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Elektroschrott-Recycling

Rohstoffe aus Hochspannungssicherungen finanzieren Bildung

14. Juni 2021, 11:30 Uhr   |  obx-News/sc

Rohstoffe aus Hochspannungssicherungen finanzieren Bildung
© obx-news/NH-HH-Recyclingverein

Alte Sicherungen enthalten wertvolle Rohstoffe, die sich durch Recycling wiedergewinnen lassen.

Bei der Modernisierung des deutschen Stromnetzes entstehen pro Jahr mehrere hundert Tonnen Abfall: Sicherungen, die im Allgemeinen im normalen E-Schrott landen. Ein Verein in Ostbayern sammelt die Sicherungen und verwertet sie kostenlos. Der Erlös fließt an Unis und berufsbildende Schulen.

Seit Gründung des NH/HH-Recyclingvereins mit Sitz in Stamsried im Landkreis Cham wurden zwischen 1995 und 2020 rund 4.620 Tonnen Sicherungen gesammelt, davon allein im Jahr 2020 rund 212 Tonnen. Der Erfolg der Initiative ist ungebrochen: "Ausgehend von Erfahrungswerten rechnen wir für 2020 insgesamt mit einem Recyclingergebnis von 35,3 Tonnen Kupfer und 511 Kilogramm Silber", sagt Volker Seefeld, der Vorsitzende des Vereins.

Durch das gewonnene und wiederverwendete Material konnten rund 600.000 Tonnen Roherz (einschließlich Abraumeintrag) eingespart werden, ebenso mehr als 15.000 Megawattstunden Energie, die sonst für die Verarbeitung des Roherzes hätten aufgewendet werden müssen. Allein für das vergangene Jahr liegt der Gewinn für die Umwelt bei rund 30.000 Tonnen eingespartem Erz und Abraum, rund 700 nicht verbrauchten Megawattstunden Strom und einer Reduktion des der CO2-Emissionen von rund 340 Tonnen. Das wiederum entspricht nach Angaben des Vereins etwa 170.000 Kubikmetern Gas.

Die Erlöse aus dem Recycling wurden und werden ausschließlich für die Forschungsförderung und Bildung verwendet. Der gemeinnützige und nicht kommerzielle Verein wurde von den deutschen Sicherungsherstellern gegründet.

Geburtsstunde der Privatinitiative war der erste Entwurf zur Elektroschrottverordnung im Jahr 1992. Diese sollte Firmen zur Rücknahme ihres Elektroschrotts verpflichten, mit kostspieligen Auswirkungen: Die Verwertung des Materials auf konventionellem Weg wäre mit bis zu 2.000 Euro pro Tonne sehr teuer geworden. Als einer der ersten initiierte damals die Bayernwerk-Vorgängergesellschaft E.ON Bayern, auch heute noch einer der größten Sammler und Unterstützer des Vereins, mit einem Sicherungshersteller die Gründung des Recycling-Vereins.

Ziel war es von Anfang an, durch neue Techniken der Wiederaufarbeitung und die Rückgewinnung des in den Sicherungen mit bis zu 20 Prozent enthaltenen Kupfers und Silbers das Recycling zu finanzieren. In der Praxis sammeln die im Verein zusammengeschlossenen Firmen ihre Altsicherungen. Der Schrott wird zentral beim größten Kupferverwerter der Welt, der AURUBIS, in einem Kupferkonverter eingeschmolzen. Sowohl Kupfer als auch Silber können mit der Methode recycelt werden, und aus den Reststoffen wird wertvolles Eisensilikat-Gestein. Aus einer Tonne Schmelzsicherungen machen die Spezialisten so rund 200 Kilogramm Kupfer und zwei Kilogramm Silber.

Der Verkauf des Metalls bringt wiederum Geld, vor allem aber auch eine erhebliche Umweltentlastung: 100 Tonnen Erz müssten für die Erzeugung dieser Metallmengen zum Beispiel in Sibirien, Südamerika oder Afrika gefördert, mit hohem Energieaufwand verarbeitet und der Rohstoff dann nach Deutschland transportiert werden. Hochgerechnet wurden dadurch seit Vereinsgründung rund zwölf Gigawattstunden Energie eingespart. Diese Strommenge würde ausreichen, um beispielsweise die bayerische Landeshauptstadt München rund einen Tag lang komplett mit elektrischer Energie zu versorgen. 

Von den Sammelaktivitäten profitiert ganz besonders die Forschung: Der Verein finanziert aus den erwirtschafteten Überschüssen unter anderem Forschungsprojekte von Universitäten und Hochschulen wie den Technischen Universitäten Dresden und Ilmenau (Thüringen), sonstige Bildungseinrichtung für Aktivitäten im Bereich der Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Elektrotechnik - vor allem auch um dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dazu dienen vor allem auch die vom Verein aktuell forcierten "Lernzirkel-Projekte". Sie sollen unter anderem das Umwelt- und Recyclingbewusstsein von Azubis in Elektroberufen schärfen.

Mittlerweile ist das Sammelnetz auch auf "Kleinlieferanten" wie etwa kleinere Elektrobetriebe ausgedehnt worden. Über die Hälfte des Sammelaufkommens liefern heute nach Angaben des Vereins kleine und mittelständische Betriebe. Auch Berufsschulen engagieren sich demnach verstärkt. Nach Angaben des Vereins gibt es mittlerweile deutschlandweit bereits knapp 700 Sammelstellen. 

Künftig will der Verein sein Engagement nochmals verstärken: "Bei aller Freude über den konstanten Erfolg unseres Recyclingkonzepts müssen wir leider auch feststellen, dass Jahr für Jahr immer noch geschätzte 400 Tonnen ausgediente Schmelzsicherungen nicht dem Recycling zugeführt werden", sagt Vorsitzender Seefeld. Sie landen nach seinen Worten immer noch im Elektroschrott oder sogar im Müll. Details darüber, was man abliefern kann, wie man abliefern kann und die entsprechenden Formblätter sind im Internet zu finden. Dort gibt es auch Informationen über die Bildungsprojekte und wie man entsprechende Förderungen beantragen kann.

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