Virtual Reality für Industrie 4.0

5 Mythen zu VR im Maschinen- und Anlagenbau

6. Dezember 2021, 16:24 Uhr | Ute Häußler
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© WeAre

Virtual Reality kann die Digitalisierung der Industrie beschleunigen. In der Pracxis behindern jedoch fünf Mythen oft den Einsatz der digitalen Technologie. Das Berliner StartUp WeAre räumt damit auf und zeigt Maschinenbauern, wie VR erfolgreich in die Praxis kommt.

Im Maschinen- und Anlagenbau erfahren VR-Meetings – nicht zuletzt wegen Corona – gerade einen Hype. In digitalen Arbeitsräumen sollen Entwickler und Ingenieure als Avatare miteinander zusammenarbeiten, ganze Fertigungsanlagen sollen via digitaler Besichtigung in Augenschein genommen und getestet werden können. Soweit der Wunsch.

Doch die Virtualisierung und Digitalisierung in der Industrie geht langsam voran. Auf einer Skala von 1 (ganz am Anfang) bis 10 (vollständig digitalisiert) sehen sich von Bitkom und TCS befragte Unternehmen mit einem Wert von 5,9 aktuell 'nur' im Branchendurchschnitt. Woran liegt es, dass der Maschinen- und Anlagenbau bislang nur wenig auf digitale Lösungen wie VR zurückgreift? WeAre stellt die gängigsten 5 Mythen vor und räumt damit auf:

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Use Cases: »Wir haben keine Verwendung für VR«

Einer der Hauptgründe, weshalb der Maschinen- und Anlagenbau bislang keine VR-Anwendungen nutzt, ist das fehlende Wissen über mögliche Anwendungsszenarien. So gebe es schlichtweg keine Einsatzbereiche für Virtual Reality. Während es heute noch fraglich erscheinen mag, ob für ein klassisches Gesprächsmeeting nun ein VR-Tool eklatante Mehrwerte bringt, bietet sich insbesondere den produzierenden Branchen ein hohes Innovationspotenzial. Ein VR-Meetingtool kann entlang der Wertschöpfungskette ressourceneffizient und gewinnbringend eingesetzt werden: Ob im Marketing und Sales, der Konstruktionsphase oder letztlich beim Bau – Workflows in VR helfen bei komplexen Abstimmungsprozessen, Begehungen von Anlagen und ermöglichen Bearbeitungen und Verkaufsgespräche direkt am 3D-Objekt. Dabei gehen die Funktionen weit über die eines klassischen Videokonferenztools hinaus. So stehen zahlreiche Werkzeuge wie Lineale, X-Rays sowie bewährte Kollaborationstools wie Whiteboards und Speech Notes zur Verfügung und gewährleisten eine interaktive Zusammenarbeit.

Sicherheit: »VR erfüllt nicht unsere Sicherheitsstandards«

Immer wieder werden Sicherheitsbedenken in Bezug auf die Implementierung neuer digitaler Tools geäußert. Besonders die unternehmensinternen IT-Abteilungen sind in puncto Sicherheit kritisch eingestellt. Unternehmen stellen immer höhere Anforderungen an den Datenschutz, dem auch VR-Produktlösungen gerecht werden müssen. Doch worauf gilt es zu achten? Zum einen empfiehlt es sich, nach Lösungen „made in Germany“ zu schauen, die neben Sicherheitsstandards wie einer ISO 27001 und DSGVO-Konformität auch ihre Server innerhalb der EU betreiben. Zudem ist es sinnvoll, in den offenen Austausch mit den VR-Lösungsanbietern zu gehen, um restriktive Vorgaben z. B. in Bezug auf IT-Richtlinien abzustimmen. Denn auch wenn Lösungen „out of the box“ eine einfache und schnelle Implementierung gewährleisten, können individuelle Anpassungen helfen, mögliche Hürden gemeinsam zu nehmen. 

