Batterie-»Treibstoff« aus Bolivien Deutschland sichert sich Lithium-Zugriff

Lithium ist ein begehrter Rohstoff, weil Batterien für E-Autos nicht ohne ihn auskommen. Im Bild ist ein Werk zur Lithiumgewinnung in Argentinien zu sehen.
Lithium ist ein begehrter Rohstoff, weil Batterien für E-Autos nicht ohne ihn auskommen. Im Bild ist ein Werk zur Lithiumgewinnung in Argentinien zu sehen.

Ein bolivianisch-deutsches Gemeinschaftsunternehmen will ab 2021 jährlich bis 50.000 t Lithiumhydroxid für die Batterien von E-Autos in Bolivien fördern.

»Durch das Joint Venture sichert sich Deutschland erstmals nach Jahrzehnten wieder den direkten Zugriff auf wichtige, nicht-heimische Rohstoffe«, sagt Wolfgang Schmutz. Er ist Chef von ACI Systems Alemania (ACISA). Am Mittwoch wurde in Berlin ein Vertrag mit der staatliche Yacimientos de Litio Bolivianos unterzeichne. Über 70 Jahre sollen jährlich 40.000 bis 50.000 t Lithiumhydroxid aus dem Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt, gefördert werden, der weit abgelegen im bolivianischen Hochland liegt.

Trotz seiner abgeschiedenen Lage auf 3600 m Höhe herrscht dort geschäftiges Treiben. In einer Container-Siedlung um den Salar de Uyuni auf 3600 Meter Höhe arbeiten fast nur Chinesen. Ein Unternehmen hat sich schon den Zugriff auf eine riesige Kaliumchlorid-Anlage für Düngemittel mit 350.000 Tonnen Produktionsvolumen pro Jahr gesichert.

Im Rahmen des deutsch-bolivianischen Joint-Ventures soll eine erste Anlage im Salar de Uyuni rund 15.000 t Lithiumkarbonat im Jahr fördern. Außerdem hofft ACISA auf den Zuschlag, bis zu 50.000 t Lithiumhydroxid fördern zu dürfen. Beide Lithiumverbindungen wandern in Batterien für E-Autos, wobei der Anteil von Lithium bei Lithiumhydroxid etwas höher ist. Mit einer Menge von 50.000 t im Jahr lassen sich Batterien für rund eine Million Elektroautos mit einer Reichweite von über 300 Kilometern fertigen.

Bis 2023 will VW rund 44 Milliarden Euro für Zukunftstechnologien ausgeben. Audi plant mit 14 Milliarden Euro für die Entwicklung von Elektroautos, Digitalisierung und autonomes Fahren. Doch ohne Lithium keine Batterien. Deshalb hat sich der Preis je Tonne seit 2016 auf zeitweise weit über 13.000 US-Dollar verdoppelt. Die deutsche Bundesregierung will für die Förderung einer Batteriezellenfertigung bis zu eine Milliarde Euro an Forschungsgeldern bereitstellen. Und das Lithium für die Batterien könnte eben künftig aus Uyuni kommen.

In Argentinien, Chile und Bolivien liegen riesige Vorkommen – weil die sogar größer als vermutet sein könnten, waren viele Lihiumwerte an den Börsen stark unter Druck geraten. Aber das dürfte sich schon bald ändern. »Wenn man sich die Pläne etwa von VW, Audi und in China anschaut, ist die Lithiummenge sicher nicht zu klein«, sagt Heiner Marx, Vorstandschef des Thüringer Unternehmens K-Utec, das seine Ursprünge im Kali- und Steinsalzbergbau der DDR hat und für die salzverarbeitende Industrie weltweit Projekte plant.

Das Rennen um Lithium ist also in vollem Gange. Der bolivanische Präsident Morales will allerdings dafür sorgen, dass ein großer Teil der Umsätze in Bolivien bleibt. Zudem wurden Anforderungen mehrfach geändert, die Investitionsbedingungen sind nicht gerade stabil. Mangels Geld wurden die Planungen stark verkleinert. »Sie wollten einen weißen Elefanten, herausgekommen ist jetzt erstmal nur eine weiße Maus«, sagt ein Kenner der Planungen. Daher muss sich erst noch zeigen, ob hier für deutsche Unternehmen tatsächlich ein Schatz im Salzsee schlummert.