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Digitalisierung der Industrie

Wo steht Deutschland nach zwei Jahren Pandemie?

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Bitkom-Präsident Achim Berg stellt die Ergebnisse der Studie heute in Berlin vor.
© Bitkom

Der Bitkom-Verband hat die deutsche Wirtschaft gefragt, wo aus neuer Digitalsierung Normalität geworden ist: Der durch die Pandemie ausgelöste Digitalisierungsschub ist von Dauer, die große Mehrheit der Firmen will ihre Digital-Projekte fortsetzen.

Die Ergebnise der zwischen September und Oktober 2021 durchgeführten Studie des Digitalverbandes Bitkom unter 602 Unternehmen sind eindeutig: Eingeleitete Maßnahmen wie Videokonferenzen oder Kollaborationstools, aber auch die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle werden mehrheitlich beibehalten oder sogar noch ausgeweitet. Zugleich setzen sich die Unternehmen verstärkt mit der Nutzung wichtiger digitaler Technologien wie Datenanalysen oder Künstlicher Intelligenz auseinander.

»Die Pandemie hat zu einem nachhaltigen Digitalisierungsschub in der deutschen Wirtschaft geführt. Die wegen Corona aus der Not heraus eingeleiteten Digitalisierungsmaßnahmen haben sich vielerorts bewährt und werden auch in einem künftigen Normal-Betrieb vorangetrieben. Diese digitale Aufbruchstimmung müssen wir nutzen«, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

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Corona hat Digitalisierung beschleunigt

9 von 10 Unternehmen (92 Prozent) geben an, dass durch die Corona-Pandemie die Digitalisierung im eigenen Unternehmen an Bedeutung gewonnen hat, vor einem Jahr lag der Anteil bei 84 Prozent. Und sogar 94 Prozent sehen einen Bedeutungszuwachs der Digitalisierung für die deutsche Wirtschaft insgesamt (2020: 86 Prozent). Mit 34 Prozent sehen sich verglichen mit dem Vorjahr (27 Prozent) wieder mehr Unternehmen als Vorreiter bei der Digitalisierung. Zwei Drittel (65 Prozent) sehen sich eher als Nachzügler (2020: 71 Prozent), aber keines (2020: 1 Prozent) meint, den Anschluss verpasst zu haben.

Konkrete Digitalsierungsmaßnahmen

Das spiegelt sich auch einer Vielzahl konkreter Digitalisierungsmaßnahmen wider, die aufgrund der Corona-Pandemie angegangen oder intensiviert wurden. So haben 92 Prozent Videokonferenzen statt persönlicher Treffen neu eingeführt oder ausgeweitet, drei Viertel (74 Prozent) Tools zur digitalen Zusammenarbeit und rund zwei Drittel (63 Prozent) haben zusätzliche Hardware angeschafft. Prozesse wurden häufig digitalisiert, etwa indem digitale Dokumente statt Papier (66 Prozent) oder digitale Signaturen statt der handschriftlichen Unterschrift (60 Prozent) genutzt werden. 60 Prozent entwickeln digitale Geschäftsmodelle und 41 Prozent haben Beratungen zur Digitalisierung genutzt. Im Personalbereich haben 8 von 10 (81 Prozent) Homeoffice ausgeweitet oder neu eingeführt, 61 Prozent setzen auf die Weiterbildung der Beschäftigten zu Digitalthemen, rund jedes Zweite (48 Prozent) hat Recruiting und Onboarding digitalisiert und 17 Prozent Digitalisierungs-Experten eingestellt.

Auf Dauer digital - außer beim Homeoffice

»Viele Unternehmen haben sich während der Pandemie vom Papier verabschiedet. Digitalisierung im Unternehmen besteht aus einer Vielzahl von konkreten Maßnahmen gepaart mit einem neuen Denken«, so Berg. Die große Mehrheit der Unternehmen will auch künftig an ihren durch Corona angestoßenen Projekten zur Digitalisierung festhalten oder diese ausweiten. Allein beim Homeoffice zeigt sich ein anderer Trend: Hier wollen nur 27 Prozent an den Corona-Regelungen festhalten oder diese ausweiten, aber 71 Prozent wollen sie ganz oder teilweise wieder zurücknehmen.

