Schwerpunkte

Gefahrenpotenzial Ablenkung

Deutsche haben wenig Vertrauen in Fahrerassistenten

11. Dezember 2020, 09:14 Uhr   |  Irina Hübner

Deutsche haben wenig Vertrauen in Fahrerassistenten
© Shutterstock.com

Automatisierte Fahrassistenten sollen nicht nur mehr Fahrkomfort, sondern den Autofahrern auch ein höheres Sicherheitsgefühl bieten. Doch in der Praxis steigt das Sicherheitsgefühl nicht, wie eine Infas-Quo-Studie ergibt.

Die repräsentative Untersuchung von Infas Quo im Auftrag des Dierektversicherers DA Direkt zeigt, dass jeder zweite deutsche Autofahrer (51 Prozent) in Gefahrensituationen kein Vertrauen in die aktuelle Assistenztechnik hat. Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) befürchtet eine gefährliche Ablenkung. Hinzu kommt, dass nur jeder Fünfte (22 Prozent) die Technik derzeit für ausgereift hält.

Ausgehend von den neusten Zahlen der DA-Direkt-Studie müssen Mobilitätsdienstleister und Autohersteller also noch Überzeugungsarbeit leisten, damit intelligente Fahrassistenten auch emotional akzeptiert werden. Egal ob Einparkfunktion, Notbremssystem oder intelligente Geschwindigkeitskontrolle mit Abstandsmessung und Spurwechselassistent, bei mehr als der Hälfte der Befragten (56 Prozent) überwiegen gegenwärtig Vorbehalte gegenüber den Systemen und Angst vor technischen Problemen, so die Studienergebnisse.

Autofahrer wollen Kontrolle gar nicht erst abgeben

Trotz Verunsicherung zeigen sich immerhin 39 Prozent der Befragten schon heute davon überzeugt, dass die innovativen Assistenzsysteme zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führen. Jeder Dritte (36 Prozent) ist zuversichtlich, dass aufgrund der automatisierten Technik künftig weniger Unfälle passieren werden. Andererseits ist ein Viertel (26 Prozent) der Autofahrer skeptisch in Bezug auf den in Aussicht gestellten Sicherheitsgewinn und sieht aktuell keinerlei Vorteile in der Technik.

Daher ist es auch nicht überraschend, dass die Hälfte der Befragten (50 Prozent), die über eine entsprechende System-Ausstattung in ihrem Auto verfügen, die Kontrolle über das Fahrzeug gar nicht erst abgeben will. Die Daten zeigen weiter: Je gefährlicher eine Verkehrssituation erscheint, umso eher wollen die Autofahrer die Kontrolle über das Fahrzeug behalten.

Häufiger Ablenkungsgrund: andere Verkehrsteilnehmer

Die Untersuchung von Infas Quo und von DA Direkt belegt, dass in Deutschland mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Autofahrer häufig bis sehr häufig während der Fahrt abgelenkt sind. Dabei sind folgende Faktoren nicht zu unterschätzen: der Einfluss anderer Verkehrsteilnehmer.

Laut der Untersuchung sind 37 Prozent der Deutschen im Straßenverkehr durch andere Autofahrer abgelenkt, jeder Dritte wird durch Fahrradfahrer abgelenkt. Fußgänger sorgen immerhin noch bei 16 Prozent der Befragten für Ablenkung. Gefragt nach dem konkreten Gefahrenpotenzial, fürchtet mehr als jeder zweite Autofahrer in Deutschland (52 Prozent) durch andere Verkehrsteilnehmer eine so starke Ablenkung, dass es zu Unfällen kommt.

Skurril: Knapp jeder Zehnte fühlt sich laut der Untersuchung sogar durch Verkehrsschilder abgelenkt. Bei schätzungsweise mehr als 20 Millionen bundesweit aufgestellten Schildern ist das aber vielleicht auch kein Wunder.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

WEKA FACHMEDIEN GmbH