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ZVEI: Neue Traceability Guidelines

Booster für die Rückverfolgbarkeit

19. März 2021, 08:31 Uhr   |  Karin Zühlke

Booster für die Rückverfolgbarkeit
© Brady Corp.

Mithilfe von Traceability lassen sich fehlerhafte Produkte genau bis auf Baugruppen-Ebene herausfiltern und gezielte Rückrufaktionen, etwa in der Automobilindustrie, schnell umsetzen. Doch der Einstieg in die komplexe Materie ist bislang aufwändig.

 Das will der ZVEI nun deutlich vereinfachen. Der Verband hat in einer Arbeitsgruppe seinen Traceability-Leitfaden von 2010 gründlich überarbeitet und ans Industrie-4.0-Zeitalter angepasst.

Der Bedarf an Daten ist heute schließlich anders als vor 15 Jahren: »Heute wissen Sie genau, wo ein Produkt herkommt oder wann es individuell für Sie produziert wird, wann es zum Versand bereit steht und wann es geliefert wird, eventuelle Verschiebungen inklusive. Es wurde den heute in der typischen Supply Chain beteiligten Unternehmen klar, dass wir hier weiteren Detaillierungsbedarf haben, und den haben wir mit der ZVEI-Leitfaden-Ergänzung aufgegriffen«, schildert Alois Mahr, Vice President von Zollner Elektronik.

Bei alledem gilt es aber auch, bei der Rückverfolgbarkeit »die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Nicht umsetzbare Visionen nützen an dieser Stelle nichts«, ergänzt Bernd Enser, COO von Semikron. Er betont, dass die Verfasser des überarbeiteten Leitfadens vor allem die realistische Umsetzung im Blick hatten.
Niedrigere Hürden könnten die Bereitschaft zur Einführung von Rückverfolgbarkeits-Systemen im Unternehmen deutlich forcieren, zumal Traceability aus vielen Gründen inzwischen nicht mehr nur „nice to have“ ist. Die Expertise kann sogar über den Geschäftserfolg entscheiden, etwa bei neuen Aufträgen aus dem Automobilsektor: »Um überhaupt für neue Aufträge nominiert zu werden, ist eine lückenlose Traceability inzwischen in allen Lastenheften bzw. Spezifikationen ein verpflichtender Teil«, bestätigt Mario Damej, Director Production & Technology bei cms electronics.

Ähnliches gilt inzwischen laut Alois Mahr auch für Medizintechnik, Bahntechnik und Luftfahrt. Aber nicht nur bei der Auftragsvergabe spielt die Befähigung zur Rückverfolgbarkeit eine Rolle, sondern auch, wenn es um Risiko und Haftung geht. »Wenn die Traceability sowohl lieferantenseitig als auch kundenseitig lückenlos durchgeführt wird, ist Traceability natürlich ein extrem wichtiger Teil zu Risikominimierung im Schadensfall«, so Damej. Und schlussendlich wirkt sich das wiederum positiv auf die Versicherungskonditionen für die Produzenten aus oder kann sogar grundlegend über den Versicherungsschutz entscheiden: »Wir müssen uns hier die Frage stellen: Würden wir noch versichert werden, wenn wir Traceability nicht hätten?«, gibt Alois Mahr zu bedenken.

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