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Nissan baut milliardenschwere E-Auto-Fertigung in Europa

01. Juli 2021, 09:17 Uhr   |  Irina Hübner

Nissan baut milliardenschwere E-Auto-Fertigung in Europa
© Nissan

Nissan präsentiert seine Pläne zum Bau eines milliardenschweren EV-Kompetenzzentrums: Nahe des britischen Standorts Sunderland entsteht ein Fertigungszentrum für E-Autos, das die Dekarbonisierungsstrategie des Automobilkonzerns beschleunigen und den Weg in die Klimaneutralität ebnen soll.

In das Projekt investiert Nissan gemeinsam mit seinem Batteriepartner Envision AESC und der Stadt Sunderland zunächst 1 Mrd. britische Pfund (umgerechnet rund 1,17 Mrd. Euro). Dabei umfasst das Nissan-Kompetenzzentrum namens EV36Zero drei miteinander verbundene Initiativen zur Produktion von Elektrofahrzeugen, erneuerbarer Energien und Batterien, und stellt damit eine Blaupause für die Zukunft der Automobilindustrie dar.

»Dieses Projekt ist richtungsweisend, um Kohlenstoffneutralität über den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte zu erreichen«, sagt Makoto Uchida, Präsident und CEO von Nissan. »Unser ganzheitlicher Ansatz umfasst dabei nicht nur die Entwicklung und Produktion von E-Fahrzeugen, sondern auch die Nutzung der Antriebsbatterien als stationärer Energiespeicher und ihre Wiederverwendung für Sekundärzwecke. Diese Ankündigung wird unsere Bestrebungen, Kohlenstoffneutralität für unsere Aktivitäten in Europa zu erreichen, erheblich beschleunigen. Die Erfahrungen und das Know-how, die wir durch das Projekt gewinnen, werden wir weltweit nutzen und damit die globale Wettbewerbsfähigkeit von Nissan stärken.«

Aufbauend auf der inzwischen 35-jährigen Fertigungsexpertise von Nissan in Sunderland sichert das Projekt insgesamt 6200 Arbeitsplätze bei Nissan und seinen britischen Zulieferern. Beim japanischen Automobilhersteller entstehen 900 neue Jobs, in der nunmehr zweiten Envision AESC Gigafactory am Standort weitere 750 Arbeitsplätze.

Envision AESC, die Batterie-Sparte des global agierenden Green-Tech-Unternehmens Envision Group, wird integrierte AIoT-Smart-Technologien einsetzen, um den Energieverbrauch, die Fertigung und die Wartung in seiner neuen Gigafactory zu überwachen und zu optimieren. Dadurch kann es die Produktion schnell hochfahren und Batterien für bis zu 100.000 Nissan-Elektrofahrzeuge pro Jahr bereitstellen.

Elektrischer Crossover der nächsten Generation

Als Teil der milliardenschweren Ankündigung will Nissan bis zu 423 Mio. britische Pfund (ca. 493 Mio. Euro) investieren und ein neues vollelektrisches Fahrzeug der nächsten Generation in Großbritannien produzieren. Durch die Kombination von Crossover-Eigenschaften und den bewährten Eigenschaften des Nissan LEAF entsteht ein Fahrzeugdesign, das Effizienz und Batterietechnologie verbinden und so den Umstieg auf elektrisches Fahren vereinfachen soll.

Der neue Crossover baut auf der CMF-EV-Plattform der Allianz auf und wird von Sunderland aus in die europäischen Märkte exportiert. Sein Produktionsvolumen soll bis zu 100.000 Einheiten betragen.

Inklusive dem Transformationsprojekt belaufen sich die Gesamtinvestitionen in das Nissan-Werk auf über 5 Mrd. britische Pfund. Inbegriffen sind unter anderem

  • die Forschung und Entwicklung im europäischen Nissan Technical Centre in Cranfield (Bedfordshire),
  • die Unterstützung britischer Zulieferer bei der Umstellung auf Elektrofahrzeuge,
  • eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit des Werks und besserer Umweltschutz,
  • Fort- und Weiterbildungen der Nissan Mitarbeitenden in Bezug auf zukünftige Technologien.

Weitere Produktionsstandorte für das neue Modell sind bis jetzt noch unbestätigt. Details zum neuen Crossover-Modell, darunter auch Preise und Technologien, werden kurz vor dem Verkaufsstart bekanntgegeben.

EV-Batterien der nächsten Generation

Envision AESC betreibt in Sunderland bereits ein Batteriewerk, das 2012 für die lokale Produktion des Nissan LEAF errichtet wurde. Dadurch verfügt das britische Team inzwischen über neun Jahre Erfahrung in der Fertigung und Lieferung hochwertiger Batterien.

Für das neue Nissan-Modell investiert Envision AESC nun 450 Mio. britische Pfund (ca. 525 Mio. Euro) in eine neue Gigafactory für die Batterietechnologie der nächsten Generation. Das Werk entsteht im International Advanced Manufacturing Park (IAMP), der an das Nissan-Werk angrenzt.

Der formale Planungsprozess für das neue Werk soll in Kürze beginnen. Die Gigafactory wird zunächst eine Kapazität von 9 GWh bieten. Sie sichert die bestehenden 300 Arbeitsplätze und schafft 750 neue Jobs. Bis 2030 ist der Ausbau in weiteren Schritten auf bis zu 25 GWh denkbar. Die potenzielle Maximalkapazität an diesem Standort wird mit 35 GWh beziffert.

Emissionsfreie Fahrzeuge, emissionsfreie Fertigung

Der City Council von Sunderland unterstützt das vollelektrische Ökosystem mit einem sogenannten Microgrid, das 100 Prozent erneuerbaren Strom für die Produktion stellt und jährlich 55.000 Tonnen CO2 einsparen soll.

Mit der Möglichkeit, die bestehenden Wind- und Solarparks von Nissan einzubeziehen, könnten nach ersten Plänen bis zu zehn Solarparks mit einer voraussichtlichen Leistung von 132 MW entstehen. Sie werden direkt an das britische Stromnetz angeschlossen, um Nissan und die im angrenzenden International Advanced Manufacturing Park ansässigen Automobilunternehmen zu versorgen. Die Pläne werden in enger Absprache mit potenziellen »grünen« Investoren aus dem Privatsektor weiterentwickelt.

Dieses Projekt wird auf Investitionen von 80 Mio. Pfund geschätzt. Es umfasst auch Pläne für ein 1-MW-Batteriespeichersystem, das aus gebrauchten Nissan/Envision-AESC-EV-Batterien besteht. Es speichert die überschüssige Energie, die tagsüber erzeugt wird, um die Nachfrage im Netz auszugleichen und die Energie zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen.

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