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Prozessor-IP aus Deutschland

»Flexibel, sehr performant und gleichzeitig energiesparend«


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Interaktion auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette: OEM - Tier-One - Halbleiterunternehmen

Deutscher Prozessor-IP-Hersteller hat Erfolg
Videantis überschreitet die 10-Mio-Marke
© videantis

2021 konnte Videantis melden, dass der zehnmillionste Chip mit „videantis inside“ im Auto ausgeliefert wurde. Wo liegen derzeit umsatztechnisch die Schwerpunkte von videantis, auch regional betrachtet, und erwarten Sie hier Veränderungen?

Aufgrund unseres Geschäftsmodells interagieren wir nicht nur mit Halbleiterherstellern, sondern auch mit Tier-Ones und OEMs über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Deshalb erzielen wir auch einen nennenswerten Umsatz hier in Europa, obwohl viele unserer direkten Kunden in Nordamerika oder Asien beheimatet sind. Für die Zukunft sehen wir keine kurzfristige Änderung. Auch wenn der wichtigste Automobilmarkt global betrachtet mittlerweile China ist, stellt Europa ein Schwergewicht im Bereich Automobilelektronik-Entwicklung dar – trotz des zunehmenden Interesses an unseren Produkten aus Asien. Wie und ob sich diese Verhältnisse im Zeitraum von mehr als drei Jahren verschieben werden, lässt sich nicht seriös prognostizieren.

Was sind die Anwendungsschwerpunkte für videantis?

Bisher werden Bausteine mit unserem IP vorwiegend in Anwendungen eingesetzt, bei denen Video- bzw. Kameradaten, zunehmend aber auch andere Sensordaten wie Radar- oder Lidardaten verarbeitet werden müssen. Verarbeitung kann hierbei z.B. Inferenz mittels neuronaler Netze, klassische Objekterkennung, Datenfusion, Generierung virtueller Views oder auch Videocodierung bedeuten – alles auf derselben Prozessorarchitektur. Viele dieser Applikationen stammen aus dem Marktsegment Automotive, speziell dem Segment Fahrerassistenz/autonomes Fahren, es gibt aber auch sehr interessante Projekte aus dem Bereich Augmented/Virtual Reality für Consumer- und Industrieanwendungen.

In Europa wird derzeit viel über die digitale Souveränität diskutiert. Dabei wird beispielsweise bemängelt, dass es zu wenig Design-Aktivitäten im Bereich der Prozessoren gibt. videantis ist zwar eine Ausnahme, aber das Grundproblem stimmt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Teilweise haben wir das Gefühl, dass gar nicht erst so genau nach Europa geschaut wird, sondern es vorausgesetzt wird, dass gute Technologie nur aus dem Silicon Valley kommen kann, obwohl es hier durchaus auch etliche technologisch führende Firmen gibt. Manchmal reicht es dann schon aus, einfach ein Büro im Silicon Valley zu eröffnen, um ganz anders wahrgenommen zu werden. Wir sehen aber auch gerade in den letzten Monaten, bedingt durch das Zusammenbrechen globaler Lieferketten, dass nun auch lokalere Ansätze zunehmend in den Fokus der Wahrnehmung rücken. Es ist allerdings auch kein Geheimnis, dass insbesondere die VC-Landschaft hierzulande weit hinter den Verhältnissen in den USA hinterherhinkt. Das führt aus unserer Sicht dazu, dass man einen sehr langen Atem haben und von Anfang an auf höchste Effizienz getrimmt sein muss, da nur ein Bruchteil des Kapitals vergleichbarer Unternehmen aus dem Silicon Valley zur Verfügung steht. Wenn man es trotzdem schafft, sich – wie videantis – im Markt mit Serienproduktionen erfolgreich zu behaupten, kann diese antrainierte Effizienz natürlich langfristig auch ein großer Wettbewerbsvorteil sein – viele gute Startups in Europa werden es aber leider gar nicht so weit schaffen. Dieses grundlegend zu ändern wird eine der größten Herausforderungen des Standorts Europa sein.

videantis war/ist in Forschungsprojekten beteiligt, beispielsweise PARIS oder PRYSTINE, beides Projekte im Automotive-Umfeld. Inwieweit arbeitet videantis mit europäischen Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer, Leti oder imec zusammen und ist videantis auch an IPCEI II beteiligt, das unter anderem Unternehmen unterstützen soll, die Chipdesigns wie Prozessoren entwickeln?

Die enge Verzahnung von gemeinsamen Forschungsprojekten mit Partnern aus dem gesamten Ökosystem mit der stetigen Weiterentwicklung unserer eigenen Produktpalette war für uns von Beginn an Bestandteil unserer Philosophie. Hierdurch schauen wir kontinuierlich auch über den Tellerrand, erhalten wertvolle Inputs von Spezialisten auf anderen Gebieten und können auch einmal Ansätze untersuchen, die dann am Ende vielleicht nicht alle kommerziell weiterverfolgt werden.

Neben den genannten Projekten arbeiten wir aktuell z.B. auch gerade in dem BMBF-Projekt KI-FLEX und in dem H2020 EU-Projekt TEMPO in Konsortien u.a. mit den angesprochenen Forschungsinstituten Fraunhofer, imec und Leti zusammen und entwickeln dort gemeinsam verschiedene Chips, die auf der v-MP6000UDX-Architektur basieren.

IPCEI II ist nach unserem Verständnis eher stark technologisch fokussiert, z.B. mit der geplanten Entwicklung einer europäischen 2-nm-Prozesstechnik. Es gibt aber darüber hinaus auch weitere neue, attraktive Programme auf nationaler und EU-Ebene, die wir uns anschauen, sodass wir sicher sind, auch in Zukunft unserer Philosophie treu zu bleiben.

Woran arbeitet Videantis derzeit?

Wir arbeiten derzeit mit Halbleiterherstellern an der Integration der v-MP6000UDX-Familien in verschiedenen kommerziellen Produkten, und gleichzeitig kooperieren wir mit mehreren Partnern im Rahmen der Forschungsprojekte TEMPO und KI-FLEX, in denen ebenfalls auf v-MP6000UDX basierendes Silizium z.B. für Perception-Unit-Funktionalität zum Einsatz kommen wird. Passend zum aktuellen Trend bei den E/E-Architekturen im Fahrzeug sehen wir hierbei, dass die hohe Effizienz und Flexibilität unserer Prozessoren in Kombination mit ihrer Multi-Core-Skalierbarkeit gerade für zukünftige hochleistungsfähige Zentraleinheiten besonders viele Vorteile bietet. Parallel arbeiten wir an der weiteren Optimierung unserer Entwicklungswerkzeuge, um den Funktionsumfang stetig zu erweitern und weiter zu perfektionieren.

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