Verbrenner-Ausstieg

Das sagen VDA, ADAC und Co.

9. Juni 2022, 8:23 Uhr | dpa / ih
Das EU-Parlament hat ein Verbrenner-Verbot ab 2035 beschlossen.
© webandi | pixabay

Im Kampf für mehr Klimaschutz will das EU-Parlament den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 verbieten. Die Reaktionen fallen gemischt aus: Es hagelt viel Kritik, aber es gibt auch positive Stimmen.

Eine Mehrheit der Abgeordneten im EU-Parlament stimmte am Mittwoch in Straßburg dafür, dass Hersteller ab Mitte des nächsten Jahrzehnts nur noch Autos und Transporter auf den Markt bringen dürfen, die keine klimaschädlichen Treibhausgase ausstoßen.

Das sagt der VDA

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat die Forderung des EU-Parlaments nach einem Verkaufsverbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 kritisiert. Die Abgeordneten hätten »eine Entscheidung gegen die Bürger, gegen den Markt, gegen Innovation und gegen moderne Technologien getroffen«, erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller am Mittwochabend. »In weiten Teilen Europas gibt es keine ausreichende Ladeinfrastruktur. Es ist daher für eine derartige Zielsetzung schlichtweg noch zu früh. Die Kosten der Verbraucher werden dadurch erhöht, das Verbrauchervertrauen aufs Spiel gesetzt.«

Das sagt der ADAC

Der ADAC bedauert das Abstimmungsergebnis des EU-Parlaments. »Allein mit der Elektromobilität werden sich im Verkehr die ambitionierten Klimaschutzziele nicht erreichen lassen«, teilte der Automobilclub am Mittwochabend mit. »Deshalb wäre es notwendig gewesen, auch eine Perspektive für den klimaneutral betankten Verbrennungsmotor zu öffnen.«

Aus Sicht von ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze ist der Europäische Rat, in dem die Regierungen der Mitgliedstaaten sitzen, nun gefordert, »eine klare Haltung zugunsten von Technologieoffenheit und effizienter CO2-Reduktion zu ergreifen, um zu einem tragfähigen Kompromiss zu kommen. Deutschland als wichtige Stimme in Europa sollte in diesem Sinne seine Verhandlungsposition überdenken.«

Das sagt der ACEA

Der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) ist der Meinung, dass die Entscheidung übereilt ist. Der ACEA-Präsident und BMW-Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse sagte am Donnerstag: »Angesichts der Volatilität und Unsicherheit, die wir Tag für Tag weltweit erleben, ist jede langfristige Regulierung, die über dieses Jahrzehnt hinausgeht, in diesem frühen Stadium verfrüht.«

Auf halbem Weg müsse noch einmal überprüft werden, »ob der Aufbau von Ladeinfrastruktur und die Verfügbarkeit von Rohstoffen für die Batterieproduktion mit dem zu diesem Zeitpunkt weiter steilen Hochlauf von batterieelektrischen Fahrzeugen mithalten können.« Erst wenn das sichergestellt sei, sollten die Ziele für die Zeit nach 2030 festgelegt werden.

Das sagt Volkswagen

Laut VW-Konzern ist das angestrebte Verbot von Neuzulassungen für Verbrennerautos ab 2035 grundsätzlich ein durchsetzbarer Schritt. Damit sei ein »ambitioniertes, aber erreichbares Ziel« formuliert worden, hieß es am Donnerstag aus Wolfsburg. Man habe einen solchen Beschluss schon erwartet. »Die Wende zur Elektromobilität ist unumkehrbar. Sie ist die ökologisch, technologisch und wirtschaftlich einzig sinnvolle Möglichkeit, um Verbrennungsmotoren schnellstmöglich zu ersetzen.«

Das sagt die Deutsche Umwelthilfe

Die Deutsche Umwelthilfe hält die Entscheidung des EU-Parlaments für unzureichend im Kampf gegen die Klimakrise. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch erklärte, das Abstimmungsergebnis sei ein herber Rückschlag für den Klimaschutz im Verkehr und torpediere alle Bemühungen, Europa schneller von fossilem Öl unabhängig zu machen.
Zwar sei der Verbrennerausstieg der richtige Schritt, komme 2035 aber viel zu spät, sagte er. »Die eskalierende Klimakrise lässt uns nicht die Zeit, noch weitere 13 Jahre Millionen neue Verbrenner-Autos auf Europas Straßen zu spülen, die dann wiederum 15 Jahre oder noch länger auf klimaschädlichen Sprit angewiesen sind.«

Das sagt Fridays for Future

Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future reklamierte den Beschluss des EU-Parlaments als einen Erfolg ihrer Arbeit. Aber das angepeilte Jahr 2035 sei deutlich zu spät, um das Ziel zu erreichen, die Erderhitzung wie 2015 auf der UN-Klimakonferenz in Paris vereinbart auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, schrieben die Aktivisten auf Twitter. »Klar ist: Eine Verkehrswende schaffen wir nicht, indem E-Autos auf die Straße kommen – sondern Menschen.«

Das sagt die eFuel Alliance

Nach Ansicht des Interessensverbands eFuel Alliance bedeutet das Ergebnis der Abstimmung einen deutlichen Rückschlag für den Verbraucher- und Klimaschutz. Um die Klimaziele zu erreichen, brauche man neben der E-Mobilität alle klimafreundlichen Alternativen zum beschleunigten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

VDA Verband der Automobilindustrie e.V., ADAC, dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH