufgestellten Mittelständlern aber auch zu den Spezialisten der Branche. Vom klassischen Schubladen-Denken hält Geschäftsführer Bert Schukat wenig. Ein Umsatzplus von über 40 Prozent untermauert seine Strategie.

Markt&Technik: Die Distribution in Deutschland erlebte 2021 ein Rekordjahr. Wie zufrieden waren Sie mit 2021?

Bert Schukat: Das vergangene Jahr stand bekanntlich im Zeichen der Allokation. Unser Einkauf und Vertrieb arbeiteten bzw. arbeiten unter extrem hohem Druck. Wir gehen von Krise zu Krise, und wir fühlen uns mehr als Krisenmanager denn als Distributor. Unser größtes Augenmerk liegt darauf, Lieferketten nicht reißen zu lassen, was uns bislang gut gelungen ist. Wir sind aufgrund unserer Stellung im Markt in der Lage, rasch zu reagieren, weit vorausschauend zu disponieren und Empfehlungen an unsere Kunden herauszugeben. Die meisten Kunden sind unseren Empfehlungen gefolgt und haben uns volle Auftragsbücher beschert. Nicht nur Halbleiter bleiben rar, sondern überall gibt es Engpässe, selbst bei Vormaterial, Steckverbindern, Widerständen, Induktivitäten, Kapazitäten und auch bei Kugellagern, um einige Beispiele zu nennen.

An einem Beispiel erläutert: Bei einem unserer Lüfter-Lieferanten waren wir aufgrund des Engpasses eines Zulieferteils bei der Auslieferung extrem limitiert. Unser Lieferant hatte nicht genügend Vormaterial für seine Produktion. Unsere Kunden sind über so etwas natürlich wenig erfreut. Solche Spannungen müssen wir aber managen können.

Insgesamt konnten wir 2021 eine erhebliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr verzeichnen, die wir im Vorfeld so nicht erwartet hätten.

Das heißt im Detail?

Wir konnten eine Steigerung von 47 Prozent erzielen. Vom Umsatz her haben wir 157 Millionen Euro brutto erreicht.

Bedeutet das auch eine Steigerung im Ergebnis? Viele Firmen aus der Elektronik-Branche klagen, dass sich das Ergebnis nicht derart gesteigert hat wie der Umsatz.

Wir konnten im Mittel die Marge halten, mussten aber an verschiedenen Stellen auch Margenverluste hinnehmen, z. B. wegen sehr stark gestiegener Transportkosten. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Aufgrund der Geschehnisse in China versuchen viele umzuswitchen von See- auf Luftfracht. Wir sind der Überzeugung, der einzig wirtschaftliche Transportweg für den Kunden ist der Seeweg. Daher versuchen wir, die Planung hinsichtlich der Bevorratung für unsere Kunden so zu fahren, dass wir die Kunden per Seefracht bedienen können. Das hat Vorteile, aber fordert zugleich ein hohes Maß an Engagement von uns.

Schukat lässt sich beim Geschäftsmodell aus meiner Sicht nicht so recht in eine klassische Kategorie – Volumen-, Spezial- und eCommerce-Distributor  – einordnen. Wie würden Sie Ihr Geschäftsmodell klassifizieren?

Die Digitalisierung nimmt einen immer größeren Stellenwert in allen Geschäftsprozessen ein, und wir bedienen alle Zielgruppen – ausgenommen den privaten Endverbraucher. Jeder Kunde wird bedarfsorientiert betreut, sei es persönlich oder durch das Angebot von digitalen Diensten. Von der Anfrage zur Lieferung unternehmen wir große Anstrengungen, um gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern auf digitaler Ebene Mehrwerte entlang der Lieferkette zu generieren. Dabei soll der Datenaustausch intern und nach außen einfach und unkompliziert sein.

Wir sind überzeugt davon, dass wir die Digitalisierung deutlich ausprägen bzw. auch Lieferanten und Kunden einbinden müssen, um in der Zukunft bestehen zu können. Insbesondere die großen Kunden erwarten von ihrem Dienstleister Digitalisierung, und je nachdem, mit wem sie es zu tun haben, legt in der Digitalisierung jeder einen anderen Fokus und will auf seine Art und Weise mitgenommen werden. Genau das ist aus meiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg: Der Kunde muss es leicht haben und es muss schnell gehen. Er ist es gewohnt, ein Schlüsselwort bei Google einzugeben und Antworten zu bekommen. So ähnlich erwartet er dies auch von seinem Distributor. Wir wollen, dass der Kunde bei uns im System seine Herstellerteilenummer eingibt und bei der Produktsuche möglichst schnell zum Ziel kommt. Darüber hinaus wünscht der Industriekunde natürlich auch Lieferpläne, Logistikmodelle und mehr.

Welcher der klassischen Kategorien würden Sie sich also zuordnen?

Das ist schwierig zu beantworten. Wir führen über 290 Linien und werden sozusagen von unseren Lieferanten in zig verschiedene Schubladen gesteckt: Beim einen ist es die Spezialdistribution, beim anderen ist es die Volumendistribution, so z. B. bei Lüftern und Netzteilen. Auch in der Zusammenarbeit mit Panasonic für Induktivitäten und Kondensatoren sehen wir uns als Volumen-Lieferanten.

Gibt es Highlight-Linien, die in den letzten zwölf Monaten hinzukamen?

Unser stärkstes Gebiet sind die Schaltnetzteile – das bauen wir auch kontinuierlich aus. So haben wir neben MeanWell und Recom und anderen im letzten Jahr auch XP Power hinzugenommen und gehen davon aus, dass sich diese Linie gut entwickelt. Die XP-Produkte stellen insbesondere dort eine geeignete Lösung dar, wo herausfordernde Betriebsbedingungen und eine hohe Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit gefordert sind. Zusätzlich verzeichnen wir bei Print-Netzteilen, die u. a. als Stromversorgungsmodule in der Steuer-/Regelelektronik Einsatz in den Wallboxen finden, enormen Zuwachs, der durch Projekte in der Elektromobilität getrieben wird. Für unsere Kunden heißt das, dass wir noch mehr Kompetenz bei Stromversorgungen bieten können.

Welche Akzente haben Sie in den letzten beiden Jahren bei der Entwicklung von Neuerungen gesetzt?

In den letzten Jahren haben wir sehr konzentriert an einem neuen Webshop gearbeitet. Wir wollten unser System aufbrechen und neu aufsetzen, um unser Produktinformationsmanagement auf neue Wege zu bringen. Ein in diesem Bereich neu etabliertes Team befasst sich hinsichtlich eCommerce nur mit der Informationsverarbeitung. Das Ergebnis werden wir dieses Jahr auf den Markt bringen.

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