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Die Kabelsatzproduktion braucht endlich Schnittstellenstandards!

06. April 2020, 13:52 Uhr   |  Von Bernd Jost, Geschäftsführer der DIIT

Die Kabelsatzproduktion braucht endlich Schnittstellenstandards!
© DiLT

Der fehlende Schnittstellenstandard bremst die Digitalisierung der kabelsatzverarbeitenden Industrie aus. Die OPC Unified Architecture könnte Abhilfe schaffen.

Für die kabelsatzverarbeitende Industrie führt kein Weg mehr an der Digitalisierung vorbei. Andernfalls wird sie nicht in der Lage sein, die steigenden Anforderungen an die Qualität und Rückverfolgbarkeit ihrer Produkte zu erfüllen und eine kostenoptimierte Herstellung zu gewährleisten. Damit würde sie nichts weniger als ihre Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit aufs Spiel setzen. Eine zwingende Voraussetzung für diese Digitalisierung sind aber einheitliche Schnittstellenstandards. Nur sie können es ermöglichen, Maschinen schnell und effizient an übergeordnete Softwaresysteme zur Dokumentation und Steuerung der Produktion anzubinden, seien es ERP- oder Manufacturing-Execution-Systeme (MES).

Davon ist die Branche aber leider noch meilenweit entfernt. Stand heute müssen für jeden einzelnen Fall individuelle Schnittstellen entwickelt werden. Die Maschinenhersteller verwenden unterschiedliche Technologien und ihre Maschinen empfangen und senden die verschiedensten Inhalte. So existieren etwa Maschinen, die Daten zu Rohmaterialien wie Leitungstypen, Terminal-Typen, Seal-Typen oder Korrekturen und sogar die gesamte Artikeldefinition verarbeiten können und bei jedem einzelnen produzierten Teil einen Status zurückmelden; andere wiederum können lediglich knappe Stati absetzen und überhaupt keine Daten empfangen. Die Anbindung der Maschinen an übergeordnete Systeme ist deshalb in aller Regel äußerst aufwändig, sofern sie überhaupt möglich ist, denn natürlich existieren auch Maschinen, die gar keine Kommunikation mit Softwaresystemen zulassen.

Ziel muss es deshalb sein, dass die Hersteller sämtliche Maschinen mit TCP/IP-Netzwerktechnik ausstatten, um überhaupt erst einmal einen Datenaustausch zu unterstützen, und dass sie darauf aufbauend einheitliche Schnittstellen unterstützen. Ein Kandidat, der sich hervorragend für die Schaffung eines solchen Standards eignet, ist die OPC Unified Architecture (OPC UA). Sie ermöglicht einen plattformunabhängigen industriellen Datenaustausch und ist eine selbstbeschreibende Schnittstellentechnologie. Sie lässt sich einfach browsen, um zu sehen, welche Daten eine Maschine anbietet; die gewünschten Daten müssen dann lediglich noch konnektiert, sprich: mit den entsprechenden Datenfeldern im ERP oder MES verbunden werden. Zudem lässt sie sich vom kleinsten bis aufs größte System skalieren.

Unter anderem aus diesen Gründen gilt die OPC UA als eine der wichtigsten Technologien für die Vernetzung von Maschinen im Industrie-4.0-Umfeld. Organisationen wie die OPC UA Foundation und Fachverbände wie der VDMA haben bereits branchenübergreifende und branchenspezifische Schnittstellenspezifikationen für OPC UA erarbeitet und arbeiten weiter daran. An diese Vorarbeiten könnte die kabelsatzverarbeitende Industrie anknüpfen. Sie müsste zwar auch noch eigene Spezifikationen entwickeln, könnte aber einige Bestandteile der bereits vorhandenen direkt für ihre Zwecke übernehmen. Außerdem unterstützen bereits viele MES und ERP-Systeme OPC UA – ein Grund mehr für die Maschinenhersteller, diesen Standard ebenfalls zu implementieren und damit die Integration ihrer Maschinen zu vereinfachen. Es wäre jedenfalls Zeit.

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