Mit Qualitätsmanagement zur SmartFactory

»Prozesse sind so wichtig wie Produktionstechnik«

25. November 2022, 9:22 Uhr | Johannes Woithon
Woithon Johannes
Johannes Woithon, Orgavision: »Auch die modernsten Technologien nutzen wenig, wenn sie über schlechtes Prozessmanagement gesteuert werden.«
© Orgavision

Bei der digitalen Transformation kommt es nicht nur auf die eingesetzten Produktionstechniken an, sondern auch auf die Qualität der Prozesse und der internen Datenverarbeitung. Aber wie lässt sich ein entsprechendes Qualitätsmanagement implementieren und umsetzen?

Die Smart Factory als autonome Produktionsstätte ist das Ziel der Industrie 4.0 – eine intelligente Verbindung von Anlagen und Maschinen, die in Zukunft weitgehend unabhängig von menschlichen Mitarbeitern funktioniert. Auch wenn der Weg zur vollständigen Digitalisierung noch weit ist und nach wie vor einige Hürden zu nehmen sind: In den kommenden Jahren werden Smart Factories das Bild unserer Industrie über alle Branchen hinweg maßgeblich verändern. Die großen Fragen, vor denen Unternehmen dabei stehen: Wie können Menschen und Maschinen Hand in Hand gehen, und welche Rolle spielen künstliche Intelligenz, Daten und Cybersecurity in einer hochdigitalisierten Produktion? Auch die modernsten Technologien nutzen wenig, wenn sie über schlechtes Prozessmanagement gesteuert werden. Warum spielt nun Qualitätsmanagement für die Industrie der Zukunft eine so wichtige Rolle, und wie können Unternehmen ihre interne Datenverarbeitung modernisieren?

Qualitätsmanagement hinkt hinterher

Viele Industrieunternehmen investieren einen Großteil ihrer Budgets zur Modernisierung der Produktion in Anlagen, Maschinen und Software für die autonome Steuerung – sinnvolle und notwendige Maßnahmen, ohne die die Smart Factory ein schöner Zukunftstraum bleiben würde. Doch was in diesem teuren und aufwendigen Prozess immer noch häufig vergessen wird, ist das Qualitätsmanagement (QM): Prozessmanagement und interne Datenverarbeitung sind oft noch nicht auf dem neuesten Stand; sie hinken der Produktion teilweise Jahre hinterher. Dabei bilden vor allem klare, effiziente Prozesse die Grundlage für eine erfolgreiche digitale Transformation. Denn die Wertschöpfung des Unternehmens liegt am Ende nicht allein in der neuen Technologie, sondern in ihrem Zusammenspiel mit den unterschiedlichen Teams und Abläufen.

Besonders problematisch: Teilweise nehmen Unternehmen Qualitätsmanagement gar nicht ernst genug. Organisationen mit strengen Strukturen, die noch fest in alten Arbeitsweisen verankert sind, tun sich oft schwer dabei, sich von diesen zu lösen. Mitarbeiter, besonders im Bereich Administration, arbeiten häufig mit über Jahre erlernten Prozessen, die ja schon immer irgendwie funktionieren, tatsächlich aber extrem ineffizient sind. Beispiel: Sicherlich kann ich den Ablauf eines Produktionsprozesses in einem PDF festhalten und so mit den entsprechenden Teams und Verantwortlichen teilen. Allerdings wird ein solches Vorgehen spätestens dann problematisch, wenn es Variablen oder Veränderungen im Prozess gibt.

Denn das Dokument, das ihn abbildet, ist steif und unveränderbar. Nach einigen Veränderungsschritten kursieren zu ein und demselben Prozess also schnell Dutzende von veralteten PDFs im Unternehmen. Die Wahrscheinlichkeit von Verwechslungen und Fehlern nimmt dadurch stark zu. Gerade in großen industriellen Produktionsstätten können Fehler in den Abläufen schnell zu Ausfällen, Fehlproduktion und damit hohen Verlusten führen.

