IW zum Fachkräfte-Papier der Ampel

Gut, aber nicht genug

30. November 2022, 11:21 Uhr | Corinne Schindlbeck
Fachkräfte
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Die Ampel möchte ausländischen Fachkräften den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern, ein 23-seitiges Papier listet viele Ideen dazu auf. Die Ansätze seien vielversprechend, reichten aber bei Weitem nicht aus, moniert das Institut der Deutschen Wirtschaft.

Die Babyboomer-Generation scheidet nach und nach aus dem Arbeitsleben aus, auch dadurch steuert Deutschland auf einen massiven Fachkräftemangel zu. In der Hochphase des Babybooms, also zwischen 1960 und 1964, wurden bundesweit rund 6,6 Millionen Kinder geboren – zwischen 2000 und 2004 waren es mit 3,6 Millionen nur etwas mehr als die Hälfte. Das bereitet der deutschen Wirtschaft - und insbesondere auch der Elektronik - zunehmende Probleme: Selbst wenn mehr Menschen erwerbstätig würden, die bisher nicht oder nur in Teilzeit arbeiten, ließe sich die Lücke nicht schließen, so das IW. 

Die Situation wäre sogar noch dramatischer ausgefallen, wenn die Zuwanderung in den vergangenen Jahrzehnten geringer ausgefallen wäre, so das arbeitgebernahe Institut. Vor allem aus den neuen EU-Mitgliedsländern seien viele Arbeitskräfte nach Deutschland gekommen. Die Entwicklung werde sich allerdings kaum fortsetzen, da auch die anderen EU-Länder unter dem demografischen Wandel leiden. Klar sei deshalb: Ohne Fachkräfte aus Ländern außerhalb Europas werde sich Wachstum und Wohlstand nicht sichern lassen.

Das neue Eckpunktepapier sei also ein Schritt in die richtige Richtung. Es sei sinnvoll, Personen mit sehr guten Perspektiven am deutschen Arbeitsmarkt auch ohne bestehendes Stellenangebot ein Visum zu erteilen. Noch besser wäre es allerdinbs laut IW, wenn das Visum nicht nur die Arbeitsplatzsuche, sondern auch die Arbeit selbst erlauben würde.

Ebenfalls richtig sei, dass bei Menschen mit Berufserfahrung in besonders gesuchten Bereichen unter gewissen Voraussetzungen die oft langwierige Anerkennung ihres beruflichen Abschlusses entfalle. Das reiche allerdings nicht: Es müssten "unbedingt" auch die bürokratischen Verfahren überarbeitet werden, denn "lange Prozesse sind Gift für eine gelungene Zuwanderung", so das IW.

Insgesamt reiche es nicht, den Zugang zu erleichtern. Vielmehr müssten begehrte Fachkräfte gezielt angeworben werden. Es sei gut, dass die Bundesregierung dieses Thema auf dem Schirm habe und ihre Aktivitäten hier deutlich ausbauen wolle. Insbesondere die Plattform Make it in Germany. 

Weitgehend vernachlässigt werde hingegen noch das Thema Ausbildung: Auch hier wäre es laut IW sinnvoll, Azubis aus Drittstaaten gezielt anzuwerben. Weil die internationale Konkurrenz groß sei und auch andere europäische Länder um die begehrten Fachkräfte werben. 


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