Budget: »Virtual Reality kostet zuviel«

Insbesondere die Budgetfrage ist für kleinere Unternehmen relevant. So hindern 57 % der Maschinen- und Anlagenbauer die vermeintlich hohen Investitionskosten an der Einführung digitaler Tools wie VR. Tief sitzt die Skepsis, ob sich das Tool bewährt und am Ende des Tages auszahlt. Der Faktencheck zeigt jedoch, dass in Sachen Hardware lediglich ein leistungsstarker Rechner sowie ein VR-Headset mit Controllern benötigt werden. Hier kann zu Beginn sogar Hardware angemietet werden. Die Preise für VR-Softwarelösungen bestimmen sich individuell z. B. nach Anzahl der Nutzer:innen und nach jeweiligem Abo-Modell. Umso mehr empfiehlt es sich, Software-Lösungen gemeinsam mit den Mitarbeiter:innen auszuprobieren, um anschließend den echten Bedarf nach Soft- und Hardware einzuschätzen. WeAre bietet hier z. B. kostenlose Demos an, um die Features des VR-Konferenzsystems kennenzulernen und sich anschließend individuell beraten zu lassen.

Management: »Die Chefetage will nicht«

Auch die Unterstützung durch das Management spielt eine maßgebliche Rolle, ob VR-Lösungen im Unternehmen in Erwägung gezogen werden. Denn häufig sehen die Fachbereichsleitungen sowie die Geschäftsführung keine Notwendigkeit für die Nutzung von Virtual Reality. Dies zeigt, dass auch auf Führungsebene umfassende Informationen über Anwendungsszenarien und den Nutzen der Lösungen benötigt werden, um signifikante Vorteile identifizieren zu können und wichtige und richtige Entscheidungen zu treffen. Best Practices, wie beispielsweise der Einsatz von der VR bei der SMS group, zeigen, dass sich durch den Einsatz von VR im Anlagen- und Maschinenbau Kosten – z. B. durch den Wegfall von Geschäftsreisen und den Bau von Prototypen – sowie Projektlaufzeiten massiv einsparen lassen. Gleichwohl helfen solche Tools, die Remotefähigkeit im Unternehmen zu erhöhen und sich auf die Industrie 4.0 sowie eine klimaneutrale Produktion einzustellen und selbst in Krisen wie der Corona-Pandemie resilient und arbeitsfähig zu sein. 

Akzeptanz: »Wir brauchen VR nicht«

Die Pandemie hat deutlich gezeigt, dass Arbeitsprozesse heute mehr denn je auf digitale Lösungen angewiesen sind, die zum Beispiel ein remotes Zusammenarbeiten ermöglichen. Das bedeutet nicht, dass sich über die Zeit bewährte Prozesse und Workflows auflösen werden. es geht lediglich um den nächsten Schritt in Richtung Digitalisierung. Die Akzeptanz und Motivation seitens der Mitarbeiter:innen ist dabei ein essentieller Faktor dafür, ob sich das neue Tool letztlich erfolgreich im Unternehmen durchsetzt und wirklich genutzt wird. Auch für die Mitarbeiter:innen bzw. die künftigen Nutzer:innen müssen die Vorteile einer neuen Technologie von Beginn an deutlich sein. So schafft der Einsatz von VR z. B. ein aktivierendes Arbeitsumfeld und hilft bei komplexen und fachübergreifenden Absprachen. Zudem können Konstrukteur:innen ihre Anlagen, Modelle oder Gebäude in Originalgrößen erleben, noch bevor sie gebaut sind. Solche Change Prozesse scheinen zunächst stets mit Anstrengungen und Mühen verbunden zu sein. Viele Mitarbeiter:innen bemängeln ihr Wissen im Umgang mit neuen Tools, um schnell und unkompliziert starten zu können. Dabei bieten sich insbesondere Lösungen „out of the box“ an, die auch ohne aufwendige Lernprozesse eine intuitive Nutzung ermöglichen. Damit z. B. ein VR-Konferenztool zu einer nachhaltigen Ressource im Unternehmen wird, sollten Mitarbeiter:innen daher von Beginn involviert sein, Lösungen selbst ausprobieren und Bedarfe kommunizieren.

Wer VR wagt, gewinnt

Dies zeigen auch Studienergebnisse: Mehr als drei Viertel der Unternehmen sehen ihre Erwartungen in den Einsatz von VR/AR in vollstem oder hohem Maße als erfüllt an. Zudem bietet der Einsatz von VR im Engineering auch in visueller Hinsicht einen Wow-Effekt, denn spätestens wenn die Projektbeteiligten das erste Mal ihre Großanlage gemeinsam begehen und Modelle in ihrer vollen Größe bereits vor dem Bau sehen und bearbeiten können, gibt es den erhofften Aha-Moment.


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