Mehr als nur fehlende Bauteile

Obsoleszenzrisiken steigen rasant

27. September 2022, 8:53 Uhr | Heinz Arnold
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Ein schon lange bekanntes, aber oft nicht ernst genommenes Thema – die Obsoleszenzproblematik – rückt verstärkt in das Bewusstsein der Geschäftsführungen. Nun rächt sich, dass sie oft vernachlässigt wurde.

Denn in der Vergangenheit funktionierte ja alles im Großen und Ganzen überwiegend verlässlich. Doch Umwelt- und Naturkatastrophen, Corona und die Folgen für die Lieferkette, der Krieg in der Ukraine – das alles führt dazu, dass zahlreiche elektronische Komponenten knapp sind; die globalen Lieferketten zerreißen teilweise.

Jetzt käme es darauf an, die richtigen Schlüsse zu ziehen: »Ich denke, die wichtigste Erkenntnis aus der jetzigen Krise für jedes Unternehmen sollte sein, dass in unserer global vernetzten Welt die Zahl latenter Obsoleszenzrisiken mit den letzten Jahren enorm zugenommen hat. Und dass Obsoleszenzen alle für den wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb eines Unternehmens wichtigen Bereiche treffen können«, sagte Dr. Wolfgang Heinbach, Vorstandsvorsitzender der COGD, im Interview mit Markt&Technik. Und Heinbach macht auf den gewaltigen Kostenfaktor von Obsoleszenzen aufmerksam, was vielen Unternehmen in der Vergangenheit – also zu Zeiten, in denen die globalen Lieferketten funktionierten – eher verdrängt haben dürften: »Immerhin 50 Prozent der Life-Cycle-Kosten eines Gerätes oder einer Anlage lassen sich direkt oder indirekt auf Obsoleszenzen zurückführen.« Ein umfassendes Obsoleszenzmanagement einzuführen wäre allein deshalb schon sinnvoll.

Doch dürfte häufig gar nicht bekannt sein, was Obsoleszenzmanagement eigentlich ist, wie Martin Steinleitner, Partner der Unternehmensberatung Syliom, erklärt: »Anders als viele immer noch denken mögen, geht es im Obsoleszenzmanagement bei Weitem nicht nur um fehlende Bauteile!« Denn neben fehlenden Produkten treffe die Unternehmen die Obsoleszenz auch in der Infrastruktur (Produktionsmaschinen, IT-Systeme, Ersatzteile) und beim Personal (Abwanderung, früher Ruhestand ohne Nachfolge, fehlender Nachwuchs).

Es kommt also darauf an, strategisches Obsoleszenzmanagement zu einem wesentlichen Bestandteil der Beschaffungspolitik zu machen. Doch Obsoleszenzmanagement kostet Geld und Ressourcen. Lohnt sich der ganze Aufwand wirklich? Diese Frage ist Obsoleszenzmanagern in der Vergangenheit häufig gestellt worden. Und sicherlich ist es gar nicht so einfach, die Verantwortlichen im Unternehmen davon zu überzeugen, dass das Geld dafür gut angelegt ist. Denn viele dürften fürchten, dass ein Gutteil davon »eigentlich zum Fenster herausgeschmissen« ist.

Doch das stimmt nicht: »Obsoleszenzmanagement ist trotz Kosten und Aufwand wirtschaftlich!«, erklärt Dr. Jörg Berkemeyer von S&P Global. Tatsächlich gibt es auf Basis von Zahlen begründbare Argumente und Berechnungen, mit deren Hilfe sich die die Kosten und der Zeitaufwand rechtfertigen lassen.


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