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Interview mit Torsten Singer, Schlegel

Befehlsgeräte als Teil von Touch-HMIs

Befehlsgeräte »Shortron Connect« von Georg Schlegel
Über einen M12-Anschluss verfügen die Befehlsgeräte der Baureihe »Shortron Connect« von Georg Schlegel.
© Georg Schlegel

Elektromechanische Bedienelemente sind noch längst nicht passé – bei ihnen tut sich einiges. Und sie lassen sich sogar direkt in Touchpanels integrieren, wenn dies für die betreffenden Anwendungen sinnvoll ist.

Torsten Singer, Produktmanager beim Bedienelemente-Hersteller Georg Schlegel, informiert über die aktuellen Trends.

Markt&Technik: Welche technischen Trends und Markttrends zeigen sich derzeit bei elektromechanischen Bedienelementen wie etwa Schaltern, Tastern und Tastaturen?

Torsten Singer: Wir sind hauptsächlich Entwickler und Hersteller elektromechanischer Taster und Schalter. Nach unserer Wahrnehmung ist die Tendenz zu kompakten Befehlsgeräten ungebrochen. Befehlsgeräte sollen klein und flach sein und eine möglichst geringe Einbautiefe haben, weil der Platz zum Einbau elektromechanischer Bediengeräte in Maschinen immer kleiner wird.

Zudem sehen wir einen Trend hin zu intelligenten Tastern: Kunden wünschen zunehmend Taster, die mehr können als „nur“ einen Vorgang auslösen. Daran arbeiten wir – auch in gemeinsamen Projekten mit Kunden, in denen es etwa darum geht, Tastfläche durch ein Display zu ersetzen. Statt eines starren, auf der Folie angebrachten Bezeichnungsschilds will er flexibel einstellen können, ob dort ein Symbol oder ein Text sein soll.

Dieser Trend geht einher mit dem Kommunikationsstandard IO-Link, über den wir dem Kunden anbieten können, dass er seine Taster parametrisieren kann. Dies geht in Richtung Predictive Maintenance. Ein Beispiel: Über IO-Link kann ausgelesen werden, wie oft ein Taster gedrückt wurde. Nähert sich diese Zahl der Lebensdauer, für die ein Taster ausgelegt ist, kann der Kunde reagieren und den Taster austauschen, bevor er ausfällt.

Ein großes Thema ist derzeit auch die Beleuchtung. Der Kunde will die Beleuchtung selbst beeinflussen, indem er beispielsweise die Helligkeit oder die Farbe des Tasters festlegt. Wir ergänzen deshalb unsere Baureihen dahingehend, dass wir überall RGB-LEDs anbieten, mit denen der Kunde die Farbe selbst einstellen kann. Der große Vorteil: Weder der Kunde noch wir müssen bestimmte Farben vorhalten, was auch geringeren Lagerbedarf bedeutet. Letztlich haben also beide Seiten etwas davon.

Relevante Anbieter

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Torsten Singer, Georg Schlegel: »Es gibt immer noch Bereiche, in denen der Touch klar von den elektromechanischen Bedienelementen getrennt sein muss.«
© Georg Schlegel

Inwieweit zeigt sich der allgemeine Trend von der Komponente zur Lösung auch bei elektromechanischen Bedienelementen?

Er zeigt sich sehr deutlich. Immer mehr Kunden wünschen sich Komplettlösungen. Gefragt sind Bedien-Panels aus einer Hand, also nicht das Touchpanel von diesem und die Taster und Schalter von jenem Hersteller. Dies kommt uns insofern entgegen, als wir dank einer großen Fertigungstiefe im Haus fast alle Komponenten selbst produzieren können. Zudem können wir nahezu alle Feldbussysteme abdecken und damit einen weiteren Trend bedienen: Immer mehr Feldbussysteme halten in den Bedien-Panels Einzug. Eigentlich will der Kunde von außen nur noch einen Stecker anschließen oder höchstens zwei – einen für den Strom und einen für die Kommunikation, also für das Feldbussystem. Hier sind wir gut aufgestellt, denn wir haben ein eigenes modulares Bussystem. Der Kunde kann mit einem fast beliebigen Feldbussystem von außen andocken; wir haben einen Busknoten, der die Daten und Signale aufnimmt und intern über ein eigenes System weitergibt. Damit lassen sich bis zu 127 Taster verwalten. Dies macht das Ganze deutlich preisgünstiger für den Kunden.

Schlägt sich der Trend zur Einfachheit auch bei elektromechanischen Bauelementen nieder?

Ja, die Kunden möchten alles möglichst einfach und schnell anwendbar haben. Wenn es um den Anschluss von Befehlsgeräten geht, sollte es möglichst nur ein Stecker sein. Dem entsprechen seit Ende 2019 unsere Befehlsgeräte der Baureihe „Shortron Connect“. Sie haben einen M12-Anschluss direkt am Befehlsgerät integriert, sodass der Kunde nur noch seine M12-Verbindung anschließen muss. Dies geht sehr schnell, und die M12-Verschlusstechnik ist so ausgelegt, dass ein Vertauschen oder eine falsche Polung der Anschlüsse nicht möglich ist.

Auch das Thema Nachhaltigkeit wird für uns immer wichtiger. Seit Mitte des vergangenen Jahres beschäftigen wir uns mit Biokunststoffen für unsere Produkte. Ziel ist es, Kunststoffe auf Erdölbasis zu ersetzen und Befehlsgeräte aus biologischen Werkstoffen herzustellen. Erste Testergebnisse im Spritzguss waren vielversprechend, und ich denke, dass dies in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen wird.

Man sieht: Es tut sich bei elektromechanischen Bedienelementen einiges.
Richtig, und daran sieht man wiederum auch, dass das elektromechanische Bedienelement eine Zukunft hat. Übrigens: Wir haben einige Kunden, die bisher einen Touch eingesetzt haben und tatsächlich wieder davon abkommen.

Wieso das?

Sie haben die Erfahrung gemacht, dass Touch für manche Arbeitsbereiche nicht die beste Lösung ist. Das Bedienpersonal einer Maschine ist auf die Vorgänge in der Maschine konzentriert, sodass sie die Maschine letztlich blind bedienen wollen. Mit der Hand tasten sie nach dem Schalter, den sie betätigen müssen. Bei Touch ist eine Blindbedienung natürlich kaum möglich, weil sie nicht taktil erfolgen kann, sondern nur über Blickkontakt. Wir haben etliche Rückmeldungen von Maschinenbau-Kunden erhalten, die tatsächlich wieder abkommen vom Touch – meist nicht komplett, sondern indem sie eine Mischlösung verwenden. Einen Teil realisieren sie dann mit dem Display und den anderen Teil, der beim Bedienen eine taktile Rückmeldung erfordert, mittels elektromechanischer Taster.


  1. Befehlsgeräte als Teil von Touch-HMIs
  2. Kombination von Touchdisplay und elektromechanischem Bauelement

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