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Interview zu Sensor-Trends

»Gestenerkennung wird ein ganz großes Thema!«


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Konsumentenmarkt als Ideengeber für Industrie?

Lassen sich Entwicklungen aus Industrie und Medizin in den Konsumgüterbereich übernehmen?

Dr. Stockmeier: Wir versuchen immer, einen Nutzen aus dem jeweilig anderen Markt zu ziehen. Allerdings ist die Dynamik in den Märkten eine vollkommen andere: Im Konsumenten-Bereich reden wir von Produktlebenszyklen von rund einem Jahr, in der ­Industrie von fünf bis zehn oder noch mehr Jahren. Somit sind die Innovationsraten im Konsumenten-Bereich höher, die Innovationshübe in der Medizin und Industrie sind jedoch größer. Wir sind in beiden Welten zu Hause und ziehen – zum Nutzen unserer Kunden – Vorteile aus beiden Welten.

Dann ist dieser schnelllebige Markt der Ideengeber für die Industrie?

Dr. Stockmeier: Ideengeber würde ich jetzt nicht direkt sagen. Für ams ist es ein Erfolg, in beiden Märkten vertreten zu sein, sprich: zwei Standbeine zu haben. Der Konsumenten-Markt mit seinen hohen Stückzahlen wächst sehr schnell, ist aber auch sehr volatil. Die Automotive-, Medizin- und Industrie-Sparte ist sehr stabil, aber hier können keine großen Wachstumssprünge gemacht werden. Fest auf beiden Standbeinen zu stehen ist ein sehr interessantes Geschäftsmodell: Stabilität, Planbarkeit und technologische Herausforderung auf der einen Seite, große Opportunitäten, Skaleneffekte, und Geschwindigkeit auf der anderen Seite. Wer in beiden Welten zu Hause ist, hat einen Wettbewerbsvorteil.

Welche Sensoren bieten Sie an?

Dr. Stockmeier: ams ist im Bereich der Opto-Sensoren sehr stark; eigentlich alles, was mit Fotodioden zu tun hat. Beispiel Smartphone: Über einen Umgebungslicht-Sensor wird die Displayhelligkeit eingestellt und mit Hilfe eines Näherungs-Sensors werden Gesten erkannt. Die Gestenerkennung ist stark im Kommen und mit ihr die optischen Sensoren.

Smartphones sind insgesamt ein sehr interessantes Gebiet für Sensoren. In diesen Mobilgeräten werden immer mehr Sensoren verbaut – und das nicht nur zur Unterscheidung vom Wettbewerb. Über Apps lassen sich die Sensoren auslesen und der Handy-Hersteller verdient wiederum an den Apps.

Liegt der Fokus bei der Gestenerkennung auf den Schnittstellen-ICs?

Dr. Stockmeier: Wir stellen komplette Lösungen für Gestenerkennung und Personenanwesenheitserkennung her, nicht nur Schnittstellen-ICs. Da gibt es verschiedene Prinzipien: optisch aus dem Streulicht heraus, über passive Infrarot-Sensorik oder über Ultraschall-Signale. Aber wo setzt man welche Technologie ein? Das ist eine wichtige Frage. Gestenerkennung wird jetzt in Smartphones eingesetzt, doch ob es dort und nur dort bleibt, kann ich nicht sagen. Es gibt vielversprechende Anwendungen für Gesten- und Personenanwesenheitserkennung in der Industrie- und Medizintechnik, z.B. dort, wo keine Tastatur möglich ist. Auch bei den Wearables macht Gestenerkennung Sinn. Gesten- und Personenanwesenheitserkennung wird ein ganz großes Thema! Man muss für jede Anwendung die beste Sensorlösung hinsichtlich Stromaufnahme, Geschwindigkeit, räumlicher Auflösung, Baugröße usw. finden. ams ist sicherlich durch die breite Aufstellung hinsichtlich Technologien und Märkten in einer hervorragenden Position.

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