Elefantenrüssel dient als Vorbild für die Handhabungstechnik

»Rüsselgreifer« gewinnt Deutschen Zukunftspreis 2010

3. Dezember 2010, 15:44 Uhr | Andreas Knoll
Die Träger des Deutschen Zukunftspreises 2010 (v.l.n.r.): Andrzej Grzesiak, Dr. Peter Post, Markus Fischer
Die Träger des Deutschen Zukunftspreises 2010 (v.l.n.r.): Andrzej Grzesiak, Dr. Peter Post, Markus Fischer
© Festo

Der Gewinner des Deutschen Zukunftspreises 2010 steht fest: Der von Festo in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IPA (Institut für Produktionstechnik und Automatisierung) entwickelte »Bionische Handling-Assistent« hat den Wettlauf um den begehrten Preis für sich entschieden.

In Empfang genommen hat den Preis das verantwortliche Entwickler-Team der Firma Festo und des Fraunhofer IPA: Dr. Peter Post ist Leiter der Forschung bei Festo und Projektsprecher des Entwicklungsteams. Markus Fischer etablierte 2006 das »Bionic Learning Network«, in dem Unternehmen und Hochschulen technische Konzepte nach dem Vorbild der Natur realisieren und in dessen Rahmen auch der »Rüsselgreifer« konzipiert wurde. Andrzej Grzesiak ist Leiter der Gruppe Generative Fertigung am Fraunhofer IPA.

»Wir haben ein gegenüber marktgängigen Robotern völlig neues Assistenzsystem entwickelt, das es Mensch und Maschine erstmals ermöglicht, gefahrlos und effizient in einem Team zusammen zu arbeiten«, betont Post. »Die Innovation liegt in der einzigartigen Mensch-Maschine-Kooperation und der Nachgiebigkeit des Systems. Denn im Falle einer Kollision kommt die natürliche Nachgiebigkeit zum Tragen: zum einen, weil der Assistent aus leichtgewichtigem Kunststoff und nicht aus schwerem Stahl oder Aluminium besteht. Zum anderen, weil er über Druckluft betrieben und von einer intelligenten Steuerung geregelt wird.« Der Assistent eröffne daher vielfältige Einsatzmöglichkeiten als Hightech-Helfer für Industrie und Haushalt.

Für den frei beweglichen Greifer haben die Festo-Ingenieure und die Fraunhofer-Wissenschaftler bei der Natur abgeschaut: Sie haben den Prototyp nach den Konstruktionsprinzipien des Elefantenrüssels entwickelt. Der Assistent besteht daher aus einem künstlichen Arm, einem Handgelenk und einem Greifer mit drei Fingern. Die Finger passen sich von selbst an jeden gegriffenen Gegenstand an. Ein ausgeklügeltes Druckluft-System treibt den künstlichen Arm an. »Der Greifer ist in der Lage, die ausgeübte Kraft sehr fein zu dosieren«, erläutert Fischer.

Deutscher Zukunftspreis 2010

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Der Prototyp des Handling-Systems dient auch als Basis für Service-Roboter, die künftig ältere oder kranke Menschen im Alltag unterstützen können - beispielsweise, indem sie ihnen Speisen, Getränke oder Medikamente holen und reichen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten bieten sich in der Landwirtschaft, etwa beim Sortieren von Blumenzwiebeln, bei der Gurkenernte oder als Bestandteil von Melkrobotern. Mögliche Einsatzgebiete sind auch Inspektion und Qualitätsprüfung oder Wartung und Reinigung an schwer zugänglichen Stellen.

Der Deutsche Zukunftspreis als Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation ist mit 250.000 Euro dotiert. Mit ihm werden seit 1997 jährlich Forscher und Entwickler ausgezeichnet, die »mit Kreativität und Wissen Innovationen entwickeln und so den Menschen dienen, das Leben verbessern und zur Zukunftsfähigkeit beitragen«, wie es hieß. Die Auszeichnung gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen in Deutschland.


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