Autonomes Fahren Create Cars People Love

Active-Sound-Generation-Inbetriebnahme an der Traktionsmaschine eines Elektrorollers im Bereich der Akustik- und Schwingungstechnik.
Active-Sound-Generation-Inbetriebnahme an der Traktionsmaschine eines Elektrorollers im Bereich der Akustik- und Schwingungstechnik.

Assistenzsysteme in Fahrzeugen sind zunehmend komplex. Um sie zu verbessern, ist jede Menge Entwicklungsarbeit in individuellen Labors nötig. Mdynamix setzt auf junge Entwickler mit Benzin im Blut.

Individuelle Mobilität ist ein Urbedürfnis – und Grund der engen emotionalen Beziehung zwischen Mensch und Fahrzeug. Dank den neuen technischen Entwicklungen befindet sich das Automobil jedoch im Wandel: Vom Statussymbol mit Lifestyle-Charakter über ein vernetztes, flexibles und komfortables Mobilitätsmedium hin zum Ort des persönlichen Wohlbefindens. So soll das Auto auch in Zukunft Spaß am Fahren und Mitfahren machen.

Doch die Lage auf Deutschlands Straßen ist fatal, denn noch nie rollten so viele Autos und Lkws über die Fahrbahnen. Autofahrer in Berlin verbringen jährlich sechs Tage ihrer Lebenszeit im Stau. Mit dem Gedränge stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2018 im Vergleich zu 2017 laut ADAC wieder leicht an, auf 2,63 Millionen. Der deutsche Verkehrskollaps ist längst da.

Neue Mobilitätskonzepte im Fokus

Jetzt sind Entwickler und Fahrzeughersteller gefordert. Gefragt sind neue Mobilitätskonzepte und Techniken, die die Fahrsicherheit erhöhen, den Fahrer entlasten und mehr Komfort und Fahrspaß bieten. Ein junges Unternehmen hat sich auf die Fahne geschrieben, mit neuen Konzepten voranzugehen. Mdynamix entwickelt am Standort München neue Lösungsansätze für Fahrdynamik und Komfort sowie Akustik und Schwingungstechnik für die Automobilindustrie. Am Standort Kempten liegt der Fokus des Unternehmens dagegen auf dem Entwickeln von Fahrerassistenzsystemen (FAS oder englisch: Advanced Driver Assistance System, ADAS) sowie dem Entwickeln von Konzepten für das automatisierte Fahren (Autonomous Driving, AD).

Der CEO von Mdynamix, Bernhard Schick, erklärt die Herausforderungen so: »Mehr denn je müssen Mensch und Maschine perfekt miteinander kommunizieren und interagieren, nach außen, nach innen, akustisch, visuell und haptisch. Feedback, Vertrauen, Sicherheitsgefühl und stets vorhersehbare Reaktionen sind dabei essenzielle Faktoren«.

Aufgrund der zunehmenden Verkehrsdichte und komplexer werdenden Assistenzsystemen müssen Autofahrer nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb des Fahrzeugs den Überblick behalten. Beim Entwickeln von Fahrzeugen verfolgt Mdynamix daher einen klaren Ansatz. Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen. Mit seinen emotionalen Bedürfnissen und seinem Anspruch an ein umfassendes Fahrerlebnis, das alle Sinne begeistert. Lenkgefühl und Dynamik, Komfort und Sound sind die Kernkompetenzen, mit denen das junge Team aus 60 Spezialisten effektive Lösungsansätze für das zunehmend elektrische und automatisierte Fahren entwickelt.

Die größte Herausforderung ist der Mensch

Die technischen Neuerungen stellen den Fahrer jedoch vor neue Herausforderungen. Es blinkt, es leuchtet und es piept im Fahrzeug. Paradox ist dabei, dass Assistenzsysteme, die den Fahrer entlasten sollen, selbst zum Stress- und Vertrauensfaktor werden. Viele Menschen stehen automatisierten Fahrerassistenzfunktionen kritisch gegenüber, nutzen sie oft eingeschränkt oder schalten sie sogar ganz ab. Die Gründe sind vielfältig. Einerseits mangelt es oft an Vertrauen und Systemverständnis, andererseits kommt es oft zu unerwarteten und aprupten Systemausfällen. Kundenakzeptanz ist der Schlüssel zur erfolgreichen Einführung des automatisierten Fahrens. Ist sie nicht gegeben, verlieren hochentwickelte Systeme ihren Mehrwert für das Anwenden im Alltag.

Die Mitarbeiter von Mdynamix haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Fahreigenschaften von ADAS und AD in Hinblick auf die Bedürfnisse der Nutzer zu erforschen. So wollen sie Ingenieuren aus der Fahrzeugindustrie eine bessere Grundlage zum Entwickeln von automatisiertem Fahren bieten. Um das Thema ganzheitlich zu bearbeiten, setzt das junge Unternehmen auf ein Team aus Spezialisten unterschiedlicher Fachbereiche wie Fahrdynamik, Messtechnik, Produkt- und Datenanalyse sowie Psychologie.