Und selbst wenn es nicht dazu kommt: Ineffiziente Prozesse im Hintergrund verlangsamen die Wertschöpfungskette, indem Abläufe sich in die Länge ziehen oder wegen der bekannten Unzuverlässigkeit von Dokumenten immer wieder geprüft werden müssen. So entstehen extrem repetitive Prozesse, die ein smartes, digitales QM-Tool gar nicht erst aufkommen lassen würde.

Unternehmen, auf die dies zutrifft, müssen sich klarmachen, dass sie ohne neuen Blick auf Qualität langfristig den Anschluss an Wettbewerber verlieren werden, die diese Notwendigkeit erkannt haben und ihre Prozesse danach ausrichten.

Kommunikation optimieren

Ein gut aufgestelltes QM-System sorgt neben klareren und schnelleren Prozessen auch dafür, dass Mitarbeiter sich in ihrer täglichen Arbeit besser und sicherer fühlen. Denn das System denkt mit und entlastet so von dem Druck, versehentliche Fehler und deren Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Belegschaft weiß jederzeit, was zu tun ist, womit automatisch auch interne Kommunikationsstrukturen verbessert werden. Einheitliche und transparente Prozesse bauen darüber hinaus auch Ungleichheiten und Informationslücken zwischen Abteilungen und Standorten ab: Wenn alle mit dem gleichen, in Echtzeit gesteuerten System arbeiten, haben auch alle zu jedem Zeitpunkt die gleichen Möglichkeiten und Informationen zur Verfügung.

Risiken besser kalkulieren

Doch nicht nur für die Kommunikation kann QM ein Vorteil sein – denn eine der wichtigsten Aufgaben des QM ist es, Risiken und ihre Eintrittswahrscheinlichkeiten im Blick zu haben. So lassen sich im Falle eines Problems entsprechende Gegenmaßnahmen nicht nur schnell ergreifen, sondern auch offen und transparent in den Teams kommunizieren. Hier schließt sich der Kreis zur verbesserten internen Kommunikation, einer Kernvoraussetzung für die Zufriedenheit von Mitarbeitern und den effizienten Einsatz von Ressourcen.

Qualitätsmanagement muss digital und damit datenbasiert sein: So bezieht es alle relevanten Prozesse im Unternehmen mit ein und kann wichtige Kennzahlen, Fakten und Standards berechnen – dadurch entstehen eine realistische Einschätzung des Status quo und Transparenz über die gesamte Organisationsstruktur hinweg. Jeder Prozess, der zur Wertschöpfung im Unternehmen beiträgt, lässt sich damit fair bewerten – vorausgesetzt, es werden Kennzahlen und Standards mit genügend Aussagekraft gewählt.

Interne Datenverarbeitung muss mit Digitalisierung Schritt halten

Industrie-4.0-Anwendungen sorgen für eine immer stärkere Digitalisierung der produzierenden Industrie, auch und gerade in Deutschland. Denn das produzierende Gewerbe ist die größte und stärkste Branche auf dem deutschen Markt, vom Automobilhersteller bis zum Produzenten von Steckverbindern oder Sicherheitskomponenten.

Doch was nützt die Modernisierung der Produktion in Richtung Smart Factory, wenn die interne Datenverarbeitung Jahre hinterherhinkt? Unternehmen, die die Bedeutung interner Prozessqualität rechtzeitig entdecken, sind gut gerüstet für eine digitale und hochtechnologisierte Zukunft in der Industrie. Sie können existierende Ressourcen effizienter nutzen, Mitarbeitern eine höhere Zufriedenheit bieten und Fehler in der Produktion durch transparente Steuerung minimieren.

Der Autor: Johannes Woithon ist Gründer und Geschäftsführer von Orgavision, Anbieter im Bereich Qualitätsmanagement.

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