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Cobots

Auf smarter Mission in Low-Volume/High-Mix-Fabs

29. März 2018, 11:26 Uhr   |  Karin Zühlke

Auf smarter Mission in Low-Volume/High-Mix-Fabs
© Bild: Rethink Robotics

Cobots als smarte Helfer in der Produktion

Die kollaborativen Roboter sind keinesfalls nur den hochvolumigen Fertigungen in Asien vorbehalten, sondern auch in klassischen Low-Volume/High-Mix-Fabriken auf dem Vormarsch.

Kollaborative Roboter haben sich für die Fertigungsindustrie zu einer echten Alternative entwickelt, wenn es darum geht, Arbeitsschritte zu automatisieren, bei denen der Einsatz traditioneller Industrieroboter nicht möglich oder unwirtschaftlich ist. Im Gegensatz zu seinen „Käfig-Kollegen“, die festverschraubt hinter einem Sicherheitszaun meist über Jahre hinweg dieselbe Aufgabe ausführen, ist ein Cobot fast ein Chamäleon. Nach Bedarf lässt er sich in der Produktion hin und her rollen und kommt dank hochsensibler Sensoren, die jede Berührung registrieren und den Bewegungsablauf dann umgehend stoppen, ohne Käfig aus.

Binnen Minuten lernen Cobots neue Arbeitsschritte und können dadurch flexibel an unterschiedlichen Stationen entlang der Produktionslinie eingesetzt werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kollaborative Roboter geben Unternehmen die Möglichkeit, dynamisch auf Nachfrageschwankungen, individuelle Kundenanforderungen und strukturelle Herausforderungen wie den Fachkräftemangel zu reagieren. Auch mit Blick auf die Anschaffungskosten können Cobots im Vergleich zu traditionellen Industrierobotern punkten. Das hat für Unternehmen den Vorteil, dass sie mit einem überschaubaren Investment ihre Produktivität steigern können. Das macht kollaborative Roboter nicht zuletzt für KMUs und Unternehmen interessant, die beim Thema Automatisierung noch ganz am Anfang stehen und den Einsatz von Robotern in der eigenen Fertigung erst einmal ausprobieren wollen, ohne sich dabei finanziell zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

So testen bereits einige EMS-Dienstleister den Einsatz der kollaborativen Helfer in ihren Elektronikfertigungen, darunter große Firmen wie Asteelflash, TQ und Zollner. Aber auch kleinere EMS-Firmen wie Limtronik sehen die Notwendigkeit, ihre Fertigung auf diese Weise ins Digitalzeitalter zu überführen.

Markt & Technik
© Markt & Technik

Sebastian Grundmann, Asteelflash »Wir werden diverse Programme starten, um die Automatisierung mit Hilfe von Cobots auch in eine Low-Volume/High-Mix-Fertigung tiefer eindringen zu lassen.«

Bei Asteelflash werden die Cobots in Zukunft einen großen Stellenwert einnehmen, verkündet Sebastian Grundmann, Director Operations East Emea Region von Asteelflash: »Wir werden diverse Programme starten, um die Automatisierung mit Hilfe von Cobots auch in eine Low-Volume/High-Mix-Fertigung tiefer eindringen zu lassen.«

Auch für TQ spielt die kollaborative Robotik nach Auskunft seines Geschäftsführes Rüdiger Stahl eine große Rolle. Als Fertigungsbetrieb im Low- bis Mid-Volume-Sektor brauche TQ eine intelligente Flexibilisierung bzw. Automatisierung, so Stahl. »Wir brauchen kollaborierende Roboter, die den Menschen bei einfachen, sich wiederholenden Tätigkeiten unterstützen, ebenso bei Arbeiten, die möglicherweise gefährlich sind, etwa wenn mit Chemikalien wie Lösungsmitteln gearbeitet wird, oder bei Tätigkeiten, für die eine besondere Reproduzierbarkeit gefordert ist. Ich sehe darin eine Riesenchance, Arbeitsplätze in Europa zu halten oder sogar zurückzuholen und gleichzeitig die höchstmögliche Qualität zu sichern.«

Bei Limtronik ist die kollaborative Robotik Bestandteil der digitalen Agenda. »Eigentlich hatten wir den Einsatz von Robotern für 2019 auf unserer Agenda. Die Hannover-Messe 2017 hat aber gezeigt, dass die kollaborative Robotik schon sehr weit fortgeschritten ist; daher beschäftigen wir uns nun früher mit diesem Thema und wollen das erste System dieser Art definitiv demnächst einsetzen«, berichtet Gerd Ohl, Geschäftsführer von Limtronik. »Parallel haben wir mit einem Institut ein Förderprogramm für die nächsten drei Jahren aufgesetzt, in dem wir die Arbeitswelt mit dem Einsatz von Cobots analysieren werden.« Erklärtes Ziel von Limtronik ist, dass jeder Facharbeiter künftig vier Robotersysteme bedienen soll. »Wir wollen unsere Produkte in Europa zu vernünftigen Preisen herstellen und dabei spielt Robotik eine wichtige Rolle«, resümiert Ohl.

Ihren Einsatz finden kollaborative Roboter ebenso bei Zollner Elektronik in diversen Test-Szenarien: zum Löten von Spulen, beim Handling für den In-Circuit-Test oder auch als fahrerlose Transportsysteme.

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