Geschäftsjahr 2018 Infineon mit Umsatz- und Gewinnwachstum

Dr. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies AG
Dr. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies AG, blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon kann auf ein erfreuliches Geschäftsjahr 2018 zurückblicken. Sowohl Umsatz als auch Gewinn stiegen, dazu arbeiten jetzt mehr als 40.000 Mitarbeiter für den Chip-Hersteller.

Infineon konnte seinen Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2018 auf 7,6 Mrd. Euro steigern, fast 600 Mio. oder 7,6 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn stieg von 790 Mio. auf 1,08 Mrd. Euro an. 

Betrachtet man die Umsatzentwicklung der Geschäftsfelder Automotive (ATV), Industrial Power Control (IPC), Power Management und Multimarket (PMM) und Chip Digital Security Solution (DSS,vormals Card & Security), ergab sich kein einheitliches Bild.

ATV konnte um 10 % auf 3,28 Mrd. Euro Umsatz zulegen, IPC ebenfalls um 10 % auf 1,32 Mrd. Euro, PMM um 8 % auf 2,31 Mrd. Euro. DSS schrumpfte dagegen um 6 % auf nur noch 664 Mio. Euro Umsatz.

Im Bereich Automotive konnte Infineon, getrieben von der überlegenen Stellung im Bereich Automotive-Leistungselektronik mit 10,8 % Marktanteil (10,7 % im Vorjahr) Platz 2 hinter NXP (12,5 %) verteidigen, die Nr. 3 Renesas kommt nur auf 10,0 %. Der Abstand auf NXP ist allerdings geschrumpft, im Vorjahr betrug der Marktanteil der Niederländer noch 14 %.

Schaut man sich die einzelnen Automotive-Produktsegmente an, gibt es ein hetrogenes Bild: In der Leistungselektronik ist man mit 26,0 % Anteil klarer Marktführer und hat ST Microelectronis (12,5 %) und Bosch (9,1 %) auf die Plätze verwiesen.

Bei der Sensorik liegt Infineon mit 12,9 % Marktanteil auf Platz 2 mit klarem Abstand zu Marktführer Bosch, der auf 17,4 % kommt. Bei den Mikrocontrollern liegt man mit 8,5 % Marktanteil nur auf Platz 4 abgeschlagen hinter Renesas (31,2 %) und NXP (27,8 %) sowie hinter TI auf Platz 3, das mit 9,5 % Marktanteil eher in Reichweite erscheint.

Noch besser steht Infineon freilich da, wenn man die Leistungselektronik insgesamt betrachtet und alle Umsätze aus den Geschäftsbereichen ATV, PMM und IPC aufkummuliert. Mit einem Marktanteil von 18,6 % ist man doppelt so groß wie der zweitplatzierte ON Semiconductor, der auf 9 % Marktanteil kommt. Der Drittplatzierte ST Microelectronics muss sich sogar mit 5,1 % Marktanteil begnügen. Alleine im Segment Automotive kommen über 60 % des Gesamtumsatzes  aus dem Bereich Power-Produkte, im Bereich PMM sogar fast 90 % und im Bereich IPC (“Industrial Power Conrol”) folgerichtig 100 %.

Bei den Security-ICs hat Infineon mit 24,2 % Marktanteil in einem von allerdings nur insgesamt 4 Herstellern dominierten Markt Platz 1 vor NXP eingenommen (23,8 %), mit deutlichem Abstand folgt auf Platz 3 Samsung mit 12,9 % Marktanteil.

Im Vergleich zum Vorjahr stellte sich bis auf die Geschäftsbereiche ATV und DSS auch die Entwicklung der Gewinnmargen erfreulich dar.  Die sogenannten Segmentergebnisse (also das Betriebsergebnis in den einzelnen Geschäftsbereichen ohne diverse Kosten wie Gerichtskosten, Wertminderungen von Vermögenswerten, Beteiligungen an Tochtergesellschaften u.v.m.) entwickelten sich wie folgt: ATV erzielte mit 466 Mio. Euro 2 % weniger als im Vorjahr, IPC mit sensationellen 256 Mio. Euro 40 % mehr als 2017 (wobei bereits 2017 38 %  mehr als 2016 zu Buche standen), PMM mit 532 Mio. Euro 25 % mehr, CSS verlor dagegen 15 % auf nur noch 105 Mio. Euro.

