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Interview mit Klaus Kurz, New Relic

Drei Komponenten – eine Plattform

29. September 2020, 08:03 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Drei Komponenten – eine Plattform
© New Relic

Klaus Kurz ist Director Solutions Consulting bei New Relic.

Entwickler von professioneller Software stehen mehr und mehr unter Druck – oft korreliert dessen Erfolg direkt mit dem Geschäftserfolg. Ziel ist es daher, Fehler in der Software schneller zu erkennen und zu beheben. Wie das geht, verrät Klaus Kurz von New Relic im Elektronik-Interview.

Klaus Kurz ist seit Herbst 2019 Director Solutions Consulting bei New Relic. Davor war er 15 Jahre bei Adobe in verschiedenen Positionen tätig – vom Manager Business Development bis zum Head of Solution Consulting für Zentral- und Osteuropa. Kurz studierte an der TU München Elektrotechnik und erwarb das Staatsexamen für Berufsschulen. Außerdem besitzt er einen MBA in General Management der Hochschule für Ökonomie und Management in Essen.
 

Herr Kurz, mit New Relic One bieten Sie eine Plattform zum Implementieren, Testen und Monitoring von Software. Worin liegen die Unterschiede zur »normalen« Software-Entwicklung?

In modernen IT-Infrastrukturen ist der Datenumsatz wesentlich höher als noch vor ein paar Jahren. Für Entwickler ist es somit ohne Monitoring-Tools fast unmöglich einen Überblick über alle Vorgänge in einem Stack zu erhalten. Um einen Fehler im Code zu bemerken, ehe der Kunde davon betroffen ist, muss der Entwickler zahlreichen Pfaden nachgehen und prüfen, wo der Fehler liegt. Mit einem Monitoring-Tool oder einer Observability-Plattform hat er übersichtliche Echtzeit-Einsichten in den Stack. Erscheint ein Fehler, wird unverzüglich eine Fehlermeldung verschickt – ein sogenannter Alert – und es wird auf einen Blick klar, wo die Fehlerursache liegt. So können Entwickler den Fehler beheben, bevor er Schaden anrichtet.

Sie haben kürzlich ein neues Konzept für New Relic One vorgestellt. Was hat sich geändert?

Unser Ansatz war es, New Relic One neu auszurichten und eine Plattform für Observability bereitzustellen, die von unseren Kunden angenommen wird. New Relic ist bereits eine leistungsstarke, skalierbare und flexible Plattform – mit dem neuen Konzept wollen wir gewährleisten, dass Entwickler Zugang zur gesamten Bandbreite unserer Plattform haben. Das Update der Plattform bietet für sie ein kompaktes und intuitives Benutzererlebnis mit zahlreichen neuen Features. Zusätzlich haben wir eine dauerhaft kostenfreie Produktvariante eingeführt. So können Entwickler unser Produkt testen, ausgiebig nutzen und bereits mit Unternehmen kooperieren. Somit können sie ihre Uptime und Verfügbarkeit optimieren, effizienter skalieren und neue Features und Anwendungen schneller am Markt platzieren.

Die Observability-Plattform besteht aus drei Komponenten. Können Sie diese kurz erläutern?

Die drei Bausteine von New Relic One sind Applied Intelligence, Full-Stack-Observability und die Telemetry Data Platform. Letztere nutzt Open Source, um Daten in einer konsolidierten, offenen Telemetriedatenbank zentral verfügbar zu machen. Hiermit sinken die IT-Kosten, außerdem reduziert sich die Komplexität der IT. Full-Stack-Observability spiegelt sich in einer intuitiven Benutzeroberfläche mit übersichtlicher Darstellung wider. Es sind End-to-End- sowie kontextspezifische Health-Analysen möglich. Außerdem bieten wir Transparenz bis ins Detail für Hosts, Container, Cluster sowie Cloud-Ressourcen. Mit Applied Intelligence, dem Implementieren von»„AIOps-Funktionen«, ist eine proaktives Anomalie-Erkennen möglich. Unnötige Alerts werden ausgeblendet und wichtige mit einer automatisierten Priorisierung weitergegeben – wir nennen das Incident Intelligence. So entstehen schnelle Diagnosen, auf die Entwickler zeitnah reagieren können – noch bevor der Endkunde es bemerkt.

