Schwerpunkte

Prof. Armin Schnettler zur Rolle des VDE

Neutraler Partner für Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft

22. Oktober 2020, 14:43 Uhr   |  Heinz Arnold

Neutraler Partner für Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft
© VDE

Prof. Armin Schnettler, CEO des New Energy Business von Siemens Energy, ist seit Juli 2020 Präsident des VDE.

»Unser Ziel besteht darin, als DER neutrale Berater für alle Zukunftsfragen wahrgenommen zu werden«, sagt Prof. Armin Schnettler, Präsident des VDE, im Interview mit Markt&Technik, in dem er erklärt, worin er die wichtigsten Aufgaben für seine Amtszeit sieht.

Markt&Technik: Corona-Pandemie, Handelskrieg zwischen China und den USA, der Klimawandel – muss sich der VDE im Angesicht derartiger Herausforderungen ändern?

Prof. Armin Schnettler: Wir müssen im VDE den stetigen Wandel leben. Die Corona-Pandemie hat das noch einmal sehr deutlich gemacht. So wie vor Corona wird die Welt danach wohl nicht mehr aussehen.

Was heißt das für den VDE?

Wir müssen uns zunächst auf unsere drei traditionellen Stärken konzentrieren. Vor allem wäre hier die internationale Normung und Standardisierung zu nennen. Wir werden sie verstärkt in einem positiven Sinne fortführen. Denn die internationalen Standards mit zu definieren ist für eine Exportnation wie Deutschland von fundamentaler Wichtigkeit, um die heimische Wirtschaft zukunftsfähig zu machen.
Die zweite Stärke sind die VDE-Prüfzeichen, die weltbekannt sind und für deren Erteilung wir ein eigenes Institut betreiben. Die dritte Säule besteht in der Aus- und Weiterbildung und den Konferenzen.

Der VDE ist eine inhaltlich fokussierte Organisation mit einem breiten Spektrum an Experten für die unabhängige wissenschaftliche Beratung. Diese Rolle müssen wir weiter stärken und ausbauen, nicht nur, um Partner für die Elektroindustrie zu sein, sondern auch, um als neutraler Partner für die Politik und die Gesellschaft insgesamt agieren zu können und die gesellschaftliche Zukunft zu gestalten. Hier müssen wir uns noch stärker positionieren und in die Gesellschaft hinein kommunizieren, um in der Öffentlichkeit als DER neutrale Berater für alle Zukunftsfragen wahrgenommen zu werden – von der Dekarbonisierung über KI bis zur Elektromobilität und dem Gesundheitswesen.

Können Sie konkrete Beispiele dafür geben?

Die Energiewende ist ein Beispiel: Wir wollen sie vorantreiben und setzen jetzt zusätzlich auf die Wasserstofftechnologie, ohne die eine globale Energiewende nicht erfolgreich umgesetzt werden kann. Deshalb sehe ich es als ein wichtiges Ziel des VDE an, einen Beitrag zur Akzeptanz der Wasserstoffwirtschaft zu leisten. Daneben steht eine Vielzahl weiterer Themen wie Safety und Security, KI und Datenanalyse beispielsweise beim autonomen Fahren. Haben wir uns schon mal gefragt, wie wir die Sicherheit eines selbstlernenden Systems zum autonomen Fahren nachweisen? In all den genannten Themen spielen die drei Stärken des VDE – Normung, Prüfung, Wissenstransfer inklusive Aus- und Weiterbildung – sehr stark mit hinein. Und auch hierbei müssen wir uns inhaltlich und strukturell weiterentwickeln.

Gerade die Aus- und Weiterbildung und die Kongresse sind nun von der Corona-Krise stark betroffen. Wie wird für dieses Gebiet die Zukunft aussehen?

Im Moment läuft alles digital ab oder eben gar nicht. Das trifft uns natürlich hart. Wir wollen und können aber auf Präsenzveranstaltungen auch künftig nicht verzichten, egal ob es um Kongresse oder die Weiterbildung für Studierende, für Handwerker oder weitere Fachleute geht. Es wird digitale und vor allem hybride Formate geben; hier ist noch lange nicht alles ausgereizt. Wir haben in der Corona-Krise vieles schnell umgesetzt; das werden wir künftig weiter entwickeln.

Derzeit hält der Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China die Welt in Atem. Verlangt das auch dem VDE eine Entscheidung darüber ab, mit wem man künftig in erster Linie zusammen arbeiten möchte oder sollte und mit wem nicht?

Mit den USA ist es ja generell über die vergangenen Jahre sehr schwierig geworden. Grundsätzlich geht es gar nicht darum, sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden. Wir müssen in Europa selbstbewusst die zukunftsweisenden Schlüsseltechnologien entwickeln und beherrschen. Dazu gehören Betriebssysteme, künstliche Intelligenz, aber auch die Anlagentechnik.

Im Moment geht es darum, inwieweit chinesische Unternehmen beim Aufbau der 5G-Infrastrukur mit dabei sein sollen oder aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen werden sollten. Also ausschließen oder doch beteiligen?

Da gibt es wohl keine einfache richtige Antwort. Fest steht, dass Unternehmen wie Huawei Technologien entwickelt haben, die über einige außergewöhnliche Leistungsmerkmale verfügen. Die Handelskonflikte gehen über den Bereich der Elektronik hinaus, ich erinnere nur an Northstream. Egal, welche Entscheidung getroffen wird – und diese wird sicherlich nicht auf rein technologischen Kriterien basieren –, es unterstreicht unsere Position, dass wir Zukunftstechnologien selbst beherrschen müssen und uns in keinerlei Abhängigkeiten begeben dürfen. Das ist natürlich leichter gesagt, als umgesetzt – aber der Handlungsdruck wird eher höher als geringer.

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