Den Kunden einbeziehen

Seda Aydogdu ist Projektingenieurin für den Forschungsbereich ADAS und AD bei Mdynamix. Gemeinsam mit ihrem Team führt sie Studien zur Kundenakzeptanz, zu Mensch-Maschine-Schnittstellen und zum Nutzererlebnis für die Gebiete Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren durch. »Wichtig ist das gesamtheitliche Betrachten beim Entwickeln des Konzepts« meint Seda Aydogdu. Um einen gesamtheitlichen Blick auf die Forschungsbereiche und die Studien werfen zu können, bringt Seda folgende Kompetenzen ein:

  • fachliche Vielfalt
  • Methodenkenntnisse
  • eigene Erfahrungen mit dem Fahrzeug und den Fahrfunktionen
  • Begeisterung und Spaß an der Arbeit mit vielen unterschiedlichen Charakteren

Als Diplom-Wirtschaftsingenieurin mit Fachrichtung Elektro- und Informationstechnik profitiert Seda Aydogdu von der Kombination aus technischem Wissen und Kenntnisse zur Herangehensweise an Probleme. So hat das Team um Seda Aydogdu sogenannte Use Cases, also Anwendungsfälle, für das assistierte und automatisierte Fahren definiert, mit denen der Fahrer auch im realen Leben konfrontiert wird. Um die Bedürfnisse der Probanden zu verstehen, wurden zweierlei Aspekte untersucht. Zum einen der subjektiv wahrgenommene Stress und die Belastung des Fahrers. Zum anderen deren Anforderungen und Wünsche beim Einsatz von Spurhalteassistenzsystem in unterschiedlichen Fahrzeugmodellen. Nach über 250 Testfahrten auf über 10.000 Kilometern stand schließlich ein Ergebnis fest. Das Sicherheitsgefühl und der wahrgenommene Komfort stehen in direkter Korrelation mit Stress und Vertrauen und können zur schlechten Bewertung der Assistenzsysteme führen.

Mensch muss im Fokus stehen

Als zentrale Erkenntnis der Studien geht hervor, dass der Mensch beim Entwickeln solcher Systeme nicht ausreichend einbezogen wird. Seda Aydogdu fasst es so zusammen: »Die größte Herausforderung ist und bleibt nun einmal der Mensch als sehr komplexes und vielfältiges Individuum mit entsprechend individuellen Bedürfnissen. Zuhören, Beobachten und Verstehen der Probanden sind Disziplinen, die schon heute zum Handwerkszeug eines Ingenieurs gehören sollten und zukünftig von noch größerer Bedeutung für die Einführung des automatisierten Fahrens sein werden«.

Besonders glücklich ist die Fahrzeugliebhaberin, wenn die gewonnenen Erkenntnisse aus den Studien bei den Forschungspartnern in der Industrie einfließen. Sie freut sich, wenn sie mithelfen kann, für jeden Einzelnen eine einfache Nutzung und ein besseres Fahrerlebnis zu erreichen. Mdynamix legt dabei Wert auf das Motto »Cars that customers love«. So setzen sie mit ihrer Kompetenz, Leidenschaft und ihrem Ideenreichtum komplexe Herausforderungen in effektive Lösungsansätze um.

 

Die Autorin

Linda Mühlbach unterstützt das Team der Forschungskommunikation von Mdynamix am Partnerstandort Kempten als kreativer Kopf und Vorwärtsdenker. Aktuell ist sie eine Master-Studentin im Programm Innovation, Unternehmertum & Leadership an der Hochschule Kempten und hat einen Abschluss als B.A. in Medien- und Bildungsmanagement von der Pädagogischen Hochschule Weingarten.

Über Mdynamix

Mdynamix ist seit 2014 wissenschaftlicher Partner der Automobilindustrie und verschiedener Institute. Als An-Institut steht das junge Unternehmen der Hochschule für angewandte Wissenschaften München mit seiner Expertise zur Seite. Außerdem unterstützt es das Adrive Living Lab der Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten bei Tests zum autonomen Fahren. Die Kompetenzfelder von Mdynamix sind vielfältig: von Fahrdynamik und Komfort über Akustik und Schwingungstechnik bis hin zu Fahrerassistenzsystemen und  automatisiertem Fahren.

Über 60 Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen wie Fahrzeug- und Regelungstechnik, Maschinenbau, Mechatronik, Software Engineering, Wirtschaftsingenieurwesen, Produktentwicklung und Psychologie decken das Spektrum der Kompetenzfelder interdisziplinär ab.