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Massiver Umsatzverlust durch Corona

Messe München muss Personal abbauen

10. Februar 2021, 12:01 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Messe München muss Personal abbauen
© Messe München

Trotz Rekord-Umsatzeinbruch blickt die Messe München zuversichtlich in die Zukunft. So habe sich im Corona-Jahr die Internationalisierung der Messe München positiv bemerkbar gemacht, die Auslandsgesellschaften hätten laut Messechef Klaus Dittrich die Liquidität gestützt.

Für die Messe München sei das Jahr 2020 eine Vollbremsung auf der Überholspur gewesen, sagt Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe. In Zukunft will die Messe sich zum Plattform-Manager weiterentwickeln, ein Zurück zur reinen Präsenzmesse sieht Dittrich nicht. 

Ein Blick auf die Grafik zeigt, dass der Vergleich von Dittrich passend gewählt ist. Die Messe München musste insgesamt über 20 Veranstaltungen absagen, darunter viele Weltleitmessen. Der hochgerechnete Umsatz liegt mit 94 Millionen Euro 70 Prozent unter Plan.  

Dabei war das Jahr davor noch ein Rekordjahr. 2019 hatte sich die Messe München auf den fünften Platz der Messeveranstalter weltweit vorgearbeitet. »Es ist Glück im Unglück, dass die Pandemie uns in einer Position der Stärke getroffen hat«, so Klaus Dittrich. Man habe  im letzten Jahr »eine extrem steile Lernkurve« durchlaufen, Corona sei ein  Turbo-Beschleuniger für die weitere Digitalisierung.

Seit dem Frühjahr 2020 hat die Corona-Pandemie das klassische Messegeschäft weltweit so gut wie unmöglich gemacht. Die Gesamtausstellerzahl der Messe München betrug 2020 weltweit rund 23.000. Allein in Deutschland konnten von den geplanten 15 Eigenveranstaltungen der Messe nur 6 tatsächlich als Präsenzmesse stattfinden, die Zahl der Aussteller belief sich auf 7.056 (-6 Prozent zu den Vorveranstaltungen) und 288.023 (-11 Prozent zu den Vorveranstaltungen) Besucher. An den 15 Eigenveranstaltungen im Ausland, die als Präsenzmessen stattfinden konnten, waren knapp 500.000 Besucher und 10.747 Aussteller aktiv. Die 14 digitalen Eigenveranstaltungen, auf denen 583 Aussteller präsent waren, wurden von über 38.000 Menschen besucht. Der hochgerechnete Umsatz der Messe München GmbH liegt damit mit 94 Millionen Euro um 70 Prozent (302 Millionen Euro) unter Plan. Dieser Umsatzverlust habe dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaft der Region, denn jeder Euro Umsatz der Messe München GmbH erzeuge 10 Euro Kaufkraft bundesweit. In Bayern sei die Kaufkraft geschätzt um 1,9 Milliarden Euro eingebrochen, 16.000 Arbeitsplätze könnten betroffen und geschätzt 179 Millionen geringere Steuereinnahmen die Folge sein.

Um den dramatischen Umsatzeinbrüchen entgegenzuwirken hat die Messe München ein Sparprogramm aufgelegt. Die Sachkosten habe man damit bereits um 30 Prozent gesenkt. Doch nun soll auch Personal gehen. Für den geplanten Abbau von ca. 170 Stellen werde gerade mit dem Betriebsrat über sozialverträgliche Lösungen verhandelt.

Ein Zurück zum Geschäftsmodell vor Corona sieht Dittrich nicht, sondern eine »Weiterentwicklung«. Das Messegeschäft werde sich dauerhaft verändern in Richtung konsequenter Kundenorientierung, Agilität, Flexibilität und einem noch stärkeren Fokus auf Digitalisierung. Künftig wolle man als »Manager von Plattformen« auftreten: »In physischer Form auf einer Messe oder digital 365 Tage im Jahr«. Die Pandemie habe diesen Trend nicht erzeugt, nur verstärkt. 

Neben der Digitalisierung will sich die Messe München zudem noch stärker auf das Thema Nachhaltigkeit konzentrieren. Ziel der Messe sei es, klimaneutrale Angebote zu entwickeln – auf der Messe selbst, aber auch bei der An- und Abreise, beim Aufenthalt in München oder bei der Infrastruktur.

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