New-Relic-One-Plattform
© New Relic

Bild 1. Mit der New-Relic-One-Plattform kann man individuelle Dashboards erstellen, die Echtzeit-Einsichten liefern – nicht nur verständlich für die IT-Abteilung, sondern für Mitarbeiter aus diversen Unternehmensbereichen.

Das heißt sie verwenden bei »Applied Intelligence« Methoden der KI?

So ist es. Wir vermeiden es jedoch, den Begriff »künstliche Intelligenz« zu verwenden. Seit Jahren wird der Begriff recht willkürlich genutzt, um Konsumenten menschenähnliche Roboterassistenten zu versprechen. So wird der Begriff aufgrund des häufigen und wenig definierten Gebrauchs oft als Worthülse ohne konkreten Inhalt wahrgenommen.
New Relic löst jedoch nicht menschliche durch automatisierte Entwickler ab. Wir nutzen hingegen einen großen Datenkorpus und setzen intelligente Algorithmen und fortschrittliche Mathematik in großem Maßstab ein. So gewinnen wir Erkenntnisse über Dinge, die sich vom normalen Verhalten unterscheiden. Genau das spiegelt sich in der neu ausgerichteten New-Relic-One-Plattform wieder: Mit AIOps-Funktionen und kontinuierlichem maschinellen Lernen können wir unwichtige von wichtigen Fehlermeldungen unterscheiden. So landen beim Entwickler lediglich diejenigen Alerts, um die er sich zeitnah kümmern sollte – das mühsame Ausfiltern von unzähligen Alerts entfällt.

Welchen Nutzen ziehen Kunden aus Ihrer Observability-Plattform?

Unternehmen nutzen in der Regel eine Vielzahl an Tools und Programmen. Entscheiden sich Kunden für New Relic One, entfällt das Migrieren all der Tools und Programme. Unsere Kunden können Daten aus allen Quellen beziehen – ebenfalls aus Open Source – und anschließend in einer zentralen Ansicht abbilden. Das ist ebenfalls abteilungsübergreifend ein großer Vorteil, da sie Probleme in Echtzeit erkennen und beheben sowie unverzüglich zielgerichtete, datengestützte Entscheidungen treffen können.

Vor welchen Herausforderungen stehen Software-Entwickler derzeit und wie können Sie diese angehen?

Im Großen und Ganzen werden IT-Bereiche immer mehr in direkten Zusammenhang mit dem Geschäftserfolg gesetzt. Jedoch gibt es viele dynamische Faktoren. Zudem steigt die Datenmenge kontinuierlich an und IT-Umgebungen geraten immer komplexer. Aus dem Grund sind Analytics und Telemetriedaten sowohl in der Entwicklung als auch im Betrieb unabdingbar. Analytics unterstützt beispielsweise Unternehmen dabei, schneller Entscheidungen zu treffen und Kosten zu sparen.
Außerdem sind Entwickler beim Monitoring ihres Stacks oft auf zahlreiche unzusammenhängende Tools angewiesen. Um die Ursache von Fehlern zu erkennen, müssen sie häufig zwischen ihnen hin- und herwechseln. Aufgrund der Full-Stack Observability von New Relic One ist das nicht mehr nötig. Hierbei ziehen Entwickler die jeweils benötigten Tools und Ansätze zur Fehlerbehebung für jede Ursache heran. Ein Grundstein dafür ist das Verknüpfen von AIOps mit auf maschinellem Lernen basierenden Funktionen inklusive Applied Intelligence.
Ebenso ist das Erstellen übersichtlicher Dashboards oft eine Herkules-Aufgabe, die nicht selten in einem »Analytics-Flickenteppich« endet, anstatt in einem gesamtheitlichen Überblick. Das liegt daran, dass Entwickler auf zahlreiche Datensilos zurückgreifen müssen, da sie nicht alle Informationen in einer einzigen Informationsquelle vorliegen haben. Mit der Telemetry Data Platform gehört das der Vergangenheit an. Sie wurde als zentrale Informationsquelle für alle Daten zu operativen Zusammenhängen konzipiert. So können Entwickler Petabytes aller Arten von Anwendungs- und Infrastrukturdaten erfassen, visualisieren und mit Alerts bewerten.

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2. Entwickeln mit DevOps

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