ELIV 2021

Software, Software, Software

9. November 2021, 10:01 Uhr | Iris Stroh
Neumann_Karl-Thomas
Dr. Karl-Thomas Neumann, KTN Beratungs- und Beteiligungs-GmbH: »Die klassische vertikale Integration der Automobilindustrie muss ersetzt werden durch Zusammenarbeit und die massive Nutzung von industriellen Standards.«
© KTN Beratungs- und Beteiligungs-GmbH

In diesem Jahr fand die ELIV 2021 wieder im gewohnten Rahmen in Bonn statt. Wer nicht nach Bonn konnte/durfte/wollte, dem stand ein Livestream zur ELIV zur Verfügung.

Bereits vor zwei Jahren hatte Dr. Uwe Michael, damals noch Bereichsleiter Elektrik/Elektronik bei Porsche und Kongressleiter der ELIV, betont, dass Software der entscheidende Erfolgsfaktor für die Automobilindustrie im Transformationsprozess ist. Daran hat sich nichts geändert. Denn Dr. Rolf Zöller, jetziger Tagungsleiter und Director E/E Smart Connected Vehicle bei Porsche, erklärt: »Der Kongress wird durch zwei Hauptthemen geprägt. Auf der einen Seite werden aktuelle klassische automotive Problemstellungen wie mechatronische Innovationen behandelt. Auf der anderen Seite wird im Kontext der Megatrends Raum gegeben für neuste softwareorientierte Technologien. Dem Themenkomplex Software ist auch das technische Hauptthema gewidmet: Ein Vorstoß zur gemeinsamen Entwicklung der nicht differenzierenden Middleware in modernen End-to-End-Architekturen soll den Transformationsprozess zur lukrativen Wertschöpfung im Softwarebereich beschleunigen.«

Auch Dr. Karl-Thomas Neumann, CEO und Founder der KTN Beratungs- und Beteiligungs-GmbH, ist überzeugt: »Alles ist Software und Software ist alles.« Das heißt aus seiner Sicht aber für die Automotive-Industrie, dass sie noch einen langen Weg vor sich hat, und zwar weg von der Hardware hin zu Software, Cloud und Services. Er betont, dass die Automobilindustrie bereits bewiesen hat, dass sie Transformationsprozesse schaffen kann, der Wandel »vom Entwickler und Hersteller rein mechanischer Produkte hin zu komplexen, mechatronisch bestimmten Systemen« sei nach einigen Anfangsschwierigkeiten hervorragend gemeistert worden. Aber von der Mechanik und Hardware hin zur Software und vernetzten Services braucht jetzt einen neuen Ansatz: »Proprietäre eigene Entwicklungen sind am Ende«, so Neumann weiter. Er ist überzeugt, dass die neuen Herausforderungen nicht mit den bisher erfolgreichen Ansätzen gelöst werden können.

Neumann betont seit einiger Zeit bereits, dass das Auto nicht mehr im Zentrum der zukünftigen Wertschöpfung steht, sondern dass es Mobilitätsdienste sein werden, die den Gesetzen der Plattformökonomie gehorchen. Neumann weiter: »Das bedeutet, dass es keinen Sinn macht, dass einzelne OEMs Auto-Betriebssysteme entwickeln, sondern, dass wir schnellstens eine Industrieweite Allianz für ein solches schaffen müssen. Mittelfristig wird es weltweit kaum mehr als drei bis vier solcher Auto-OS geben. Die besondere Herausforderung und Chance liegt dabei darin, dass es sich um eine „Multi Domain“ Architektur handelt, in der Android-Auto eben nicht die umfassende Lösung darstellt.«

Neumann ist außerdem überzeugt, dass neue Finanzierungswege gefunden werden müssen: »Im Kontext von Elektrifizierung, Software und Cloud, autonomem Fahren sowie Mobility as a Service ist es völlig unmöglich, die erforderlichen Investitionen in die Technologien und in die Marktentwicklung aus dem eigenen Cash Flow zu finanzieren«, so Neumann weiter. Er denkt, dass neue Formen der Finanzierung über Venture Capital ein möglicher Weg ist. Neumann mahnt: »Die neue Stufe der Transformation kann nicht mehr mit den klassischen Herangehensweisen unserer Industrie gelöst werden. Umso erstaunlicher ist, dass die Mehrheit aller bekannten Initiativen genau darin verharrt.«

UNICARagil

Ein Ansatz in die richtige Richtung könnte der Vorschlag von Prof. Dr. Lutz Eckstein, Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge an der RWTH Aachen und Gesamtkoordinator des Projekts UNICARagil, sein. Er wirbt für eine industrie- und hochschulübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen eines geeigneten BMBF-Projekts. Eckstein betont, dass das UNICARagil-Konsortium vereinbart hat, die ASOA (Automotive Service-oriented Architecture) in ein solches Projekt einzubringen und mit der Industrie und weiteren Lehrstühlen die Architektur sowie die notwendigen Werkzeuge weiter zu erforschen. Deren Reifegrad und Leistungsfähigkeit soll anhand zukunftsweisender Use Cases, Fahrfunktionen und Mobilitätssystemen unter Beweis gestellt werden. 


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