Lebensqualität in der Stadt Sensoren überwachen das Wohlbefinden der Menschen

Grünanlagen mit Rasenflächen und Bäumen tun Stadtbewohnern gut – warum das so ist, haben Forscher nun auf neuronaler Ebene untersucht.
Grünanlagen mit Rasenflächen und Bäumen tun Stadtbewohnern gut – warum das so ist, haben Forscher nun auf neuronaler Ebene untersucht.

Wie wirken sich Grünflächen in der Stadt auf das Wohlbefinden der Menschen aus? Das hat ein Forscherteam des KIT, der Uni Heidelberg und des ZI mithilfe von Sensoren nun herausgefunden. Die Ergebnisse sind eindeutig.

Verbessern Grünflächen in der Stadt das Wohlbefinden im Alltag von Stadtbewohnern?

Das untersuchte ein Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim (ZI) und der Universität Heidelberg in einer interdisziplinären Studie.

Im ersten Schritt bewertete eine kleine Gruppe von Stadtbewohnern neun Mal am Tag ihre Stimmung über ihr Smartphone. Die Teilnehmer der ersten Gruppe waren im Alter von 18 bis 28 Jahren. Später werteten die Forscher über hochauflösende Luftaufnahmen aus, wie hoch der Anteil der Grünflächen in der Umgebung zum Zeitpunkt der Stimmabgabe war.

In einem zweiten Kontrollschritt wurden 52 weitere junge Erwachsene gebeten regelmäßig ihre Stimmung im Alltag zu bewerten. Nach der siebentätigen Erhebungsphase wurden die Probanden einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) unterzogen. Damit lassen sich bestimmte Hirnfunktonen darstellen. Die Ergebnisse der Kontrollgruppe stimmten mit den Ergebnissen des ersten Durchgangs überein.

Sensoren zeichnen Daten auf

Verantwortlich für das Erfassen und Auswerten der Aufenthaltsorte der Probanden waren Forscher des Mental mHealth Lab des KIT. Sie erfassten auch das Wohlbefinden auf den Smartphones in sogenannten GPS-gesteuerten elektronischen Tagebüchern. Außerdem nahmen sie weitere Sensordaten zur körperlichen Aktivität der Probanden im Alltag sowie Wetterdaten auf. Anschließend werteten sie die Daten anhand statistischer Mehrebenenmodelle aus. So konnten die Forscher feststellen, ob sich die Stimmung ändert wenn sich die Probanden in Grünflächen aufhalten.

Grünflächen heben die Stimmung

Das Ergebnis: Je höher der momentane Anteil an Grünfläche in der Umgebung der Stadtbewohner, desto größer war das Wohlbefinden. Bei Menschen, die in ihrem Alltag besonders positiv auf Grünflächen reagierten, beobachteten die Forscher eine verminderte Aktivität im präfrontalen Cortex. Diese Hirnregion übt eine zentrale Kontrollfunktion beim Verarbeiten negativer Emotionen und stressiger Umwelterfahrungen aus.

Für die Stadtplaner sind die Ergebnisse unter dem Aspekt der Gesundheitsförderung ebenfalls interessant. Entsprechend viele städtische Grünflächen könnten psychischen Erkrankungen vorbeugen. Die Feststellung ist wichtig, da die Urbanisierung rasch voranschreitet. Nach Angaben der Vereinten Nationen wohnen schon jetzt mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Im Jahr 2050 leben schätzungsweise rund zwei Drittel aller Menschen in Städten.