Schwerpunkte

Trotz schwacher Wirtschaft

Mangel an IT-Fachkräften hält an

16. Dezember 2020, 10:30 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Mangel an IT-Fachkräften hält an
© shutterstock.com

Der Mangel an IT-Spezialisten hat sich unter dem Eindruck der Corona-Krise um über 30 Prozent verringert, liegt jedoch weiterhin auf hohem Niveau. Das ergab eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Entscheidend für eine Einstellung sind neben der fachlichen Eignung ebenso Soft Skills.

Wie der Digitalverband Bitkom berichtet, sind Ende 2020 quer über alle Branchen 86.000 Stellen für IT-Experten frei. Das sei der zweithöchste jemals gemessene Wert seit der Ersterhebung 2011. Im Vorjahr waren noch 124.000 unbesetzte Jobs zu verzeichnen.

Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte des Digitalverbands Bitkom. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 850 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in Unternehmen aller Branchen. Demnach konstatieren sieben von zehn (70 Prozent) aktuell einen Mangel an IT-Spezialisten. Vor einem Jahr waren es mit 83 Prozent lediglich unwesentlich mehr. Beunruhigen ist, dass sechs von zehn Unternehmen erwarten, dass sich der IT-Fachkräftemangel künftig verschärfen wird.

Weitherin gaben die Befragten Unternehmen an, immer mehr Zeit für die Personalsuche zu benötigen. Im Durchschnitt dauert es sechs Monate, eine offene IT-Stelle zu besetzen, vor zwei Jahren waren es fünf Monate. Fast die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) berichtet, dass IT-Jobs langsamer besetzt werden können als andere Positionen.

»Selbst während der Corona-Krise leidet Deutschland unter einem Mangel an IT-Fachkräften. Die Krise hat in allen Branchen Defizite bei der Digitalisierung aufgezeigt und einen Digitalisierungsschub ausgelöst, der die Nachfrage nach IT-Spezialisten schon bald wieder ansteigen lässt«, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. »Gerade während der Krise entscheidet sich, welche Unternehmen sich erfolgreich für die digitale Zukunft aufstellen können. Jetzt ist der Moment, in digitale Geschäftsmodelle zu investieren, und dafür braucht es zwingend Digital-Know-how«. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, fordert der Bitkom ergänzend zu einer besseren Aus- und Weiterbildung die Stärkung von Frauen in der IT und die Förderung qualifizierter Zuwanderung.

Programmierer und IT-Administrationen am stärksten gesucht

Software-Spezialisten sind in der Wirtschaft mit Abstand am gefragtesten. Jedes zweite Unternehmen (52 Prozent) mit vakanten IT-Jobs sucht Software-Entwickler beziehungsweise Software-Architekten. Dahinter folgen IT-Anwendungsbetreuer beziehungsweise IT-Administratoren, die von jedem dritten dieser Unternehmen (35 Prozent) gesucht werden. 8 Prozent suchen Data Scientists beziehungsweise Big-Data-Experten, 6 Prozent IT-Projektmanager beziehungsweise IT-Projektkoordinatoren. 5 Prozent der Unternehmen mit offenen IT-Stellen möchten IT-Sicherheitsexperten einstellen, 3 Prozent IT-Service-Berater und 2 Prozent Ingenieure für Industrie 4.0 beziehungsweise Robotik.

Gesuchte Soft Skills

Neben der fachlichen Eignung seien laut Bitkom ebenso Soft Skills entscheidend im Einstellungsprozess für IT-Fachkräfte. Ein »Must-have« bei den Kompetenzen und Persönlichkeitseigenschaften sind für nahezu alle Unternehmen Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit sowie analytisches Denken. Eine große Rolle spielt weiterhin die Verständigung: Knapp neun von zehn Unternehmen (87 Prozent) sehen Deutschkenntnisse als Muss, acht von zehn (82 Prozent) allgemeine Kommunikationsfähigkeiten.

Seltener als Voraussetzung betrachtet seien hingegen Einfühlungsvermögen (21 Prozent) und interkulturelle Kompetenz (26 Prozent), die nur selten als »Must-have« gesehen werden. Trotzdem sehen viele Unternehmen diese Eigenschaften bei Bewerbern gern: Zwei von drei (66 Prozent) wünschen sich von neuen Mitarbeitern Einfühlungsvermögen, sechs von zehn (59 Prozent) interkulturelle Kompetenz.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Mit Low Code Chatbots erstellen
»Fehlendes Homeoffice macht Arbeitgeber unattraktiv«
Neuer Name für IC-Design-Geschäft

Verwandte Artikel

BITKOM e. V.