TDK plus Micronas

Ein gewaltiger Schub für die Magnetfeldsensorik

7. Oktober 2016, 10:14 Uhr | Heinz Arnold

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Integration von Micronas

Ist die Fab in Freiburg ausgelastet?

Ja, die Auslastung ist derzeit in allen Bereichen gut.

Wird Micronas nach der Übernahme als eigene Marke weitergeführt?

Ja, der Name und die Marke werden weiter bestehen, ähnlich wie TDK dies ja auch mit Epcos gemacht hat. Micronas soll eigenständig bleiben. Welche Ressourcen von TDK wir nutzen wollen, bleibt unserer Entscheidung überlassen.

Wie weit ist die Integration in TDK vorangeschritten?

Das Closing war im März, die Finanzen sind konsolidiert, und wir sind nun Teil der TDK-Gruppe. Herr Shigenao Ishiguro, der neue CEO von TDK, der seit dem 1. Juli amtiert, war übrigens zuvor auch Chef der Magnetfeldsensoren von TDK, dem ich dann nachfolgte.

Welchen Anteil hat Micronas am gesamten Magnetfeldsensorgeschäft von TDK?

Er liegt heute bei über 90 Prozent.

Micronas entwickelt neben den Hall-Sensoren auch Controller für die Ansteuerung von BLCD-Motoren. Wird diese Produktgruppe weitergeführt?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben gerade die zweite Generation dieser Embedded Controller auf Basis eines 32-Bit-ARM-Prozessors mit integrierten H-Brücken vorgestellt, deren Produktion wir im zweiten Halbjahr hochfahren. Die neue Generation ist jetzt neben der Ansteuerung von BLDC-Motoren auch für Schrittmotoren ausgelegt. Wir visieren hier speziell das Marktsegment mit einer Leistung von 10 bis 15 Watt an. Dies ist eine Nische, in der ein hoher Integrationsgrad gefordert ist und den wir optimal bedienen können. Hier ist auch die Zahl der Wettbewerber überschaubar. In den Bereich der großen Motoren wollen wir dagegen derzeit nicht vorstoßen.

Bleibt auch die Foundry-Partnerschaft mit X-FAB bestehen?

Die Partnerschaft läuft weiter, X-FAB fertigt ja auch die zweite Generation unserer Motor-Controller.

Wie viele Motor-Controller hat Micronas bisher verkauft?

Wir haben diese Produkte seit 2012 in Fertigung. Die Nachfrage hat sich bisher sehr gut entwickelt, wir konnten die Stückzahlen jedes Jahr um den Faktor 2 bis 3 steigern. Noch verkaufen wir unter 10 Millionen pro Jahr, aber wir werden schon bald in den deutlich zweistelligen Bereich vorstoßen. Im vierten Quartal kommen die ersten Autos auf den Markt, in denen unsere 2. Generation Embedded Controller arbeitet. Und noch etwas stimmt mich positiv: TDK liefert seit Jahrzehnten Materialien an die Hersteller von Elektromotoren, das könnte uns weitere Türen öffnen. Außerdem will TDK nicht nur in den Markt für Sensoren vordringen, sondern auch für Aktuatoren. Das passt dann ebenfalls sehr gut zusammen.

Wo liegen die Vor-und Nachteile der GMR/TMR- und der Hall-Effekt-Techniken?

Die Sensoren auf TMR-Basis erreichen eine sehr hohe Genauigkeit, die sie insbesondere beim Einsatz als Winkelsensoren ausspielen können. Allerdings sind sie auch teurer als die Hall-Sensoren, und sie lassen sich nicht einfach in CMOS integrieren. Es sind derzeit zwei Chips erforderlich: das eigentliche Sensorelement und der Auswerte-Chip in CMOS. Wir wollen aber die Integration in CMOS vorantreiben. Gemeinsam mit den neuen Kollegen in der TDK haben wir nun das gesamte nötige Know-how: sowohl das Wissen über die spezielle TMR-Technologie als auch über Mixed-Signal-CMOS-Prozesse.

Wo werden die TMR-Sensoren gefertigt?

In einer speziellen Fabrik von TDK in Japan, in der bisher primär Schreib-/Leseköpfe für Festplatten gefertigt werden.
Wie ergänzt sich das Know-how von Micronas und TDK?
Neben dem Know-how für die Fertigung der CMOS-basierten Hall-Sensoren haben wir uns über viele Jahre umfangreiches Know-how in speziellen Gehäusetechnologien erarbeitet. Wir integrieren beispielweise seit einiger Zeit auch passive Komponenten. Was wir aber selber nicht machen und auch nicht gemacht hätten, ist die Fertigung von ganzen Modulen. Auf diesem Gebiet hat TDK wiederum bereits Know-how aufgebaut.

Worin besteht das Ziel, das sich die neue Magnetfeldsensor-Sparte von TDK gesetzt hat?

Wir wollen die Nummer 1 weltweit unter den Herstellern von Magnetfeldsensoren werden. Außerdem wollen wir auch weitere Sensortechniken vorantreiben, wie jetzt die geplante Übernahme von Tronics unterstreicht, bei der Epcos federführend ist. Übrigens sehe ich interessante Synergien zu Epcos, die unter anderem auch Druck- und Temperatursensoren im Programm führen. Mit der Tronics-Übernahme verschafft sich TDK den Zugang zu Inertialsensoren auf MEMS-Basis. Ich gehe davon aus, dass es künftig sehr vielversprechend sein wird, verschiedene Sensortypen zu kombinieren, der Trend geht zu solchen Clustern.


  1. Ein gewaltiger Schub für die Magnetfeldsensorik
  2. Integration von Micronas
  3. Vorstoß in neue Märkte

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