In Forschung & Entwicklung investierte Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr 836 Mio. Euro, was 60 Mio. Euro mehr als im Vorjahr sind und erneut 11 % des Umsatzes darstellt wie auch schon 2017. Es gab allerdings auch Zeiten, wo noch 13 % des Umsatzes in F&E reinvestiert wurde.

Asien weiter in Führung

Interessant ist ein Blick auf die regionale Umsatzverteilung: Mit insgesamt 56 % (25 % China, 7 % Japan, 24 % restliches Asien) wurde Europa (zusammen mit Afrika und nahem Osten 32 %, davon 15 % Deutschland) einmal mehr abgehängt. 2012 lag der Umsatzanteil in Deutschland noch bei 23 %. China steht dagegen nunmehr alleine für ein Viertel des Umsatzes von Infineon, ein Ergebnis u.a. aus der “Umsetzungsstärke” des Landes in den Bereichen erneuerbare Energien und Elektromobilität.

Neue PV- und Windkraftanlagen in China, die bekanntlich von Regierungsmaßnahmen unterstützt werden, führte für den Bereich IPC zu guten Geschäften. Alleine im Bereich PV wurden 2017 neue Solaranlagen mit einer Leistung von mehr als 40 GW installiert, zum Vergleich: 1 Atomkraftwerk durchschnittlicher Größe liefert gerade mal 1 GW.

Kerngesund sieht nachwievor die Konzernbilanz aus, im Vergleich zu 2017 hat sich Infineons Finanzlage sogar noch verbessert. Vermögenswerten in Höhe von 10,88 Mrd. Euro (inklusive 732 Mio. Euro Geldmittel, 1,811 Mrd. Euro Finanzinvestitionen und 3,04 Mrd. Euro für Anlagen und Gebäuden) stehen nur Verbindlichkeiten in Höhe von 4,43 Mrd. Euro gegenüber. Damit ergibt sich ein Eigenkapital in Höhe von 6,45 Mrd. Euro, fast 800 Mio. Euro mehr als noch im Vorjahr.

Mit 40.098 Mitarbeitern zum Ende des Geschäftsjahres hat Infineon erstmals  die 40.000-MA-Marke übertroffen und wuchs in 12 Monaten um 2.619 Mitarbeiter, davon arbeiten 7.161 in Forschung und Entwicklung.

Der Vorstand hat eine Dividendenausschüttung in Höhe von 0,27 Euro pro Aktie vorgeschlagen - was 2 Cent mehr als im Vorjahr bedeutet. Für das am 1. Oktober begonnene Geschäftsjahr 2018 erwartet Infineon einen weiteren Umsatzanstieg um 11 %, der natürlich von der Entwicklung des Wechselkurses Euro/Dollar abhängt (Annahme hierfür 1,15). Insgesamt sollen 2019 zwischen 1,6 und 1,7 Mrd. investiert werden,

Langfristig sieht Infineon insbesondere durch Wachstum im Automobil-Bereich gute Aussichten. EIne Präsentation des Bereiches “Investor Relation” zeigt das Wachstum von Halbleitern im Automobil getrieben durch Elektrifizierung und autonomes Fahren bis zum Jahr 2030 recht detailliert auf. 

Kauf von Silizium-Carbid-Spezialisten

Infineon gab weiterhin bekannt, dass man das Dresdner Start-up Siltectra GmbH übernommen hat. Das Unternehmen hat ein innovatives Verfahren (Cold Split) zum besonders materialsparenden und effizienten Bearbeiten von Kristallen entwickelt. Infineon wird die Cold Split-Technologie zum Splitten von Siliziumkarbid (SiC)-Wafern einsetzen, wodurch die Anzahl der Chips aus einem Wafer verdoppelt werden kann. Mit dem Venture Capital-Investor MIG Fonds, dem bisherigen Haupteigner, wurde ein Kaufpreis von 124 Millionen Euro vereinbart.