Big Data, IoT und KI im Fokus

Der coronabedingte Digitalisierungsschub sorgt zudem für eine stärkere Beschäftigung mit entscheidenden digitalen Technologien in der deutschen Wirtschaft. So geben inzwischen drei Viertel (73 Prozent) an, Big Data zu nutzen oder den Einsatz zu planen oder zu diskutieren. Vor zwei Jahren waren es erst 59 Prozent. Das Internet of Things, das insbesondere bei der vernetzten Produktion wichtig ist, beschäftigt zwei Drittel (65 Prozent) gegenüber 44 Prozent 2019. Für jeweils rund die Hälfte sind 3D-Druck (54 Prozent, 2019: 43 Prozent), der neue Mobilfunkstandard 5G (53 Prozent, 2019: 32 Prozent) und Virtual bzw. Augmented Reality (50 Prozent, 2019: 32 Prozent) ein Thema. Jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) setzt sich mit Künstlicher Intelligenz auseinander oder nutzt KI-Technologien – verglichen mit 12 Prozent 2019 ist das der deutlichste Anstieg. Autonome Fahrzeuge spielen in 30 Prozent der Unternehmen eine Rolle (2019: 17 Prozent). Dagegen stagniert die Beschäftigung mit der Blockchain (4 Prozent, 2019: 6 Prozent). Berg: »Die Auseinandersetzung mit wichtigen digitalen Technologien kommt in den Unternehmen in aller Breite an.«

Verschärfter Wettbewerb durch Digitalisierung

Die Angst vor der Digitalisierung schwindet – doch einige Probleme bleiben, etwa in der Bewältigung und Reaktion der Digitalsiierung und der zunehmend digitalen Welt: Drei Viertel (78 Prozent) passen als Folge der Digitalisierung bereits bestehende Produkte oder Dienstleistungen an, 59 Prozent nehmen bestimmte Produkte oder Dienstleistungen vom Markt und 56 Prozent bieten neue Produkte oder Dienstleistungen an.

Zugleich führt die Digitalisierung zu einem immer schärferen Wettbewerb. Jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) stellt fest, dass Wettbewerber aus der eigenen Branche, die frühzeitig auf die Digitalisierung gesetzt haben, ihm nun voraus sind. 2017 haben dies nur 36 Prozent angegeben. Und aktuell sagt mehr als die Hälfte (54 Prozent), dass durch die Digitalisierung Wettbewerber aus anderen Branchen in den eigenen Markt drängen. 7 von 10 Unternehmen (70 Prozent) merken, dass Unternehmen aus der Internet- und IT-Branche in ihren angestammten Märkten auftauchen. 2017 waren es mit 57 Prozent noch deutlich weniger. »An der Schwelle zum Jahr 2022 kann sich im Wettbewerb nur durchsetzen, wer auf die digitale Karte setzt,« sagt der Bitkom-Präsident.

Investitionen für besseres Digital-Zeugnis

Die Unternehmen sind durchaus selbstkritisch und geben sich auf einer Schulnoten-Skala für den Stand der eigenen Digitalisierung nur ein „befriedigend“ (3,2). Damit fällt die Einschätzung aber etwas besser aus als im Vorjahr. 2020 stand unter dem Strich eine 3,4. Am besten schätzen sich Großunternehmen mit 2.000 und mehr Beschäftigten ein, die sich im Schnitt mit 2,7 beurteilen. Unternehmen zwischen 100 und 499 sowie 500 und 1.999 Beschäftigten kommen auf eine 3,1. Und kleinere Unternehmen zwischen 20 und 99 Beschäftigen geben sich eine 3,2 als Digitalisierungs-Note.

»Digitalisierung gibt es nicht zum Nulltarif. Konsequente Digitalisierung geht nur mit entsprechenden Investitionen. Als Return gibt es Wettbewerbsstärke, Krisenresilienz und Zukunftsfähigkeit«, so Berg.


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