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Wettlauf um Heilmittel gegen Corona

Weltweit 155 Medikamente und 79 Impfungen in der Entwicklung

21. April 2020, 07:43 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Weltweit 155 Medikamente und 79 Impfungen in der Entwicklung
© anidimi/stock.adobe.com

Weltweit wird an einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht.

Weltweit wird derzeit an insgesamt 155 Medikamenten und 79 Impfungen zur Bekämpfung von COVID-19 gearbeitet. Das hat das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) bekannt gegeben.

Die meisten der 155 in der Entwicklung befindlichen Medikamente gegen COVID-19 hätten dabei bereits eine Zulassung für andere (virale) Infektionen und erfordern daher eine besondere Evidenz für die Zulassung gegen COVID-19, erklärt das auf wissenschaftliche Entscheidungsunterstützungen im Gesundheitswesen spezialisierte Institut in Wien. Von den 79 Impfstoffkandidaten wiederum ist bisher keiner über das Entwicklungsstadium gelangt.

Weltweit stecken Pharma- und Biotechunternehmen, Universitätsinstitute, Forschungseinrichtungen und Kliniken enorme Ressourcen in die Forschung und Entwicklung rund um Medikamente und Impfstoffe zur Bekämpfung der Pandemie. Für Entscheidungsträger aus Politik und Gesundheitswesen werde es da zunehmend schwierig, den Überblick zu bewahren – obwohl kostenintensive Entscheidungen spätestens dann notwendig werden, wenn die ersten Prophylaxen oder Therapien verfügbar werden, so das Institut.

AIHTA hat die Übersicht der weltweiten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich COVID-19 erstellt, um bei zukünftigen Entscheidungen evidenzbasierte Unterstützung leisten zu können. Priv. Doz. Dr. phil. Claudia Wild, Leiterin des AIHTA: „Ziel (...) ist es, frühzeitige Information zu Interventionsmöglichkeiten bereitzustellen, die sich derzeit im F&E-Stadium befinden. In den nächsten Monaten werden deren Entwicklungen dann weiter beobachtet, Daten dazu aufbereitet und ein Einkauf durch das Gesundheitswesen evidenzbasiert unterstützt.“

Insgesamt konnte das Team um Dr. Wild anhand internationaler Quellen 155 Medikamente identifizieren, die derzeit auf ihre Wirkung gegen SARS-CoV-2/COVID-19 getestet werden. Diese basieren alle auf einem oder mehreren der folgenden, bekannten, antiviralen Wirkstoff(en): Remdesivir, Lopinavir + Ritonavir (Kaletra®), Favipirvir (Avigan®), Darunavir (Prezista®), Chloroquine Phosphate (Resochin®), Hydroxychloroquine (Plaquenil®), Camostat Mesilate (Foipan®), APN01 (rhACE2), Tocilizumab (Roactemra®), Sarilumab (Kevzara®) und Interferon beta 1a (SNG001). „Da es sich beim Großteil dieser Wirkstoffe um Medikamente handelt, die bereits für andere Indikationen zugelassen sind, betonen internationale Regulatoren die Notwendigkeit robuster Evidenz für Zulassungsstudien.“, so Wild.

Die 79 Impfstoffkandidaten, die das AIHTA im Rahmen des HSS identifizieren konnte, teilen sich dabei auf drei impfstoffarten auf: Lebendimpfstoffe (mit abgeschwächten Virusstämmen), Totimpfstoffe (mit Virusproteinen) oder genbasierte Impfstoffe (mit spezieller DNA oder mRNA).  Die meisten dieser Projekte sind derzeit noch im Entwicklungsstadium und haben noch keine Zulassung.

Für die in der Entwicklung besonders fortgeschrittenen Medikamente bzw. Impfstoffe oder solche, die in der Fachliteratur als besonders vielversprechend gelten, hat das AIHTA sogenannte Vignetten erstellt. Dabei handelt es sich um prägnante Kurzbeschreibungen, die zusätzliche Informationen bereitstellen. Insgesamt erstellte das AIHTA 11 Vignetten zu Medikamenten und 8 zu Impfstoffkandidaten.

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