Gamescom 2019 Sind Videospiele umweltschädlich?

Der Stand von Aorus in Halle 7 auf der Gamescom in Köln.
Der Stand von Aorus in Halle 7 auf der Gamescom in Köln.

Seid Ihr Gamer oder Zocker? Dann gehört Ihr zu den deutschlandweit 34 Millionen, die regelmäßig nach einem Computerspiel greifen. Doch wie sieht es mit der Umweltbelastung aus – ist Zocken nachhaltig?

Viele Besucher strömen gerade zur weltweit größten Messe für die Videospielbranche – gemessen an Ausstellungsfläche und Besucherzahlen – der Gamescom. Von 20. bis 24. August findet sie auf dem Messegelände in Köln statt und steht im Jahr 2019 unter dem Motto »Cloud Gaming«. Unter Cloud Gaming oder »Gaming as a Service« ist das Spielen von Videospielen über einen Server gemeint. Für die Server wird Strom benötigt, der erst erzeugt werden muss – und das nicht immer umweltfreundlich. Allerdings ist die Nachhaltigkeit kein Thema auf der Messe, obwohl die Gaming-Branche mittlerweile größer ist als die Film- oder Musikindustrie.

Games beliebt wie nie

Videospiele erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Allein in Deutschland spielen laut dem Verband der deutschen Games-Branche über 34 Mio. Männer und Frauen mindestens gelegentlich oder sogar häufig. 48 Prozent der Gamer sind dabei weiblich, 52 Prozent männlich bei einem Durchschnittsalter von 36,4 Jahren, Tendenz steigend. Ob mit Spiele-Apps auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn auf dem Smartphone, mit Familie oder Freunden auf der Konsole oder online am PC, die Vielfalt der Games trägt zur weiteren Verbreitung bei. Doch für die Spiele ist Speicherplatz nötig: Einer Prognose von Statista zufolge soll das Datenvolumen bis 2022 auf rund 180 Mrd. Gigabyte ansteigen – das Vierfache des bisherigen Verbrauchs.

Die Umweltbelastung steigt

Der steigende Bedarf an Speicherplatz und somit Rechenleistung erhöht den Stromverbrauch und folglich auch die Umweltbelastung. Laut einer Studie von Springer Science and Business haben Gamer im Jahr 2015 weltweit etwa 75 Mrd. kWh Strom verbraucht. Das entspricht in etwa einem Sechstel des jährlichen deutschen Stromverbrauchs. Auch aufgrund mobiler Konsolen und Smartphones steigen die Zahlen stark an. Neue Techniken wie der 5G-Mobilfunkstandard tragen zu den Fortschritten bei. Sie unterstützen die aktuellen Gaming-Trends E-Sport, Virtual und Augmented Reality sowie Cloud-Gaming-Dienste wie Google Stadia oder PlayStation Now.

Neue Konzepte nötig

Um der wachsenden Umweltbelastung entgegenzuwirken braucht es energieeffiziente und nachhaltige IT-Infrastrukturen. »Auch unsere liebsten Hobbys müssen umweltschonend gestaltet werden«, meint Nicolas Röhrs, Geschäftsführer und Mitgründer von Cloud & Heat Technologies, dazu. Seine Firma entwickelt Konzepte für die Rechenzentren von morgen. Eine Heißwasser-Direktkühlung zum Beispiel ermöglicht das Nachnutzen der Abwärme von Rechenzentren zum Heizen von Gebäude und zum Anbinden an Fern- und Nahwärmenetze. So reduziert die Technik im Frankfurter Hochhaus Eurotheum die CO2-Emissionen um bis zu 557 t im Jahr und spart gleichzeitig Kühl- und Heizkosten ein. Weitere Rechenzentren weltweit wollen sich die Technik zunutze machen, um die Umweltbelastung aus Gaming zu senken.